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"Mehr Rock-Power geht nicht!": Carl Carlton und Freunde begeistern 400 Fans in Buchholz

Auf der Bühne (v. li.): Pascal Kravetz, Carl Carlton, Dion Murdock und Jerry "Wyzard" Seay
 
"Tolle Show": Empore-Geschäftsführer Onne Hennecke und Carl Carlton
ce. Buchholz. "Mehr Rock-Power geht nicht!" - da waren sich die rund 400 Zuschauer einig, die am Donnerstagabend in der Buchholzer Empore das Konzert von Star-Gitarrist, Sänger, Komponist und Produzent Carl Carlton und seinen nicht weniger berühmten Freunden erlebten. Bei Letzteren handelte es sich um Bassist Jerry "Wyzard" Seay, Mitbegründer der legendären Funk-Rock-Band "Mother's Finest", deren Drummer Dion Murdock und den aus Jesteburg stammenden Keyboarder Pascal Kravetz.
Für Carl Carlton, der seit gut 45 Jahren in der internationalen Rockszene ganz oben mitmischt war es quasi ein Heimspiel, denn er wohnte ebenfalls viele Jahre in Jesteburg. Heute lebt er auf der Insel Gozo unweit von Malta.
Auf der Bühne der Buchholzer Empore unternahmen Carlton & Co. unter dem Motto "From Tobacco Road To Graceland" eine mitreißende Reise durch die Rockgeschichte. Bei den Coverversionen wurde Legenden wie Tom Petty ("Love Is A Long Road"), Leadbelly ("Midnight Special"), Billie Holiday ("Strange Fruit") und Bob Marley ("Redemption Song") gehuldigt. Beatles-Fans kamen etwa bei "All You Need Is Love") voll auf ihre Kosten, und auch die "Blue-Suede Shoes" von Elvis passten Carl Carlton wie angegossen. Der passionierte Vollblut-Musiker zeigte aber auch mit eigenen Liedern wie "Moonlight in New York" oder "God's Gift To Man" einmal mehr, dass er seinen Idolen in nichts nachsteht.
Zwischen den Songs stellte Carlton in Erzählungen sein enormes Wissen über die Rock-Historie unter Beweis. Und er sparte nicht mit kritischen Worten zur aktuellen Politik. So erteilte er der vieldiskutierten Obergrenze für Flüchtlinge eine Absage: "Wenn sich früher nicht ganz viele Menschen aus verschiedenen Völkern und Kulturen zusammengetan hätten, gäbe es beispielsweise bis heute keinen Rock 'n' Roll."
Von dem knapp dreistündigen Konzert begeistert waren auch Jens Meyer aus Buchholz, Kristina Büssow-Giersch (Winsen) und Bernd Lünsmann (Buxtehude), die der WOCHENBLATT-Verlosungsaktion Freikarten gewonnen hatten. Empore-Geschäftsführer Onne Hennecke sprach ihnen aus dem Herzen, als er sich "von der tollen Show tief beeindruckt" zeigte.

- CARL CARLTON IM WOCHENBLATT-INTERVIEW:

• Am Rande des Konzertes hatten Carl Carlton und WOCHENBLATT-Redakteur Christoph Ehlermann, die sich seit vielen Jahren kennen, Gelegenheit für ein Interview:
WOCHENBLATT: Welche von den Künstlern und Bands, deren Songs Ihr im Konzert spielt, haben Dich am meisten inspiriert und geprägt?
Carl Carlton: Ry Cooder, Tom Petty, Beatles und Muddy Waters.
WOCHENBLATT: Du spielst beispielsweise mit Udo Lindenberg und Peter Maffay in Stadien vor Zigtausenden von Zuschauern, aber eben auch in kleinen Hallen wie der Empore und in kleinen Clubs. Welche Vorzüge haben die verschiedenen Bühnen?
Carlton: Die Stadien geben Dir ein Gefühl, dass Du es 'geschafft hast'. Es geht mehr um die Show als um die Musik - leider! Ich bevorzuge die Clubs, die Nähe des Publikums, den besseren Sound. Die Band steht dichter zusammen, und man musiziert intensiver miteinander.
WOCHENBLATT: Du stehst mit den verschiedensten Besetzungen auf der Bühne. Regelmäßig mit dabei - ob bei Maffay, Lindenberg oder auf Deiner jetzigen Tour - ist Pascal Kravetz. Was macht Eure schon lang andauernde Freundschaft und Euer Teamwork aus?
Carlton: Vertrauen, Verständnis und gegenseitiger Respekt.
WOCHENBLATT: Du beziehst in Deiner Musik - etwa in "Toast To Freedom" für Amnesty International - auch Stellung zum sozialpolitischen Zeitgeschehen. Was kann Musik in Zeiten von Krieg und Terror bewirken?
Carlton: Bewirken kann sie eher wenig. Aber dadurch, dass man eine große Plattform hat und viele Menschen erreicht, ist man als Künstler in der Pflicht, neben der Unterhaltung auch Wissen weiterzugeben und Bewusstsein zu schaffen.
WOCHENBLATT: Welche Pläne hast Du für 2018?
Carlton: Die MTV-Unplugged-Tour mit Maffay steht für Februar und März auf dem Programm. Ich will endlich Zeit finden, um mein Buch fertigzustellen. Ich werde wahrscheinlich in den USA ein neues Album aufnehmen, wofür ich eine ganz spezielle Idee habe. Und dann stehen noch Westernhagen-Konzerte im Spätsommer an.
WOCHENBLATT: Vielen Dank für das ausführliche Gespräch und alles Gute für Deine Projekte.