Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Buchholz‘ teuerste Dekoration steht auf dem Friedhof

Horst K. schaut auf eine der Lampen auf dem Friedhof. Sind sie defekt oder bleiben sie aus, weil sich im Rathaus niemand kümmert?
 
Optisch ist die Beleuchtung auf dem Friedhof in Buchholz ein Highlight. Leider ist sie ohne Funktion

Stadt installierte auf dem Friedhof hochwertige Lampenanlange, die aber nicht eingeschaltet wird.

mum. Buchholz. Am Sonntag ist Totensonntag. Überall in Deutschland gedenken vor allem Protestanten den Verstorbenen. Ein Besuch auf dem Friedhof ist für viele an diesem Tag obligatorisch. In Buchholz sollten sich Trauernde allerdings vornehmen, möglichst nicht nach Einbruch der Dunkelheit auf den städtischen Friedhof am Seppensener Mühlenweg zu gehen. Dort ist nämlich die Beleuchtung defekt - seit mindestens acht Jahren. Es geht um 15 Laternen.
„Ich habe im WOCHENBLATT gelesen, dass die Friedhofsgebühr deutlich angehoben werden soll“, sagt Horst K. (74). Seinen Namen möchte er aus Furcht vor Repressalien seitens der Stadt nicht nennen. Wie berichtet plant Buchholz tatsächlich eine extreme Preiserhöhung. Für ein Urnenreihengrab werden künftig 835 Euro anstatt bisher 214,70 Euro fällig - ein Plus von fast 400 Prozent. "Das hat mich auf die Palme gebracht", so Horst K. "Ich finde es unverschämt, dass hier die Trauernden zur Kasse gebeten werden und die Stadt Buchholz nicht einmal in der Lage ist, für eine funktionierende Beleuchtung zu sorgen."
Horst K. verlor seine Tochter 1994. „Seit diesem Tag bin ich täglich auf dem Friedhof“, so der ehemalige Spediteur. Als die neue Beleuchtung aufgestellt worden war, freute sich Horst K. Doch schon bald gab es Pannen: „Das Licht war auch am Tag eingeschaltet“, erinnert sich der Rentner. Schließlich hätten die Arbeiter begonnen, die Wege rund um die Laternen aufzureißen. Als Horst K. eine Mitarbeiterin ansprach, habe es einen verbalen Nackenschlag gegeben: „Dann gehen sie doch nicht im Dunkeln auf den Friedhof“, soll die Mitarbeiterin ihm zugerufen haben. Außerdem habe sie gesagt, dass die Lampen von Anfang an eine Fehlplanung gewesen seien.
Stadt-Sprecher Heinrich Helms bestätigt, dass die Lampen aus sind. Allerdings nicht, weil sie defekt seien. „Es ist nie geplant gewesen, sie einzuschalten“, so Helms. Stimmts? Keine Ahnung. Fakt ist jedoch, dass sich die Stadt Buchholz die wohl teuerste Friedhofsdekoration der Welt leistet. Allerdings nicht mehr lange. Helms: „Derzeit prüfen wir, ob die Lampen an einem anderen Standort aufgestellt werden können.“

• Stichwort „Totensonntag“: Der Totensonntag wird alljährlich am Sonntag vor dem ersten Advent begangen. Im evangelischen Glauben werden an diesem Tag der Tod und die Hoffnung auf ein ewiges Leben in Verbindung gebracht, weshalb der Feiertag auch als Ewigkeitssonntag bezeichnet wird. Die evangelische Kirche möchte den Fokus weg von Tod und Vergänglichkeit hin zu christlichen Werten wie Hoffnung und der Vorstellung von Ewigkeit und Wiederauferstehung lenken.

Kommentar

Eine Stadt ohne Erleuchtung
Seit Anfang der 1990er Jahre verfügt der Buchholzer Friedhof über eine moderne Beleuchtungsanlage, die nicht eingeschaltet wird. Eine Investition von mindestens 100.000 Euro rottet dort still vor sich hin - und niemand interessiert es. Dabei wäre es ohne Weiteres möglich, die Lampen mit Bewegungsmeldern auszustatten. Dann würde man Strom sparen und Bürgerfreundlichkeit beweisen.
Zu Buchholz aber passt es, dass sich die Verwaltung jetzt darüber Gedanken macht, die Lampen umzusetzen - vielleicht auf den nächsten Friedhof?
Sascha Mummenhoff