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Besuch in einem gebeutelten Land: Bürgerkrieg in Syrien macht einfachen Leuten das Leben zur Qual

In Damaskus ist das Leben noch relativ normal: Christo Kachar an einem Obst- und Gemüsestand in der syrischen Hauptstadt (Foto: Kachar)
os. Buchholz. "Es tut weh, die armen Menschen in Syrien zu sehen, die unter der Geschäftemacherei anderer leiden. Wie böse ist die Welt nur geworden?!" Der dreiwöchige Besuch in Syrien wirkt bei Christo Kachar (75) noch nach. Der Kosmopolit aus Buchholz, der fast zwei Jahrzehnte in dem vorderasiatischen Staat lebte, kehrte mit vielen Eindrücken von seiner Reise nach Damaskus zurück. In der syrischen Hauptstadt wurde der Sohn seines Neffen getauft.
Die einfache Bevölkerung leide extrem unter dem Bürgerkrieg, der Syrien seit zweieinhalb Jahren fest im Griff hat. Das merke man vor allem in der Hauptstadt: "Dort herrscht Chaos pur", berichtet Christo Kachar. Auf der Suche nach Schutz flüchteten viele Menschen nach Damaskus. Heute hat die Stadt nach Kachars Schätzungen sieben statt bislang fünf Millionen Einwohner. Viele würden buchstäblich auf der Straße leben. Überall gebe es Kontroll-Stationen: "Für einen Kilometer braucht man häufig drei Stunden und mehr", sagt Kachar. Viele Gebäude wie das Rathaus und Ministerien seien hermetisch abgeriegelt, um kein Ziel für Selbstmord-Attentäter in Autos zu bieten.
Vom Krieg bekomme man in Damaskus relativ wenig mit. "Ich konnte mich frei bewegen, auch nachts. Ich hatte keine Angst", berichtet Kachar, der seit 1960 in Deutschland lebt und hier vor allem als Basketball-Trainer bekannt wurde. Von den Hügeln nahe Damaskus habe er aber regelmäßig Bombenlärm gehört. "Dort werden jetzt vor allem kleine Dörfer, in denen Christen leben, bekämpft", sagt Kachar. Dafür würden Islambrüder aus vielen Staaten angeheuert. "Mit Geld kann man alles machen, das Waffengeschäft kennt keine Gnade", so der Weltbürger, der zehn Sprachen spricht. Zudem würde die grenzenlose Korruption das Leben in Syrien erschweren.
Was können die Deutschen tun, um den Syrern zu helfen? "Vor Ort kaum etwas", sagt Christo Kachar. "Die Deutschen haben in Syrien einen schlechten Ruf." Deutschland ist einer der weltweit größten Waffenlieferanten, Syrien kaufte in der Bundesrepublik viele Waffensysteme.
Christo Kachar legt seine Hoffnungen in die internationalen Gespräche zur Zerstörung der syrischen Chemiewaffen. Er könne sich sogar vorstellen, noch einmal nach Syrien zu ziehen: "Es gibt kaum ein schöneres Land. Aber erst muss es dort Frieden geben!"