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Buchholzer Dialoge: Suchet der Stadt Bestes - Wie Kirche das Gemeinwesen mitgestaltet

„Die Kirche muss weiterhin wichtiger Wertevermittler von Gemeinschaft in Gesellschaften bleiben“, sagt Bischöfin Kirsten Fehrs
 
Diese Schüler des Gymnasiums am Kattenberge haben die Diskussion vorbereitet: Joel Oya Taboás mit Stadtbaurätin Doris Grondke und Bischöfin Kirsten Fehrs, Ella Irmgart, Winona-Leonie Hoff und Hannah Kirsch mit Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse
as. Buchholz. „Kirche ist da lebendig, wo man zusammen für etwas einsteht“, sagt Kirsten Fehrs, „Christ sein ist keine Privatsache!“ Die Bischöfin der Nordkirche im Sprengel Hamburg und Lübeck referierte im Rahmen der Gesprächsreihe „Buchholzer Dialoge“ zum Thema „Suchet der Stadt Bestes - Wie Kirche das Gemeinwesen mitgestaltet“. Rund 100 Buchholzer kamen trotz der sommerlichen Temperaturen in die Empore, um mit Kirsten Fehrs über die Rolle der Kirche in der Stadtentwicklung zu diskutieren.
„Der Stadt Bestes suchen“ sei nur in einer Kultur des Dialogs möglich, sagte Kirsten Fehrs. Sie forderte eine lebensnahe Kirche als Lern- und Diskursraum für Toleranz und Akzeptanz. Die Frage, wie es auf der Suche nach Würde und Gerechtigkeit in der Gesellschaft weitergehen solle, könne von der Kirche nicht allein beantwortet werden.
Kirsten Fehrs ging auch auf das ambivalente Verhältnis ein, das viele Menschen zur Kirche haben. „Kirche muss da sein, aber man möchte sie nicht brauchen müssen und bleibt auf Distanz“, sagte sie. Der Gegensatz zwischen Erwartungshaltung und eigenem Engagement bestimmte auch die anschließende Diskussion.
„Der Kirche stehen so viele Ressourcen zur Verfügung, warum tut sie nicht mehr?“, fragte ein Teilnehmer. Den schrumpfenden Kirchengemeinden würden vielerorts wachsende Erwartungen und Projektionen entgegengestellt, antwortete Kirsten Fehrs, und verwies auf die bereits von ihr angesprochene emotionale Ambivalenz zur Kirche.
Eine Teilnehmerin kritisierte, dass die Kirche nicht ausreichend den Dialog suche. Brigitte Bittermann, Pastorin in der Buchholzer St. Paulus-Gemeinde, widersprach: „Ich habe das Gefühl, dass wir auf eine Kirche angesprochen werden, die wir in Buchholz nicht mehr repräsentieren. Nehmen Sie wahr, was wir hier auf die Beine stellen! Wir versuchen, gesellschaftlich und aktuell am Ball zu sein!“ Die Wahrnehmung und das eigentliche Engagement der Kirchen drifte häufig auseinander, sagte Kirsten Fehrs.
Die Kirchengemeinden in Buchholz tun einiges, um sich von dem verstaubten Image zu lösen. Bei Events wie Schützenfesten oder dem Stadtlauf nehmen sie mit besonderen Gottesdiensten aktiv am Gemeinwesen teil. Zudem prägen sie als Veranstalter von Konzerten die Buchholzer Kulturlandschaft. Tauffeste werden statt in der Kirche in der Natur am Steinbach gefeiert. Mit besonderen Gottesdienstformen wie der z.B. „Kirche für Knirpse“ oder dem „Zwischenhalt“, einem Gottesdienst zu einem bestimmten Thema mit moderner Musik, Interviews, Mitmach-Aktionen und kurzer Predigt, schaffen die Buchholzer Gemeinden einen neuen Zugang zur Kirche.
Auch das ehrenamtliche Engagement wurde diskutiert. Kirsten Fehrs wies auf eine einschneidende Veränderung in der Gesellschaft hin: Viele Menschen würden sich zwar engagieren, aber nur noch für einen begrenzten Zeitraum oder einen bestimmten Anlass und sich nicht mehr institutionell binden wollen, sagte die Bischöfin. Zu Themen wie Umwelt oder den Flüchtlingen sei aber eine hohe Einsatzbereitschaft, gerade bei den Jugendlichen,
vorhanden.
Im Nachlassen des kirchlichen Ehrenamts liege auch eine Chance, sich gemeinsam mit Politik und Unternehmen zu organisieren und neue Ideen zu entwickeln. „Die Kirche muss weiterhin wichtiger Wertevermittler von Gemeinschaft in Gesellschaften bleiben“, so die Bischöfin.