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Eine neue Heimat in Buchholz

Khalil Khalil (17) an seinem Arbeitsplatz (Foto: Vivien Meitsch)
as. Buchholz. Khalil Khalil ist 17 Jahre alt und macht während der Ferien ein Praktikum bei einer Zeitung. Auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich, doch
WOCHENBLATT-Praktikant Khalil, der schon gut Deutsch spricht, ist erst vor vier Monaten nach Deutschland gekommen. Der Syrer musste mit seiner Familie vor dem Krieg fliehen.
Sein Heimatort Hassake (im Nordosten Syriens) ist vollkommen zerstört. Über ein Jahr mussten Khalil Khalil, seine Mutter und seine vier Geschwister nach ihrer Flucht aus dem Kriegsgebiet in der Türkei warten, bis ihr Vater Ahmed, der schon früher ausgereist war, sie nach Deutschland holen konnte. Khalil Khalil, der in dieser Zeit als Friseur gearbeitet hat, nutzte diese ungewisse Zeit, um sich schon einen Wortschatz von etwa 200 deutschen Worten anzueignen.
Jetzt wohnt die Familie in einem Einfamilienhaus in Buchholz und die Stadt gefällt ihnen gut. Ein Onkel lebt mit seiner Familie ebenfalls hier, ein anderer wartet darauf, dass seine Familie einreisen darf. Der Kontakt zur restlichen Familie in Syrien kommt nur sehr schwer und unregelmäßig zustande, da die meisten Kommunikationswege zerstört sind.
In seiner Freizeit arbeitet der Technikfreund daran, eine deutschsprachige Broschüre für Flüchtlinge, in der die wichtigsten Informationen für das Leben in Deutschland zusammengefasst sind, ins Arabische zu übersetzen und auf Facebook zu veröffentlichen. Die Broschüre soll möglichst viele Flüchtlinge erreichen, auch die, die noch nicht so gut Deutsch sprechen wie er.
Der Ratgeber wurde von Khalil auf dem Smartphone erstellt - in mühsamer, wochenlanger Arbeit. Doch der aufgeschlossene Teenager freut sich, dass er damit schon einigen Menschen die Eingewöhnung in Deutschland erleichtern konnte.
Sein Engagement hat ihn auch zu seinem Praktikum beim
WOCHENBLATT geführt. Adelheid Bertheau, die die Familie ehrenamtlich betreut und Khalil Khalil bei seinem Projekt hilft, ist sein Interesse am gestalterischen Umgang mit Wort und Bild aufgefallen, und so hat sie kurzerhand beim WOCHENBLATT angerufen und nach einem Praktikumsplatz für ihn gefragt.
Beim ersten Kennenlernen sprach Khalil Khalil kaum Deutsch, die Kommunikation erfolgte weitestgehend über den Google-Translator (ein kostenloses Übersetzungsprogramm). Eine Herausforderung, die die Technikabteilung angenommen und bis heute nicht bereut habe, so Abteilungsleiterin Andrea Heimbold.
Bis gestrigen Freitag war der hilfsbereite Khalil in der Technikabteilung tätig. Die Bearbeitung von Fotos und Schriften macht ihm Spaß, und er möchte gern eine Ausbildung im Informatikbereich machen, wenn sein Deutschkursus vorbei ist.
Doch erst einmal lockt der deutsche Spät-Sommer, und Khalil Khalil, der sich gerade von einem Armbruch erholt, kann es gar nicht erwarten, mit seinen Geschwistern wieder Fußball spielen zu können.