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Abschied nach 45 Jahren

Der Radiologe Dr. Karl-Heinz Winterstein nimmt Abschied von seinem Arbeitsplatz im Krankenhaus Buchholz (Foto: nf)

Der Radiologe Dr. Karl-Heinz Winterstein geht in den Ruhestand

(nf). „Ich bin der Dinosaurier der Klinik, habe viele Chefärzte kommen und gehen sehen“. Das sagt Dr. Karl-Heinz Winterstein, Begründer der Gemeinschaftspraxis für Radiologie, Nuklearmedizin und Neuroradiologie im Krankenhaus Buchholz. Jetzt geht der 65-jährige Diagnostik-Experte nach über 45 Jahren selbst: in den Ruhestand.
Im Jahr der Studentenrevolten, 1968, trat der Abiturient Winterstein seinen Dienst im Krankenhaus Buchholz an. Zuerst als Praktikant in der Krankenpflege, um sich auf sein Medizinstudium in Hamburg vorzubereiten. Später auch in den Semesterferien, denn „in Hamburg gab’s dafür Geld“. Also fragte er in Buchholz bei der Oberin, Schwester Hildegard Hass, nach. Ihre Antwort: „Sie sind zum Dienen hier, nicht zum Verdienen“.
Allgemeinarzt war sein Berufswunsch. Teile seiner praktischen Ausbildung absolvierte er ebenfalls im Buchholzer Krankenhaus, nur in der Inneren Abteilung konnte er nicht landen.
Also orientierte er sich um. Die Radiologie war damals ein boomender Fachbereich voller technischer Neuerungen, die den Nachwuchsarzt faszinierten. 1984 kam der erste Computertomograph in das Krankenhaus, 1989 war Dr. Winterstein einer der Ersten, die die MRT-Technik erlernten, 1992 wurde er Chefarzt der Radiologischen Abteilung.
Um auch ambulant Patienten untersuchen zu dürften, wagte der Radiologe mit seinen Kolleginnen und Kollegen 1997 einen großen Schritt und privatisierte die Praxis. Es war ein harter Start, denn gleich in den ersten beiden Jahren gingen vier Geräte kaputt. Investitionen, die die Ärzte aus ihrem eigenen Budget bestreiten mussten.
Im Jahr 2005 übernahm die Gemeinschaftspraxis die Röntgenabteilung in Winsen – und modernisierte sie komplett, so dass heute in beiden Städten exzellente Untersuchungsmöglichkeiten zur Verfügung stehen.
Mit deren Hilfe blickt der erfahrene Diagnostiker Dr.Winterstein in das Innere seiner Patienten und muss ihnen oft Dinge sagen, die an die Nieren gehen. „Ehrlich bleiben, aber die Hoffnung nicht nehmen“, ist seine Devise.
Die genaue Kenntnis von Land und Leuten hilft ihm, Vertrauen zu gewinnen. Dr. Winterstein ist im damals noch selbständigen Buchholzer Ortseil Steinbeck aufgewachsen. Er hat in diversen Mannschaften Fußball gespielt, war Trainer und Betreuer und mit seinem Basketball-Seniorenteam sogar Hamburger Meister. „Die meisten meiner Sportkameraden waren auch meine Patienten. Und die meisten typischen Sportverletzungen kenne ich aus eigener Erfahrung“.
Die Bedürfnisse der Kranken und der niedergelassenen Ärzte, die ihn um Hilfe baten, waren für ihn stets das Wichtigste, „auch wenn sich später herausstellte, dass wir einen Teil der Leistungen von den Kassen nicht bezahlt bekamen“. Heute steht die Praxis mit 60 Angestellten und zwei Standorten gut da.
Dr. Winterstein könnte sich zufrieden zurücklehnen. „Doch erst sehnt man den Ruhestand herbei. Und wenn es soweit ist, fühlt man sich ganz komisch“, bekennt er. Nach einem Leben mit durchschnittlich 60 Arbeitsstunden pro Woche kommt auf ihn und seine Frau Sieglinde, die ihn bei der Organisation der Praxis unterstützte und mit der er vier erwachsene Kinder und vier Enkelkinder hat, nun eine große Umstellung zu.
Doch eines wird sich auch in Zukunft nicht ändern: An Feiertagen hat Dr. Winterstein Dienst. Denn dann spielt er im Posaunenchor von St. Paulus, mit der gleichen Hingabe, mit der er als Arzt seinen Weg gegangen ist.