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"Das ist eine komplexe Sache"

Daniel Untermann verwehr sich gegen die Vorwürfe (Foto: SV Beckdorf)

Betrugs- Vorwurf gegen den Beckdorfer Trainer Daniel Untermann / Vorstand will Ruhe bewahren

ig. Beckdorf. „Ich war das ganze Wochenende unterwegs für den SV. Das zermürbt“, sagt Beckdorf Vorsitzender Jörg Neumann. „Die Medien wollen von mir viel wissen.“ Der Handballverband Berlin (HVB) und der Deutsche Handballbund (DHB) beabsichtigen, dem Trainer des erfolgreichen Oberligisten und Meisterschaftsfavoriten, Daniel Untermann, die Trainerlizenz zu entziehen. Hintergrund: Das Amtsgericht Tiergarten verurteilte den Coach im August 2015 wegen Betruges nach einer Spendenaktion zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung. Begründung: Untermann hat den Berliner den Freundeskreis des Deutschen Handballs (FDDH) nach einer Spendenaktion um rund 15.700 Euro netto betrogen.
Der SV-Coach sieht das völlig anders: „Das ist ein alter Hut." Da werde eine drei Jahre alte Geschichte aufgebauscht, wieder zu einer heißen Sache gemacht. Für ihn steht fest: „Die Vorwürfe sind schierer Blödsinn.“ Die Geschichte von damals sei eine komplexe Sache. „Es ging kurz gesagt um den Verkauf von T-Shirts, die ich privat in Auftrag gegeben und vertrieben habe, um eine Charity für Flutopfer zu finanzieren.“ Dieses Geld wollte der FDDH einbehalten. Im übrigen: Ihm könne man gar nicht die Lizenz entziehen. „Das gibt die Rechtsordnung des DHB gar nicht her.“ Und der FDDH dürfe sich da schon gar nicht einmischen.
SV-Chef Neumann beteuert, er habe bis vergangenen Freitag vom Rechtsstreit nichts gewusst, habe erst durch einen Zeitungsbericht von den Vorkommnissen erfahren. Von einem „Rausschmiss“ will er nichts wissen. Schnellschüsse seien nicht angesagt. Der Vorstand habe sich gleich nach der Veröffentlichung beraten und befunden, „Ruhe zu bewahren, sachlich und fair mit dem Fall umzugehen“. Neumann: „Wir befinden uns doch auch auf der Zielgerade zur Meisterschaft.“ Alle Kraft solle jetzt für das Ziel „Aufstieg“ in die Dritte Liga eingesetzt werden. Wie das Team damit umgehe, will er nicht benennen. Auch nicht, ob die Mannschaft noch hinter Untermann steht. Fest steht für ihn: „Der SV hat einen guten Ruf in der Handball-Szene. Und den werden wir bewahren.“
Wichtig für den Vereins-Chef, der erst vor Wochen das Amt übernommen hat, sei jetzt das Gespräch mit dem DHB, mit dem Coach und seinem Arbeitgeber und SV-Top-Sponsor Matthias Janitschke. „Dann sehen wir weiter.“ Coach Untermann betont, dass Janitschke hinter ihm stehe. Und: Er lasse sich durch die Vorwürfe nicht von seiner Arbeit für den SV ablenken.
Die Querelen scheinen dem Tabellenführer nichts anzuhaben. Am vergangenen Wochenende ließ der Geestclub auch im Auswärtsspiel nichts anbrennen, gewann bei der HSG Delmenhorst mit einem krankeitsbedingt kleinen Kader mit 33:28, bleibt einziger verlustpunktfreier Oberligist Deutschlands. Neumann: „Uns hat die Geschichte nicht zurückgeworfen.“