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Attacke nach dem Abpfiff: Fußball-Mutti rastet aus

Das Opfer hat am Hinterkopf jetzt eine kahle Stelle Foto: privat (Foto: privat)
 
Die Nachwuchs-Kicker gehen meist fair miteinander um. Doch leider benehmen sich oft die Eltern daneben (Foto: Fotolia/matimix)

jd. Apensen. Nachwuchs-Kicker müssen mitansehen, wie eine Mutter gewalttätig wird / Verband verurteilt Vorfall

Zur Furie wurde eine "Fußball-Mutti" aus Stade nach dem Punktspiel zwischen den U-12-Fußballern der JSG Apensen/Harsefeld II und dem VfL Güldenstern Stade III : Sie riss einer Mutter aus Apensen ein Büschel Haare aus. Ein solcher Gewaltausbruch ist bei einem D-Jugend-Spiel die große Ausnahme. Doch Beleidigungen und Pöbeleien gibt es auch im Nachwuchs-Bereich, wie eine Mutter berichtet, die ihren elfjährigen Sohn regelmäßig zu den Spielen begleitet und jetzt Augenzeugin des Vorfalls in Apensen wurde.

"Die Täterin kam herbeigestürzt und verkrallte sich regelrecht in den Haaren des Opfers", so die Zeugin. Zudem sollen üble Beschimpfungen gefallen sein. "Die Kinder standen drumherum und mussten einen Reigen an Schimpfwörtern mitanhören, die unter die Gürtellinie gingen." Sie Situation eskalierte offenbar, nachdem die Apenser Mutter den verbalen Entgleisungen ihrer späteren Peinigerin Paroli geboten hatte und sie aufforderte, sich zu beruhigen. Mit dem Schlachtruf "Du willst Ärger haben" soll die Staderin losgestürmt sein.

Als der Polizeiwagen vorfuhr, hatte sich die mutmaßliche Täterin bereits aus dem Staub gemacht. Sie war von Schiedsrichter Wolfgang Lewinski des Platzes verwiesen worden. Der Schiri war als erster herbeigeeilt, um die wildgewordene Frau zu beruhigen. Erst als mehrere andere Erwachsene mit anpackten, gelang es, die Frau wegzuzerren "Die Dame wollte nicht von ihrem Opfer ablassen. Wir mussten sie richtig festhalten", schildert Lewinski die unschöne Szene.

Die Polizei ermittelt jetzt wegen Körperverletzung. Für Wolfgang Lewinski ist ein solches Verhalten nicht hinnehmbar. Er fordert ein Platzverbot: "Wer als Mutter so ausrastet, hat hier nichts zu suchen." Schließlich geht es bei diesen Spielen nur um den Spaß." Solch einen heftigen Gewaltausbruch habe er bisher nicht erlebt, so Lewinski, der selbst aktiver Fußballer in einer Herrenmannschaft ist.

Dem Opfer Tanja F.* steckt der Schreck Tage später noch immer in den Gliedern: "Ich bin vorerst krankgeschrieben. Meine Kopfhaut brennt wie Feuer. Ich habe Kopfweh und mein Nacken schmerzt", berichtet sie dem WOCHENBLATT. "Am Hinterkopf habe ich eine große kahle Stelle. Wenn ich Pech habe, wachsen die Haare nicht nach."

Auch der Apenser Trainer Tim Meyer ist schockiert: "Solch ein Verhalten ist ein No-Go. Erst recht im Kinder- und Jugendbereich." So wird das auch von offizieller Seite gesehen: Der Stader Kreisvorstand des Niedersächsischen Fußballverbandes (NFV) habe sich bereits mit dem Gewaltausbruch in Apensen befasst und diesen aufs Schärfste verurteilt, so der 2. Vorsitzende Udo Rathjens: "Die Empörung im Vorstand war groß." Eine Handhabe gegen die Täterin gebe es leider nicht: "Unser Sportgericht kann keine Sanktionen gegen Eltern aussprechen."

Der Vorsitzende Ulrich Mayntz, der an der Sitzung nicht teilnehmen konnte, hörte vom WOCHENBLATT erstmals von der Geschichte. Seine Reaktion ist deutlich: "Ich finde es peinlich, wie diese Mutter sich benommen hat. Solche Eltern haben beim Fußball nichts zu suchen." Es sei schon auffällig, dass bei den Jugend-Spielen immer wieder die Eltern durch verbale Attacken auffielen, während sich die Nachwuchs-Kicker korrekt verhielten. "Wo bleibt denn da die Vorbildfunktion der Eltern?", fragt sich Manytz: "Was sollen Kinder denken, wenn ihre Mütter oder Väter sich so daneben benehmen?"

Der VfL Güldenstern befasse sich derzeit mit einer internen Aufarbeitung des Geschehens, so Jugendleiter Jörn Seefried: "So ein Vorfall ist äußerst beschämend für beide Vereine." In seiner fast 12-jährigen Amtszeit als Jugendleiter sei so etwas noch nicht vorgekommen.

* Name v.d. Red. geändert