Bitte klicken Sie zur Auswahl auf eines der folgenden vier Logos:

Musiktruhe, Party und Mettwurst-Brot

Ein Herz und eine Seele seit über 50 Jahren: Karl-Heinz und Christel Kern (Foto: privat)
 
Verliebt in den 1980er Jahren: Christel und Heinz Kern (Foto: Laser)

Er prägte Buchholz: Karl-Heinz Kern, Ex-Betreiber der Disco "Number One", feiert 90. Geburtstag

os. Buchholz. Er prägte mehr als zwei Jahrzehnte das Leben in Buchholz entscheidend mit, bei ihm trafen sich Jugendliche und Erwachsene zum Feiern: Die Discothek "Number One" von Karl-Heinz "Heinz" Kern an der Bahnhofstraße in Buchholz war von 1970 bis 1993 der Treffpunkt in der aufstrebenden Nordheidestadt. Am heutigen Mittwoch, 2. Mai, feiert Kern seinen 90. Geburtstag.
"Das waren noch entspannte Partys. Eltern konnten ihre Töchter ruhigen Gewissens zu Heinz gehen lassen, weil Familie Kern immer auf die jungen Leute aufgepasst hat", erinnern sich Uwe Laser und Kai Studt. Die Ur-Buchholzer feierten ebenfalls gern bei ihrem Ziehvater Heinz Kern, Laser war später als DJ im "Number One" tätig.
Geboren wurde Heinz Kern als jüngstes von zehn Kindern am 2. Mai 1928 in Hamburg-Rothenburgsort. Sein Vater belieferte als "Buddelmaxe" die Kneipen auf St. Pauli mit Bier, die Familie Kern war in Hamburg bekannt - u.a. durch Wirtschaftssenator Helmuth Kern oder Kiezlegende Jonny Kern, Heinz' Onkel. Heinz Kern schaffte es, nachdem er den Zweiten Weltkrieg in tschechischer Gefangenschaft überlebt hatte, mit viel Fleiß zum Kapitän im Hamburger Hafen. Danach betrieb er mit seiner ersten Ehefrau bis 1970 die Kneipe "Alte Ecke" in Hamburg-Eilbek.
Nach der Trennung von der Ehefrau fand Heinz Kern in Christel seine große Liebe - im vergangenen Jahr feierten sie Goldene Hochzeit. Gemeinsam entschlossen sie sich, der Gastronomie treu zu bleiben und eröffneten am 23. September 1970 in Buchholz das "Number One" - an der Bahnhofstraße, dort, wo heute unterhalb der Canteleubrücke das neue Stadtquartier "Canteleu Quartier" entsteht.
Kern trieb das "Number One" bald zu prächtiger Blüte. Er war der erste, der eine 23-Stunden-Konzession im Landkreis Harburg erhielt und hatte bis 1988 jeden Tag in der Woche auf. Oft bis in die Morgenstunden wurde gefeiert, Stress gab es so gut wie nie. "Manche sagen ja, die Jugend ist schlecht, ich habe nie Probleme mit ihr gehabt", sagte Kern 1993 bei der Schließung.
Uwe Laser und Kai Studt erinnern sich gern an manche Anekdote aus dem "Number One", so die legendären selbstgemachten Käse- und Mettwurst-Brote, die Heinz und Christel Kern zubereiteten. Oder die Musiktruhe, die Kern schon mal mit reichlich Freiplatten ausstattete. Oder als Heinz Kern zu Beginn des Diskobetriebs schon mal Stammkunden in den Keller schickte, wenn die Polizei unterwegs war, um die Einhaltung der Sperrstunde zu kontrollieren. Anfangs hatte Kern noch keine Nacht-Konzession, Not macht erfinderisch.
Heinz Kern trat in Buchholz nicht nur als Discobetreiber auf, sondern auch als Mäzen. Er finanzierte u.a. die erste Ausstattung des Jugendzentrums oder die Spielgeräte an der Förderschule An Boerns Soll, spendete auch für das Hospiz Nordheide. Zudem unterstützte er lange Jahre die Handball- und Fußballabteilungen des TSV Buchholz 08.
Bis heute wohnt Heinz Kern mit seiner Christel in Buchholz. Seinen Ehrentag verbringt er wie in jedem Jahr auf Sylt - die Reisen auf die Nordsee-Insel gehören für den Jubilar wie regelmäßige Saunagänge einfach zum Leben dazu.