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Elementargefahren sind oft nicht versichert

Fachanwalt für Versicherungsrecht: Jürgen Hennemann (Foto: archiv / os)

Fachanwalt Jürgen Hennemann warnt vor Deckungslücken


os. Buchholz.
Geflutete Erdgeschosse, vollgelaufene Keller - die jüngste Starkregenperiode hat für viele Hausbesitzer gravierende Folgen. Bei der zentralen Frage, ob die Schäden über die Versicherung gedeckt sind, werden viele Versicherungsnehmer ihr blaues Wunder erleben, erklärt Jürgen Hennemann, Fachanwalt für Versicherungsrecht aus Buchholz: „In vielen Versicherungen sind Elementargefahren wie Starkregen oder Überschwemmungen nicht gedeckt.“
Bis 1994 hatten Bürger in Deutschland keine Möglichkeit, sich gegen Elemantargefahren zu versichern. Mit der von der EU angestoßenen Deregulierung und dem daraus folgenden Prämien- und Bedingungswettbewerb nahmen Versicherungsgesellschaften die Elementargefahren in ihr Angebot für Privatpersonen auf. Das alles geschah allerdings sehr zögerlich. Bis heute gibt es kein lückenloses Angebot.
„Viele Versicherungen machen es sich einfach und sagen bei einem Schadensfall: 'Das ist nicht gedeckt!'“, erklärt Hennemann. Der Fachanwalt sieht daher vorrangig die Versicherungsvermittler in der Pflicht, ihre Versicherungsnehmer auf die Lücken hinzuweisen. Maßstab für die Beratung und Aufklärung von Versicherungsnehmern sei laut einer EU-Richtlinie, die in deutsches Recht übernommen wurde, der „optimale Versicherungsschutz“ des Versicherungsnehmers. Das gelte sowohl bei Neuabschlüssen von Verträgen wie bei der Verwaltung von Alt-Verträgen. Wichtig: Die Beratung muss dokumentiert und hinterher von beiden Seiten unterzeichnet werden. Ein Versicherungsagent müsse bei einer Beratung offen kommunizieren, wenn die Versicherung Elementargefahren nicht anbiete. Bereits zuvor hatte der Bundesgerichtshof für Versicherungsmakler bestimmt, dass diese den Rang eines „treuhänderischen Sachwalters“ für die Versicherungsnehmer haben. Eine höhere Beratungs- und Aufklärungspflicht könne es kaum geben, betont Hennemann.
Seit mehr als zehn Jahren wiesen große Rückversicherer darauf hin, dass Elementargefahren zu einem zunehmenden Problem werden, sagt Hennemann: „Es gibt also Deckungslücken in einem Bereich, der als zunehmend risikobelastet bewertet wird.“