Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

"Das sind kriminelle Machenschaften"

  Zirkuschef wehrt sich gegen Tierschützer, die Schimpansen-Haltung kritisieren

bim. Buchholz. "Grausam, der letzte deutsche Zirkus-Schimpanse tritt mit dem Circus Belly auf" - mit reißerischen Schlagzeilen wie dieser wirbt die Tierschutzorganisation "Vier Pfoten" für ein Wildtierverbot in Zirkussen. Der aktuelle Grund ihres Anstoßes: Schimpanse Robby (38), der seit 35 Jahren bei Zirkus-Familie Köhler lebt und auch in der Manege auftritt. Zirkus-Chef Klaus Köhler (64) ist die Aufregung um seine Wildtiere gewöhnt. Er ärgert sich aber über die Mittel, mit denen die selbsternannten Tierschützer sein Unternehmen schädigen. Plakate werden zerstört oder mit verleumderischen Aussagen überklebt. "Das sind für mich kriminielle Machenschaften", sagt Köhler. Zwei der Organisationen habe er wegen Verleumdung verklagt. Um die sei es jetzt ruhig geworden.
Früher machten die "Tierschützer" gegen die Tiger-, Löwen- und Alligatoren-Haltung im Circus Belly mobil. Jetzt haben sie Robby entdeckt. Kritisiert wird, dass der Schimpanse ein "Leben ohne Artgenossen auf engstem Raum" führe und "entwürdigende Tricks" zeigen müsse. Klaus Köhler: "Wenn Robby schlecht gehalten würde, hätte man ihn uns längst weggenommen. Wir erfüllen alle Auflagen, die Tierhaltung wird regelmäßig amtstierärztlich kontrolliert." Erst jüngst habe sich eine Primatenforscherin ein Bild von Robby gemacht und nichts zu beanstanden gehabt, so Köhler.
Eine der Tierschutzorganisationen forderte die Abgabe von Robby in eine sogenannte Wildtier-Auffangstation. Aber: Robby ist mit den sechs Kindern der Köhlers aufgewachsen, musste sich nie selbst um sein Futter kümmern oder sich mit Artgenossen um die Rangordnung streiten. Klaus Köhler akzeptiert er als seinen "Vater". "Bei uns wird Robby beschäftigt. In einer Auffangstation würde er eingehen vor Heimweh", sagt Köhler.

Ein Affe als Familienmitglied


Aufmerksam beobachtet Robby (38) die Besucher vor seinem Wagen. Als Zirkus-Chef Klaus Köhler (64) diesen betritt, freut sich der 1,50 m große Schimpansenmann und laust sein menschliches Gegenüber. Die beiden kennen sich seit 35 Jahren, verspeisen gemeinsam ein paar Bananen. Klaus Köhler kennt Robbys Körpersprache ganz genau. Dass der Menschenaffe im Zirkus gehalten wird und auch in der Manege auftritt, hat einige Tierschützer auf den Plan gerufen. Durch ihre Kampagne haben sie dem Circus Belly ein bundesweites Medien-Interesse beschert.
"Ich kenne die Natur und das Wesen der Tiere", sagt Klaus Köhler, der sein ganzes Leben lang mit Tieren arbeitet. In seinem Circus Belly mit über 150-jähriger Tradition arbeiten 25 Menschen und rund 70 Tiere, darunter auch Tiger, Löwen, Alligatoren und eben Schimpanse Robby.
"Er ist mit meinen sechs Kindern aufgewachsen", erzählt Köhler, der für Robby der "Vater" oder "Oberaffe" ist. Früher lief der Schimpanse frei herum. "Später wollte er der Älteste sein und die Kinder mit erziehen. Als er 20 Jahre alt war, wurde er gröber", sagt Köhler. Deshalb erhielt Robby sein eigenes Refugium.
"Eine Primatenforscherin bestätigte uns, dass Robby in guter Verfassung ist. Er hat seinen Wagen und insgesamt 68 Quadratmeter Platz", so Köhler. Mindestens vier Stunden am Tag werde der Affe beschäftigt, seine Kunststücke mit den Hunden oder wenn er in der Manege mit dem Roller fährt oder Basketball spielt, seien harmonisch eingeübt, betont Köhler. "Wenn man ein Tier schikaniert oder etwas erzwingt, würde es sich wehren."
Selbst die von den Behörden für die Schimpansen-Haltung geforderte Schüttel- und Stocherbox, aus denen sich der Schimpanse sein Fressen herauspulen oder schütteln muss, stellt Köhler bereit. "Darauf hat Robby zwar keine Lust, aber es muss sein", sagt der Zirkus-Chef. Dem Affen ist es offensichtlich lieber, wenn sein Menschen-Kumpel einen Salat oder Obst mit ihm teilt.
Dass Tierschützer nun fordern, Robby in eine Auffangstation zu geben, kann Köhler nicht verstehen. Er habe sich eine Affen-Auffangstation in Holland angeschaut, erzählt Köhler. "Robby ist zu stark vermenschlicht. In solchen Auffangstationen sind viele gestörte Tiere. Ich kann mein Kind doch nicht zu solchen Nervenkranken stecken. Dort würde er er nur in der Ecke sitzen und eingehen vor Heimweh", sagt Köhler. "Wir werden Robby weiter behalten."
Der Circus Belly gastiert bis zum 1. April auf dem Festplatz am Buchholzer Holzweg, Vorstellungen täglich um 16 Uhr, Ostersonntag und -montag um 15 Uhr. Von Freitag, 5. April, bis Sonntag, 7. April, schlägt der Circus Belly seine Zelte in Buxtehude auf. Die Vorstellungen sind Freitag und Samstag jeweils um 15 und 19.30 Uhr und am Sonntag um 15 Uhr.