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Neue Lebensqualität dank Stromstößen

Holger Klose muss jetzt regelmäßig überprüfen, ob das Steuerungsgerät funktioniert
 
Holger Klose mit zwei Urkunden des Buchholzer Stadtlaufs. Er hofft auf eine Teilnahme bei der 18. Auflage im Juni 2016

Parkinsonkranker Holger Klose (55) bekommt in zehnstündiger Operation einen Hirnschrittmacher

os. Buchholz. Die Ansage an Holger Klose (55) durch seine Ehefrau Susanne war unmissverständlich: Entweder, er unterzieht sich einer Operation, oder sie ist weg! Also überwand der Parkinson-Kranke aus Buchholz seine verständliche Angst und unterzog sich in Hamburg einer zehnstündigen OP. Unter Vollnarkose erhielt der Frührentner einen Hirnschrittmacher. "Ich würde das immer wieder machen", sagt er jetzt, zwei Monate später nach erfolgter Reha. Sein Leben hat erheblich an Qualität gewonnen - auch wenn noch ein langer Weg vor ihm liegt.
Jahrelang litten Susanne Klose und die beiden mittlerweile erwachsenen Töchter unter dem körperlichen Verfall des Ehemannes und Vaters. Die parkinsontypischen Bewegungsstörungen wurden immer heftiger, die Stimmungsschwankungen ebenfalls. "Ich war in einer ständigen Berg- und Talfahrt", erinnert sich Holger Klose. Gute Momente wechselten sich mit Situationen ab, "in denen ich fast durchgeknallt bin". Medikamente sorgten irgendwann nicht mehr für den gewünschten Effekt: Ruhige Phasen und Kontrolle waren passé. "Wir konnten nicht gemeinsam fernsehen, da ich so heftig hin- und hergerutscht bin", sagt Holger Klose.
Jetzt steuern Elektroden das Leben des Frührentners, bei dem die ersten Symptome vor rund elf Jahren auftraten. Ein im Herzmuskel implantiertes Steuerungsgerät sendet schwache elektrische Impulse an einen Empfänger, der im Hirn eingesetzt wurde. "Ich bin jetzt eine Maschine, wie im Science-Fiction-Film", sagt Holger Klose. Je nachdem, ob er körperlich aktiv ist oder in einer Ruhephase, kann er drei verschiedenen Stufen auf dem Steuerungsgerät anwählen. Klose achtet penibel darauf, dass die Batterien aller Geräte immer aufgeladen sind. Ohne deren Unterstützung würde Klose einen Rückfall erleiden. Denn: Die Parkinson-Krankheit bleibt, die Symptome werden bloß unterdrückt. Auch Medikamente muss der ehemalige Außendienst-Techniker noch nehmen, aber weniger als zuvor.
Am 4. Dezember hat Holger Klose wieder einen Termin an der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf. Dann werden ein paar Parameter neu eingestellt, um eine weitere Verbesserung herbeizuführen. Ab und zu fällt Klose noch hin. "Ich muss manches neu lernen", sagt er. Dazu gehört auch, sich bewusst Auszeiten zu gönnen, in denen Ruhe und Muße anstehen. Mit einem Sprachttrainer feilt er zudem regelmäßig an seiner Aussprache. Neun Jahre hält die neue Schaltzentrale in Kloses Körper, dann muss sich ausgetauscht werden.
Für die nahe Zukunft hat sich Holger Klose vorgenommen, die Dinge langsamer anzugehen. "Ich will noch zu viel auf einmal", sagt er. Mittelfristig hofft er, dass sich sein Gang soweit stabilisiert, dass er wieder joggen kann. "Mein Ziel ist die Teilnahme am Buchholzer Stadtlauf", erklärt der Lauf-Fan optimistisch. Die 18. Auflage des größten Volkslaufs in der Region findet am 19. Juni 2016 statt. Klose war bislang bei allen Stadtläufen in der Nordheidestadt dabei: "Ich will auf jeden Fall 20 Starts vollbekommen." Holger Klose, ein Mann der Mut macht.