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Im Behörden-Dschungel

Tim Knaack an seinem Gartenhäuschen, oben in den Bäumen hängt (noch) der abgebrochene Ast (Foto: kb)
Nach Sturmschaden: Tim Knaacks Odyssee auf der Suche nach dem richtigen Ansprechpartner

kb. Buchholz. Eigentlich schien Tim Knaacks Anliegen nicht sonderlich kompliziert: Weil beim Sturm am vergangenen Wochenende der große Ast einer Kiefer auf dem unbewohnten Nachbargrundstück abgebrochen war und nun auf sein Gartenhaus zu fallen drohte, suchte der Buchholzer Hilfe. "Ich wollte eigentlich nur wissen, wer dafür zuständig ist und die drohende Gefahr beseitigt", so Knaack. Doch statt einer Antwort und Abhilfe, erwartete ihn ein Ausflug in den tiefsten Behörden-Dschungel.
Am Sonntagmorgen entdeckte Tim Knaack den abgebrochenen Ast, der hoch oben im Baum noch von anderen Ästen gehalten wurde. "Aber das sah schon ziemlich wackelig aus und direkt unter dem Ast steht meine Holzwerkstatt", erzählt Knaack. Weil das Grundstück nicht bewohnt ist, fiel der direkte Gang zum Nachbarn aus. Tim Knaacks erster Anruf galt der Polizei. "Dort konnte man mir zwar auch nicht sagen, wem das Grundstück gehört, aber ich bekam den Tipp mich an die Feuerwehr zu wenden", erzählt Knaack. "Außerdem bot mir der Polizist an, dass ich mich noch einmal melden kann, wenn ich gar nicht weiterkomme. Es gäbe wohl noch alte Verzeichnisse bei der Polizei, in der sich der Grundstücksbesitzer eventuell finden ließe."
Tim Knaack rief bei der Feuerwehr an. Nur eine halbe Stunde später stand der Ortsbrandmeister auf seinem Grundstück. Der erkannte die Gefahr, nahm den Sachverhalt  auf und machte Fotos. "Aber er meinte, dass die Feuerwehr nicht zuständig sei, weil Leib und Leben nicht in Gefahr seien und sie zudem mit der Drehleiter gar nicht aufs Grundstück kämen", berichtet Tim Knaack. Er bekam den Tipp, sich an die Stadt zu wenden, um die Anschrift des Grundstückbesitzers zu ermitteln.
Also begab sich Tim Knaack nach dem Wochenende ins Bürgerbüro. "Ich habe brav eine Nummer gezogen und als ich dran war, meinen Fall geschildert", so Knaack. Die Adresse des Grundstücksbesitzers bekam er allerdings nicht. Stattdessen wurde ihm geraten, sich an das Liegenschaftsamt beim Amtsgericht Tostedt oder an das Katasteramt in Winsen zu wenden. "Da fiel mir das Angebot des netten Polizisten wieder ein und ich dachte, bevor ich die halbe Welt abtelefoniere, geh ich da noch mal kurz rüber", so Tim Knaack. Doch die Kollegin des Beamten kannte die alten Listen nicht und verwies ihn erneut an die Stadt.
Also ging Knaack noch einmal ins Rathaus, dieses Mal aber zur Info. "Wieder schilderte ich mein Anliegen und dass ich eigentlich nur die Anschrift des Grundstücksbesitzers bräuchte", erzählt der Buchholzer. Und siehe da: Die Dame an der Info tätigte einen schnellen Anruf beim Liegenschaftsamt der Stadt Buchholz und schickte Knaack ein Stockwerk höher. "Ich wähnte mich bereits am Ziel", so Tim Knaack. Doch zu früh gefreut. Im Liegenschaftsamt teilte man ihm mit, dass man ihm nur sagen könne, ob das Grundstück der Stadt oder einer Privatperson gehöre. "Das wusste ich ja aber schon", sagt Knaack. Die Dame gab ihm die Telefonnnummer vom Amtsgericht, dort gäbe es eine Karte. Und verabschiedete sich mit dem Angebot: "Wenn das nicht klappen sollte, dann melden Sie sich noch mal und wir schreiben den Besitzer an und teilen ihm Ihre Kontaktdaten mit."
Knaack rief beim Amtsgericht an. "Mir wurde mitgeteilt, dass die dort die Flurnummer bräuchten. Die gäbe es beim Katasteramt. Das beantworte aber nur schriftliche Anfragen", erzählt Tim Knaack. Die Telefonnummer solle er sich doch aus dem Internet suchen. Das tat der Buchholzer. Und sprach wenig später mit einem netten Herren beim Katasteramt, der zunächst bestätigte, dass er die Anfrage eigentlich schriftlich bräuchte. "Zum Glück, und weil ich schon wusste, dass es sich bei den Besitzern um eine Eigentümergemeinschaft in Hamburg handelt, gab er mit dann aus Kulanz die Adresse", so Knaack, der inzwischen einen Brief an die Grundstücksbesitzer aufgesetzt hat.
Wenn Tim Knaack die Geschichte erzählt, tut er dies zwar mit einem Lächeln auf den Lippen, aber eigentlich ist er schwer genervt. "Es kann doch nicht so kompliziert sein, mir einen Ansprechpartner zu nennen. Da wusste eine Hand wirklich nicht, was die andere tut", kritisiert er. Zwar seien alle sehr freundlich gewesen. "Aber wie schwer kann es sein, mir zu sagen: Wir wissen den Namen, aber Sie müssen eine schriftliche Anfrage stellen?", fragt sich der Buchholzer. Es ist nicht das erste Mal, dass er den Amtsschimmel laut wiehern hört. Seine Idee: "Wie wäre es denn mal mit einem einfachen Leitfaden für solche Notfälle, in dem ich auf Anhieb den richtigen Ansprechpartner finde und mich nicht einen ganzen Tag lang mit verschiedensten Anlaufstellen abmühen muss?"
Tim Knaack hofft nun, dass sein Nachbar schnell reagiert. "Bei der nächsten starken Windböe könnte der Ast schon runterfallen - und womöglich das Dach meiner Werkstatt schwer beschädigen und womöglich durchbrechen."