Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Lektüre, Trost und Abwechslung

Das Büchereiteam (hi. v.li.): Pastor Jürgen Pommerien, Sigrid Lederer, Sigrid Lehmann, Antja Witte. Vordere Reihe v.li.: Ingrid Haupt, Mieze Niemeyer, Gerda Rega, Elke Wutsdorff, Sieglinde Winterstein. Es fehlt Brigitte Meissler (Foto: Krankenhaus)
 
Werner Wiesmaier interssiert sich für Geo-Hefte (Foto: Krankenhaus)

Krankenhausbücherei feiert ihren 30. Geburtstag / Angebot noch immer gefragt

(nw). Ein strahlender Frühlingstag. Doch Ingrid Haupt (69) verlässt ihren Garten, um die Patienten des Buchholzer Krankenhauses mit Lesestoff zu versorgen. Seit der Geburtsstunde der evangelischen Krankenhausbücherei vor 30 Jahren ist sie dabei. Ihre ehrenamtliche Arbeit teilt sie sich mit acht Kolleginnen. „Jede von ihnen hat einen anderen Geschmack, jede schlägt andere Bücher vor, sodass wir breit aufgestellt sind“, sagt sie. Von Krimis bis zu Zeitschriften, von Hochliterarischem bis zu „Schmökern“ reicht die stets auf dem neuesten Stand gehaltene Auswahl der Bücherei, die über 2.500 Medien verfügt.
Mit sicherem Griff wählt Ingrid Haupt Bildbände, Romane und einige Hörbücher aus und platziert sie auf einem Bücherwagen mit Leichtrollrädern. „Den hat das Krankenhaus uns zum 30. Jubiläum geschenkt“, verrät sie, während sie die Minibibliothek durch die Flure schiebt.
Erster Anlaufpunkt: die Station D für Wahlleistungspatienten. Ein kurzer Austausch mit der Stationsleitung, und schon weiß Ingrid Haupt, welche Patienten Ruhe brauchen und welche sich über einen Besuch freuen.
„Die habe ich auch in meinem Garten“, ruft Angelika Busch aus Flörsheim am Main und deutet auf ein Buchcover mit einer Ente. Im Garten ihrer Eltern am Buchholzer Hopfenberg ist sie von der Leiter gestürzt. Ausgerechnet beim Reinigen eines Nistkastens. Das Fachbuch über Vögel, das Ingrid Haupt ihr ausleiht, wird ihr die Tage im Klinikbett verkürzen.
„Bücher lese ich eigentlich weniger“, bekennt ein paar Zimmer weiter Werner Wiesmaier aus Handeloh. Aktuelle News holt er sich am liebsten über sein iphone, das griffbereit neben seinem Bett liegt. Aber für ein paar Geo-Hefte kann er sich durchaus begeistern.
Tür um Tür öffnet Ingrid Haupt. Nie weiß sie, was sie dahinter erwartet. Manche Patienten schlafen, manche sind zu krank zum Lesen, andere haben ihre eigenen Bücher mitgebracht. Aber viele freuen sich über ein Gespräch, ein paar aufmunternde Worte und etwas Abwechslung.
Reißenden Absatz findet das Angebot von Ingrid Haupt bei Familie Langholz aus Harburg, die zusammengekommen ist, um die neugeborene Mia zu bestaunen. Auch Mias Bruder Marlin (7), dem zwischendurch etwas langweilig wird, darf etwas ausleihen: Seine Wahl fällt auf Asterix-Comics, während seine Mama Melanie sich für Reisemagazine entscheidet.
Die Frühlingssonne ist schon längst hinter den Häusern verschwunden, als Ingrid Haupt mit einem Stapel Ausleihkarten und zahlreichen Rückgaben wieder in der Bücherei im Erdgeschoss des Krankenhauses eintrifft. Über zwei Stunden ist sie unterwegs gewesen. Hat zugehört, viele Gespräche geführt und auch Patienten gesehen, denen es nicht so gut geht. „Bei diesen Begegnungen lernt man, eigene Beschwerden und Missgeschicke zu relativieren“, sagt sie. Dafür und für das dankbare Lächeln, das sie auf viele Gesichter zaubert, gibt sie gern ihre Zeit. Auch an einem schönen Frühlingstag.

Kirchenkreis als Träger
Die evangelische Krankenhausbücherei im Krankenhaus Buchholz ist in Trägerschaft des Kirchenkreises Hittfeld. Betreut werden die neun ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen von Krankenhauspastor Jürgen Pommerien. Jede von ihnen arbeitet durchschnittlich vier Stunden die Woche in der Bücherei. Bis ein neu gekauftes Buch im Regal steht, sind 13 Arbeitsschritte notwendig. Die Mitarbeiterinnen bilden sich regelmäßig fort. Zu ihren Aufgaben gehört auch, regelmäßig neue Bücher zu lesen und sie dem Büchereiteam vorzustellen.