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Ein Kind der Hoffnung

Eine glückliche Familie (v.li.): Mohamad, Zeeno Huri, Ahmad, Luma Idelbi und Shahed (Foto: Krankenhaus Winsen)

Familie stammt aus Aleppo: Der kleine Ahmad ist in diesem Jahr das 700. Baby im Krankenhaus Winsen

nw./os. Buchholz. Der kleine Ahmad kam jüngst im Krankenhaus Winsen als das 700. Baby in diesem Jahr zur Welt. So viele Geburten gab es noch nie zuvor. Auch für seine Eltern Luma Idelbi (34) und Zeeno Huri (40) bedeutet der kleine Kerl mit dem dichten schwarzen Haarschopf und den stolzen 3,7 Kilogramm Geburtsgewicht etwas ganz Besonderes. Denn Ahmad ist ein Kind der Hoffnung!
Luma Idelbi und Zeeno Huri mit ihrer zehnjährigen Tochter Shahed und dem neunjährigen Sohn Mohamad stammen aus Aleppo. Während in der syrischen Großstadt nach über fünf Jahren Bürgerkrieg kein Stein mehr auf dem anderen geblieben ist, lebt die junge Familie nun in Stelle in Sicherheit. Vater Zeeno Huri hatte sich früh um eine Ausreise bemüht und zunächst versucht, in Griechenland für seine Lieben ein neues Zuhause zu schaffen, doch gab es dort keine Aufenthaltsgenehmigung. Die Familie musste zurück nach Aleppo, wo die Lage ständig prekärer wurde. Tagelang keine Elektrizität, kein Wasser. Ständig Flugzeuge mit todbringender Fracht über dem Haus. Das Unternehmen von Zeeno Huri, ein Porzellanfachgeschäft, wurde zerstört. Keine Schule. Und ständig Angst um Leib und Leben. „Meine beiden Kinder mussten früh erwachsen werden“, sagt Luma Idelbi.
Über die Türkei reiste der Vater zunächst allein nach Deutschland ein. Und durfte die Familie nachholen. Seit knapp eineinhalb Jahren sind die junge Frau und ihre Kinder jetzt hier. Die Familie hat eine Wohnung in Stelle. Die Kinder gehen dort zur Schule. Die ehrgeizige Shahed, die einmal Ärztin werden möchte, besucht die vierte Klasse und spricht fließend und akzentfrei Deutsch, Mohamad ist in der zweiten Klasse und kickt beim TSV Stelle: „Ich bin in der U8“, sagt er stolz. Zeeno Huri verdient als Lagerarbeiter Geld für die Familie. Gerade macht er einen Deutschkursus und den Führerschein, um einen besseren Job zu bekommen.
Sie sind glücklich in der neuen Heimat. Doch immer wieder erreichen sie Schreckensnachrichten. Zeeno Huris achtzehnjährige Cousine ist das Opfer eines Luftangriffs geworden. Täglich bangt er um seine Mutter, die noch in Aleppo wohnt, ebenso wie Lumas einzige Schwester. Auch Luma Idelbi sehnt sich nach ihrer Mutter und nach ihren Verwandten, die über ganz Europa verstreut sind. Bei den Gesprächen über Smartphone fließen viele Tränen. „Wir haben Aleppo noch immer im Herzen“, sagen die Eltern. Aber ihre Zukunft sieht die Familie in Deutschland. Luma Idelbi, die in Aleppo Englisch studiert und unterrichtet hat, spricht konsequent Deutsch und will schon bald wieder zurück in ihren Sprachkursus an der VHS. Auch träumt sie von einer Arbeit. „Dass Frauen arbeiten, als Ärztin, Anwältin oder Lehrerin, ist bei uns in Syrien selbstverständlich“, berichtet sie. „Aber dass auch ältere Frauen hier Sport machen, Fahrrad fahren und noch so fit sind, das finde ich toll“, sagt sie lachend.
Baby Nummer 700 im Krankenhaus Winsen setzt einen positiven Trend fort. 671 Geburten waren es in 2015. Unter den Müttern sind laut Johannes Klemm, Chefarzt für Gynäkologie und Geburtshilfe, jetzt auch zunehmend Migrantinnen. Das Konzept der als „Babyfreundliches Krankenhaus“ zertifizierten Klinik zieht Frauen aus dem weiten Umkreis an. Diese schätzen vor allem die geborgene, intime Atmosphäre des Hauses. Jedes zehnte der in Winsen entbundenen Kinder kommt im Wasser zur Welt, was für Mütter und Babys besonders sanft ist.
Luma Idelbi hat ihr Kind auf natürlichem Weg zur Welt gebracht, und das, obwohl sie in Aleppo bereits einen Kaiserschnitt hinter sich hatte. Erstmals war ihr Mann im Kreißsaal dabei. Betreut durch das erfahrene Team der Winsener Geburtshilfe war dies für ihn ein Erlebnis, das ihn „lachen und weinen ließ“ und noch stärker mit seiner Frau verbunden hat.