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Mutter Courage der Klinik

Für sie beginnt bald ein neuer Lebensabschnitt: Hannelore Jutzi, Verwaltungsleiterin im Krankenhaus Buchholz, geht Anfang Mai in den Ruhestand (Foto: Krankenhaus)

Hannelore Jutzi, Verwaltungsleiterin des Krankenhauses Buchholz, geht (fast) in den Ruhestand

(nf). Eine prägnante Stimme, mal distinguiert und damenhaft, dann wieder herzhaft-berlinerisch. Graublaue Augen, denen nichts verborgen bleibt. Sorgfältigst gestylte Erscheinung, die Blicke anzieht. Großes Herz, scharfer Verstand und viel Humor gepaart mit kessem Hauptstadtcharme und einer gehörigen Portion Hartnäckigkeit. Das ist Hannelore Jutzi, seit 1998 Verwaltungsleiterin im Krankenhaus Buchholz. Anfang Mai gibt sie ihren Posten ab. „Das gehört sich so, denn ich bin 65 Jahre alt. Überrascht Sie das?“.
In der Tat, diese Frau ist für Überraschungen gut. Eine glückliche, wenn auch ungewöhnliche Kindheit als Tochter eines gehörlosen Paares in Berlin hat sie geprägt. In Gesichtern liest sie wie in Büchern. Gesten glaubt sie mehr als großen Worten. Penibel forscht sie nach der Wahrheit. Ungerechtigkeit ist ihr ein Gräuel. „Schon als Kind habe ich meine Eltern verteidigt, wenn sie aufgrund ihrer Taubheit wie minderbemittelt behandelt wurden.“
Mut und Durchsetzungskraft, die Freude am Umgang mit Menschen und vor allem die Bereitschaft, sich immer wieder neu zu beweisen, das kennzeichnet ihren Lebensweg.
Chefsekretärin in Berlin und München, Mutter eines inzwischen 36-jährigen Sohnes. Nach dem Erziehungsurlaub 1980 Schreibkraft im Krankenhaus Buchholz, weil sie so einen Kita-Platz für Sohn Christian sichern konnte. „Sie sind doch komplett unterfordert“, fand nicht nur Verwaltungsleiter Otto Melchert, sondern auch Norbert Böttcher, der heutige Geschäftsführer, der 1991 als Dezernent in die Krankenhäuser Buchholz und Winsen kam und sie als Assistentin holte. Fachwirt für Betriebswirtschaftslehre und EDV-Organisation, Ausbildereignungsprüfung, Fernstudium Krankenhauscontrolling, Hannelore Jutzi absolvierte Prüfungen wie andere Leute Urlaube, sog medizinisches Fachwissen in sich auf, sah bei Operationen zu, lief mit den Schwestern über die Stationen. Und kennt heute jeden Stein, jedes Staubkorn und jede subjektive Befindlichkeit in der Klinik.
Wo es etwas zu gestalten gibt, da blüht sie auf und sagt: „Ich habe es richtig gemacht und bin stolz auf mich und mein Krankenhaus Buchholz“. Ganz loslassen will die Mutter Courage des Unternehmens noch nicht: Sie bleibt Geschäftsführerin der Krankenhaus-Tochter Dienstleistungs-GmbH mit 120 Mitarbeitern. Ein Teilzeitjob, der ihr neue Freiheiten schenkt, etwa die, ihre 1 1/2jährige Enkeltochter Johanna in Hannover öfter zu besuchen, Afrika zu bereisen, Kunstausstellungen anzuschauen, sich beim Yoga zu verbiegen und Augen und Ohren offen zu halten für die wunderbaren Überraschungen, die ihr Leben ausmachen.