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Monster-Alarm in Deutschland

Hinter dem Rathaus sitzt eine Ratte. Was sonst für Ekel sorgt, lockt seit der Veröffentlichung des Smartphone-Spiels „Pokémon Go“ zahlreiche Spieler auf die Straße. So wie Piet (Foto v. li.), Kirsten und WOCHENBLATT-Volontärin Anke Settekorn, die versuchen, das Monster „Rattfratz“ zu fangen (Foto: mum)
 
Schnell kommt man mit anderen ins Gespräch und sucht gemeinsam nach Monstern (Foto: mum)

Der Hype um das nagelneue Smartphone-Spiel „Pokémon Go“ hat die Bundesrepublik erreicht

(as). „Wow, ich habe einen Glurak gefangen!“ Der 14-jährige Piet steht mit seinem Smartphone in der Buchholzer Fußgängerzone. Auf seinem Display ist ein Drache zu sehen. „Das ist doch die Evolution von Glumanda, oder?“, fragt er Alina (23), die neben ihm steht. Beide kannten sich vorher nicht und sind doch nach wenigen Minuten in ein angeregtes Gespräch vertieft. Dabei fallen Begriffe wie „Evolutionsstufe“, „Pokestop“ und „Arena“. Wer hier nur noch Bahnhof versteht, ist dem neusten Internethype noch nicht erlegen: Die App „Pokémon Go“ erobert gerade die Welt. Seit Donnerstag ist sie auch in Deutschland erhältlich.
Pokemón, das steht für „Pocketmonster“, kleine Monster, die seit Mitte der 1990er Jahre in Nintendo-Spielen ihr Unwesen treiben. Der Spieler kann sie fangen, trainieren und gegen die Pokémon anderer Spieler kämpfen lassen. Egal ob im Park, in der Fußgängerzone, im Gewerbegebiet oder im Supermarkt - überall sieht man seit Donnerstag Kinder und Erwachsene, die, den Blick stur auf ihr Smartphone gerichtet, durch die Gegend laufen, stehen bleiben und hektisch auf ihrem Display wischen.
Denn im Gegensatz zu den Nintendo-Spielen können bei der App die Monster nur gefangen werden, wenn man draußen auf der Suche unterwegs ist.
Per GPS wird ermittelt, ob und wo man sich bewegt. Die Umgebung wird wie ein Stadtplan dargestellt, auf dem die Pokémon erscheinen. Hat man auf der Karte eine Figur gesichtet, muss man sich zu dem Standort des Monsters bewegen und kann es dort einfangen. Das Pokémon wird in das Bild der Handy-Kamera eingeblendet, so wirkt es, als ob das Monster direkt vor einem auf der Straße sitzt.
Piet ist in der Buchholzer Fußgängerzone unterwegs. „Ohne das Spiel würde ich jetzt wahrscheinlich zu Hause Playstation spielen“, glaubt er. Das Spiel lockt die Menschen vor die Tür, soviel ist sicher.
Auch mich hat das Pokémon-Fieber gepackt. Eigentlich auf einen gemütlichen Sofa-Abend eingestellt, schnappe ich mir am Mittwoch doch noch mal schnell Schuhe und Jacke und begebe mich draußen auf die Jagd, als ein „Hornliu“ in meiner Straße erscheint. Schnell werfe ich auf meinem Display einen Pokeball und fange ihn ein. Mir gegenüber steht ein etwa sieben Jahre alter Junge. Auch er ist auf der Jagd. Kurz frage ich mich, was ich hier eigentlich mache, dann geht es weiter. Denn gegenüber wird ein „Pokéstop“ angezeigt, an dem ich Ausrüstungsgegenstände erlangen kann. Meine Umgebung nehme ich kaum wahr, denn ständig halte ich auf dem Display nach neuen Monstern und Pokéstops Ausschau.
In den USA häufen sich Meldungen über Unfälle im Straßenverkehr, an denen Pokémon-Spieler beteiligt waren. Ein Mädchen soll sogar auf die Autobahn gelaufen sein, ohne es zu merken. Ein weiterer Nachteil: Das Spiel benötigt zur Ortung eine ständige Internetverbindung, das zieht unglaublich viel Strom aus dem Akku.

Die wichtigsten Pokémon-Begriffe:

Pokémon: Kleine Monster, die in der Umgebung gefangen werden müssen.
Pokéball: Wird auf ein Pokémon geworfen, um es zu fangen.
Pokéstop: Orte, an denen man Ausrüstungsgegenstände sammeln kann. Sie sind meist bei Sehenswürdigkeiten zu finden.
Arena: Hat ein Spieler das fünfte Level erreicht, kann er seine Monster in Arenen gegen Figuren anderer Spieler kämpfen lassen.
Evolution: Pokémons können sich weiter entwickeln, aus dem Dino „Glumanda“ wird beispielsweise der Drache „Glurak“.

• Pokémon Go ist kostenlos für Android und iPhone erhältlich.