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Fünf vor Zwölf in der Pflege

Protestierende vor der Diakoniestation Tostedt
gb/rs. Tostedt/Buchholz. „Wir fordern von der Bundesregierung bessere Rahmenbedingungen für eine würdevolle Pflege.“ Mit diesem Anliegen traten Mitarbeiter und Bewohner der Diakoniestation Tostedt im Rahmen eines bundesweiten Aktionstages vor die Türen ihrer Einrichtung. Dabei prangerten sie Missstände im Pflegebereich an: „Auf unserer Tagesordnung stehen Leid, Tod und Stress.“ Im Buchholz stellte sich die Führung der Kreiskrankenhäuser und der Waldklinik Jesteburg sowie die Landratskandidaten Rempe und Grambow der Kritik der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di.
Hauptanliegen der Protestierenden sind ein höherer Personalschlüssel, weniger Bürokratie, eine Reform der Pflegestufenzuordnung, eine kontinuierliche Erhöhung der Pflegesätze und angemessene tarifliche Vergütungen. Außerdem eine einheitliche, schulgeldfreie Finanzierung der Ausbildung, bessere Aufstiegschancen und die gesellschaftliche Anerkennung der pflegenden Berufe. Darüber hinaus wird eine bessere Aufklärung und Schulung von Angehörigen, mehr Hilfsangebote wie familienentlastende Dienste, sowie ein Umfeld, das ermöglicht Pflege und Beruf miteinander zu vereinbaren gefordert.
Für ver.di wies im Buchholzer Krankenhaus Schwester Stefanie de Vries darauf hin, dass Stellen bereits nicht besetzt werden können, weil qualifiziertes Personal fehle.
Norbert Böttcher, Geschäftsführer der Kreiskrankenhäuser in Buchholz und Winsen, plädierte für einen grundsätzlichen Politikwechsel: "Für die, die wir am meisten brauchen, Krankenpflegepersonal und Hebammen, können wir am wenigsten ausgeben." Es müsse mehr Geld ins System. Das dürfe aber nicht in noch mehr Bürokratie versickern, sondern müsse beim Patienten ankommen.
Betriebsratschef Markus Beeken sieht dabei die Situation in den Krankenhäusern Buchholz und Winsen noch als vergleichweise befriedigend. Zwar gebe es, wie von ver.di kritisiert, rund 1.400 Überstunden bei den Beschäftigten. Diese Zahl relativiere sich aber, wenn man sie auf die fast 800 Mitarbeiter beziehe und dazu wisse, dass es eine Betriebsvereinbarung gebe, mit dem Ziel, diese Situation zu verbessern.
Die Landratskandidaten Reiner Rempe und Thorsten Grambow sprachen sich beide für den Bestand der kommunalen Krankenhäuser und gegen eine Privatisierung aus, wie sie beim Krankenhaus Salzhausen gerade vorgenommen werden soll.