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Dienstleistung im Krankenhaus: Überraschungen im Minutentakt

Siegrid Spieker an ihrem Schreibtisch: Flexibilität ist ihr oberstes Gebot

Was Projektleiterin Sigrid Spieker täglich erlebt

nf. Buchholz. Damit es Patienten im Krankenhaus gut geht, brauchen sie mehr als ärztliche Versorgung: ein sauberes, bequemes Bett, gepflegte Räume, verschiedene Handreichungen, ein schmackhaftes und gesundes Essen. Dinge, die allzu oft als selbstverständlich hingenommen werden, für die aber hinter den Kulissen ein hoher Aufwand betrieben wird. Eine eigene Dienstleistungsgesellschaft mit 169 Mitarbeitern erledigt diesen „hauswirtschaftlichen“ Part der Krankenhausarbeit in Winsen und Buchholz. An der Spitze der 79 Winsener Angestellten steht Sigrid Spieker (55).
Ein Montagmorgen kurz vor Weihnachten, 5.40 Uhr. Sigrid Spieker, die in Buchholz wohnt, sitzt seit zehn Minuten in ihrem Büro. Und schon zum zweiten Mal klingelt ihr Telefon. Grippesaison. Die Krankmeldungen häufen sich. Sigrid Spieker notiert, disponiert um und kommt „das erste Mal ins Schwitzen“.
7 Uhr. Bewerbungsgespräch. Eine ältere Frau möchte gern als Reinigungshilfe anfangen. Mit einer Tasse Kaffee nimmt Sigrid Spieker ihr die Scheu. „Wiedereinsteigerinnen sind bei uns hoch willkommen, denn sie arbeiten motiviert und zuverlässig“, erfährt die Bewerberin. Nach welchen Kriterien die Jobs vergeben werden? „Was zählt, sind Teamfähigkeit, Belastbarkeit und deutsche Sprache“, verrät Sigrid Spieker, fügt dann schmunzelnd hinzu: „Und mein Bauchgefühl.“ - Es hat sie bisher selten getrogen.
Höchste Zeit, den Stapel Stundenabrechnungen zu kontrollieren. Einige Mitarbeiter haben nichts eingereicht. Sigrid Spieker greift zum Telefon. Freundlich ist sie, aber bestimmt. Danach nimmt sie sich die Bestell-Listen für den Einkauf vor: 50-mal Seifencreme rosa, Desinfektionsflüssigkeit, Schutzhandschuhe. ..
10 Uhr: Längst wollte Sigrid Spieker schon in der Küche vorbeigeschaut haben. Auch dort werden neue Mitarbeiter gesucht. Doch wieder kommt etwas dazwischen: „Das Sprühextraktionsgerät ist da“, meldet eine Angestellte. Sigrid Spieker flitzt auf den Flur, um die Lieferung – eine Art Teppichreiniger - in Augenschein zu nehmen.
Überraschungen im Minutentakt gehören zum Job als Projektleiterin, den Sigrid Spieker nach einer längeren Familienphase vor drei Jahren im Krankenhaus Winsen angetreten hat. Auch ihre Freizeit ist mehr als ausgefüllt: Die gelernte Gebäudereinigerin, frühere Jura-Studentin und Mutter von zwei erwachsenen Söhnen engagiert sich als Vorsitzende im Buchholzer Mehrgenerationenhaus Kaleidoskop, Mitglied des Buchholzer Stadtrates und als Aufsichtsratsvorsitzende im Veranstaltungszentrum Empore. „Und außerdem“, fügt sie mit einem Lächeln hinzu, „bin ich stellvertretende Bürgermeisterin von Buchholz.“
11 Uhr: Sigrid Spieker hat sich nun doch auf den Weg in die Küche gemacht, wo es schon verführerisch nach Pommes duftet. Plötzlich steht eine weinende Mitarbeiterin vor ihr: „Der Arzt hat gesagt, ich muss aufhören zu rauchen“, schluchzt die Frau, die aus dem Kosovo stammt und erst im vergangenen Jahr die deutsche Staatsbürgerschaft bekommen hat. Sigrid Spieker nimmt sie spontan in den Arm: „Bei dem, was Du schon alles geschafft hast, ist das doch ein Klacks“, sagt sie. - Trost, der von Herzen kommt. „Wir sind ein Team, fast schon wie eine Familie, sonst würde mir die Arbeit nicht soviel Spaß machen“, verrät Sigrid Spieker, bevor sie zum nächsten Termin sprintet.