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"Die Agrarreform war eine Revolution"

Forschte fast fünf Jahre: Wilhelm Westermann mit seinem Buch über die Agrarreform im Fürstentum Lüneburg

Fast fünf Jahre geforscht: Wilhelm Westermann schreibt ein Buch über die Landwirtschaft im 19. Jahrhundert

os. Buchholz. Nach seinem langen Arbeitsleben als Wirtschaftsprüfer wollte Wilhelm Westermann (73) noch einmal etwas ganz anderes machen. Gesagt, getan: Fast fünf Jahre lang forschte der geschichtsinteressierte Rentner aus Buchholz über die Auswirkungen der Agrarreformen im 19. Jahrhundert. Das bemerkenswerte Ergebnis liegt jetzt vor: Jüngst ist Westermanns Buch "Die Agrarreformen im Fürstentum Lüneburg" im PD-Verlag erschienen. Der Autor betrachtete dabei den Zeitraum zwischen 1867 und 1900.
Auslöser für die Themenfindung war eine Familienchronik, die Wilhelm Westermanns Ur-Großvater im Jahre 1905 für ein Gehöft im Heide-Dorf Tätendorf (Landkreis Uelzen) anlegte. Westermann nutzte die Chronik und ergänzte sie durch eigene Nachforschungen, vor allem im Hauptstaatsarchiv Hannover. Da dort Kopien nicht erlaubt waren, musste der Autor Hunderte Quellen wie Verträge abschreiben. Kein Problem für Westermann: "Das Thema hat mich richtig gepackt", erklärt er. "Die Agrarreformen waren eine Riesenumwälzung, quasi eine Revolution."
Dazu trugen laut Westermann zwei Hauptkomponenten bei: die Einführung von Gemeindegrenzen und die Ablösung grundherrlicher Lasten durch die Bauern. Bis zu den Reformen bewirtschafteten die Landwirte häufig kleinteilige Äcker. Das Vieh wurde auf allgemeine Flächen, sogenannte "Gemeinheiten", getrieben. Nach der Reform wurden erstmals landwirtschaftliche Flächen zusammengefasst - inklusive der "Gemeinheiten". "Dadurch hat sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Flächen auf ein Zehntel reduziert", beschreibt Westermann.
Zudem bekamen die Bauern die Möglichkeit, ihre Lasten bei den Grundherren abzulösen und fortan frei zu arbeiten. Alle Landwirte im Fürstentum Lüneburg nutzten die Gelegenheit, sich von den Abgaben - dem Zehnten und dem "Gefälle" - zu befreien, hat Westermann herausgefunden.
Sein erstes Buch wird auch sein letztes sein, sagt Wilhelm Westermann. "Noch einmal kann ich eine solche Mammutaufgabe nicht bewältigen." Wohl aber bleibt Zeit für kleinere Nachforschungen: Derzeit beschäftigt sich Westermann mit einer soziologischen Arbeit über einen Hof im Landkreis Uelzen.
• Wilhelm Westermann, Die Agrarreformen im Fürstentum Lüneburg, PD-Verlag, 464 Seiten, ISBN 978-3-86707-837-5, 22,80 Euro.