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Leben retten ist ganz schön einfach

Carlotta ist zusammengebrochen. Frank Risy rüttelt als erste Maßnahme an ihrem Arm, um sie zu wecken
Beckdorf: Kindertagesstätte Beckdorf | Eine ohnmächtige Person auf die Seite zu drehen, tut nicht weh. Ansprechen auch nicht. Mit seinem speziellen Notfalltraining für junge Leute nimmt Frank Risy den rund 20 Vorschulkindern der Kindertagesstätte Beckdorf die Angst vorm Helfen. "Leben zu retten ist ganz einfach", so seine Botschaft. "Ihr könnt nichts falsch machen."
Und tatsächlich, als der Lehrrettungsassistent plötzlich vor den Augen der fünf- und sechsjährigen Kinder umfällt, dauert es nur wenige Schock-Sekunden, bis das erste Mädchen aufspringt, um zu helfen. Wie sie es zuvor gelernt hat, schaut Hanna-Lena auf den Bauch des "Ohnmächtigen" und prüft, ob er atmet. Risy verzichtet kurz aufs Luftholen. Hanna-Lena weiß, was zu tun ist: Vielleicht versperrt seine Zunge die Atemwege. Das Vorschulkind greift nach Risys Kinn und überstreckt seinen Kopf. Dadurch fällt die Zunge wieder in den Unterkiefer zurück. Frank Risy bekommt wieder Luft. Mittlerweile ist auch Josefine aufgesprungen. Gemeinsam drehen die beiden Mädchen Frank Risy auf die Seite, damit er nicht erstickt, falls er sich übergeben sollte. Doch soweit geht der Lehrrettungsassistent dann doch nicht. Er schlägt die Augen auf und bedankt sich: "Ihr seid echte Retterkinder!" Wäre er nicht aufgewacht, hätten die Kinder den Notruf gewählt. "Eins eins zwei - gebührenfrei"- das hatte Risy zuvor mit den Kindern geübt. Und ganz wichtig: So lange am Telefon bleiben, bis der Gesprächspartner sagt, dass man auflegen kann.
Wie entscheidend das Überstrecken des Kopfes ist, führt Risy bei der Mund-zu-Mund-Beatmung einer speziellen Puppe vor: Solange die Zunge noch vor der Luftröhre liegt, tut sich nämlich gar nichts. Erst als Risy den Kopf der Puppe nach hinten biegt, ihre Nase zuhält und in ihren Mund "pustet", klappt es. Anschließend bekommt jedes Kind eine eigene Puppe zum Üben. Alle Puppenbäuche heben und senken sich. Und damit haben sich auch alle Kinder eine Urkunde verdient.
"Ich habe erlebt, dass ein Neunjähriger vor 30 Erwachsenen ohnmächtig zusammengebrochen ist und niemand wusste, was zu tun ist", sagt Risy. "Der Junge hat, bis wir Rettungssanitäter ankamen, zehn Minuten keine Luft bekommen." Bereits nach drei Minuten ohne Luft ist das Gehirn geschädigt. Die gute Nachricht: Nur wenige Tage, nachdem Risy vor zwei Jahren mit einem Stader Kindergarten den Notfall geübt hatte, fand der kleine Alexander seine Mutter bewusstlos in der Küche. Und machte alles richtig: Kopf überstrecken, auf die Seite legen, Notruf wählen und am Telefon bleiben, bis die Retter alle Informationen hatten. "Alexander hat seiner Mutter tatsächlich das Leben gerettet", sagt Frank Risy.