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"Jedi" - ein Nilpferdbulle mit Privatpool

Flusspferd "Jedi" ist gerade aus seinem Wassercontainer entstiegen
 
"Jedi" mit Zirkus-Chef Alois Spindler
bim. Buchholz. Gemütlich trottet der Dickhäuter aus seinem Pool den Steg herunter. „Jedi“ ist der Name des 42-Jährigen, der definitiv einen zufriedenen Eindruck macht und mit offenem Maul anzeigt, dass er Appetit auf ein Leckerchen hätte. Der Flusspferdbulle ist einer der tierischen Stars des „Circus Voyage“, der bis Sonntag auf dem Festplatz am Holzweg in Buchholz gastiert.
Mit 42 sei „Jedi“ ein echter Methusalem und älter als seine wild lebenden Artgenossen. „In freier Wildbahn werden Flusspferde im Schnitt 35 Jahre alt, Bullen eher seltener, weil sie von Nachwuchsbullen vertrieben oder totgebissen werden“, erläutert Tourneeleiter Sascha Grodotzki.
Rund die Hälfte des Tages verbringe der 2,5-Tonnen-Koloss „Jedi“ an Land. Für das Befüllen seines riesigen Wassercontainers mit 140.000 Litern Wasser sei es am Gastspielort hilfreich, wenn ein Anschluss in der Größe eines Feuerwehrschlauchs vorhanden sei. Ansonsten dauere das Wassereinlassen entsprechend länger. Über eine Standleitung mit dem Wasserwerk und einen Zähler werde am Ende des Gastspiels mit den Wasserwerken abgerechnet und das Wasser wie Abwasser entsorgt, erklärt Grodotzki.
Der afrikanische Flusspferdbulle, den der „Circus Voyage“ vor zehn Jahren von einem italienischen Zirkus übernommen habe, werde seit den 1980er Jahren oder länger in Europa gehalten. Vermutlich sei er - wie viele Zirkustiere - vor Jahrzehnten als verwaistes Wildtier nach Deutschland und in einen Zirkus gekommen, vermutet der Tourneeleiter. Auf der Haltegenehmigung ist u.a. das Geburtsjahr 1975 vermerkt. Außerdem ist „Jedi“ gechippt.
Großartige Kunststückchen müsse der Bulle in der Mangege nicht machen. „Er dreht eine Runde, geht auf sein Podest, reißt seine 'Futterluke' auf und markiert sein Revier. Da müssen wir immer auf das Logenpublikum aufpassen“, schmunzelt Sascha Grodotzki.
Der „Circus Voyage“ reist mit 13 Artisten und rund 80 Tieren - neben „Jedi“ u.a. mit Elefanten, Giraffen, Kamelen und Pferden - durchs Land. Ein geeigneter Gastspielplatz müsse eine Größe von rund 8.000 Quadratmetern haben, davon mindestens 5.000 Quadratmeter für die Tiere, für deren Wohlergehen auch mal die Artisten zurückstecken müssten.
Damit die Giraffen während der Tournee mit ihren langen Hälsen genügend Platz haben, hat das Unternehmen einen Spezialtransporter, der auf 4,60 Meter ausgefahren werden kann, berichtet Moderator Klaus Kaulis, der auch im Beirat und Sekretariat des Berufsverbandes der Tierlehrer arbeitet. Zudem führt der Zirkus ein tonnenschweres Gittergestell mit, in dem die Elefanten auch nachts frei herumlaufen können.
Der Kritik der Tierschützer, von denen manche dem Ruf des Zirkus' laut Klaus Kaulis mit fragwürdigen Aktionen schaden wollen, stellen sich die Zirkusleute offensiv. „Alle Tiere sind im Zirkuszentralregister vermerkt. Außerdem führen wir u.a. ein Tierbestandsbuch, jeder Zu- und Abgang wird notiert und der Heimatbehörde - in unserem Fall Nordsachsen, wo unser Winterquartier ist - gemeldet“, so Grodotzki. „Die Kritik von bestimmten Tierschützern, die inzwischen eine regelrechte Hetzjagd betreiben, nehmen wir nicht ernst, nur die Anregungen der Veterinärämter. Wie sich alles entwickelt hat, ist schade. Denn früher hat der Zirkus mit den Tierschützern zusammengearbeitet, um gemeinsam Richtlinien für die Tierhaltung weiter zu entwickeln“, so Sascha Grodotzki.
Das Kreisveterinäramt bestätigt auf WOCHENBLATT-Anfrage, dass alle Vorschriften für Zirkustiere eingehalten werden. Die Gehege der Tiere seien sogar großzügiger bemessen, als vorgegeben. Zum Beispiel haben die Elefanten auf ihrer Außenfläche 400 statt der vorgeschriebenen 250 Quadratmeter Platz. Weiterhin berichtet Kreissprecher Johannes Freudewald, dass alle Tiere Ende August fachärztlich untersucht worden seien und es keine Beanstandungen gegeben habe. Nur zwei Pferde, ein abgemagerter Schimmel und ein anderes Pferd, das Mauke habe, müssten weiter tierärztlich behandelt werden.
Damit sich die Besucher ein Bild von der Haltung machen können, hatte der Zirkus am Mittwoch zur Elefantenfütterung eingeladen. Auch besteht dazu in den Vorstellungspausen Gelegenheit.
• Vorstellungen sind am Samstag um 16 und um 19.30 Uhr sowie Sonntag um 11 und 15 Uhr. Infos unter www.circus-voyage.de.