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Furcht vor Fremden: Beckdorfer Eltern protestieren gegen Asylbewerber

Mehr als 65 Beckdorfer besuchten die Bürgersprechstunde auf dem Beekhoff
Die Angst vor Asylbewerbern lässt Beckdorfer Eltern auf die Barrikaden gehen: Mehr als 65 Beckdorfer stürmten mit ihren Kindern die Bürgersprechstunde von Siegfried Stresow, Bürgermeister der Gemeinde Beckdorf. Sie hatten gehört, dass die Gemeinde plant, elf Flüchtlinge u.a. aus Syrien in Containern direkt an der Kinderkrippe Beckdorf unterzubringen. (Das WOCHENBLATT berichtete). Siegfried Stresow und Samtgemeindebürgermeister Peter Sommer versuchten zwar, die zum Teil aufgebrachten Bürger zu beschwichtigen. Allein: Eine Lösung des Problems haben sie nicht. "Wir haben keine Wahl - die Asylbewerber werden uns zugewiesen. Und wir werden noch mehr bekommen, keiner weiß, wie viele und wie schnell", erklärt Peter Sommer.
Die Empörung der Beckdorfer scheint zwei wesentliche Gründe zu haben:
Erstens: Die Samtgemeinde Apensen und die Gemeinde Beckdorf sind nicht offen mit dem Thema umgegangen, sondern haben den Standort für das Containerdorf an der Kinderkrippe ohne Ratsbeschluss ausgemacht. Das ist ein wesentlicher Vorwurf des Beckdorfers Frank Wallin, der als einer der Wortführer auftrat. "Das Thema muss sofort im Samtgemeinderat öffentlich auf den Tisch", fordert Wallin.
Zweitens: Ein weiterer, wichtiger Grund scheint die generelle Furcht vor Fremden zu sein: "Wir haben Angst um unsere Kinder", sagte eine Mutter und bekam dafür Applaus. Es wurden Beispiele angeführt, in denen einheimische Kinder von nicht einheimischen Kindern geärgert und bedrängt wurden. Auch das Frauenbild anderer Kulturen wurde thematisiert. Ein Beckdorfer gab zu bedenken, dass sich viele Frauen abends nicht mehr trauten, zur Sporthalle zu gehen, wenn nebenan elf männliche Asylbewerber leben. Auch wurde von Razzien und Drogenfunden bei Asylbewerbern in Apensen gesprochen. Die WOCHENBLATT-Nachfrage bei Polizeisprecher Rainer Bohmbach ergab: Das stimmt nicht, die Polizei war zwar vor Ort, aber ohne strafrechtlichen Hintergrund und auch nicht im Haus der männlichen Asylbewerber.
Das erinnert dann doch stark an den Protest der Bewohner in Undeloh, die sich im vergangenen Jahr gegen die Unterbringung von Asylbewerbern wehrten. Dort hatte der Gemeinderat ausländerfeindliche Sätze zugelassen und damit eine öffentliche Debatte ausgelöst (das WOCHENBLATT berichtete). Auch in der Beckdorfer Bürgersprechstunde stellte kein Teilnehmer die Frage, warum ausgerechnet von Flüchtlingen eine besondere Gefahr für Kinder ausgehen sollte. In diesem Kontext klingt es auch nicht mehr glaubhaft, wenn sich eine Mutter Sorgen über die fehlende Infrastruktur in Beckdorf macht und den Flüchtlingen den Weg zum Amt nach Apensen und Stade nicht zumuten mag.
So ist es auch kein Wunder, dass Bürger und Bürgermeister keinen Konsens finden konnten. Siegfried Stresow versicherte zwar, dass alternative Standorte für die Container geprüft würden und das Thema am 8. September im Gemeinderat diskutiert werde. Damit wären die Beckdorfer Frauen und Kinder aber noch lange nicht sicher vor dem "gefährlichen schwarzen Mann".