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Reindorf verändert sein Gesicht

Das Ende eines alten Hofgebäudes - zuerst wird die Scheune abgerissen

Das 115 Jahre alte Gasthaus Brunkhorst in Reindorf weicht einer neuen Bebauung

rs. Buchholz-Reindorf. Der Abrissbagger setzt gerade den Schlusspunkt: Wo mehr als 100 Jahre an der Hauptstraße in Reindorf ein Bauernhof mit einer Gaststätte das Ortsbild prägte, werden wohl in absehbarer Zeit moderne Wohnhäuser stehen.
Rolf (80) und Elsa (77) Brunkhorst, die hier ihr Zuhause hatten und seit den 70er Jahren den Bauernhof samt der dazugehörigen Gaststätte bewirtschafteten, bewohnen bereits ein neues Haus gleich nebenan. „Wir haben zweieinhalb Jahre versucht, die alte Hofstelle zu verkaufen, es waren auch zwei ernsthafte Interessenten da, aber am Ende hat es doch nicht geklappt“, sagt Rolf Brunkhorst. Da haben sich die Eheleute für den Abriss entschieden.
Es ist ein Gebäude mit langer Geschichte. Errichtet wurde es 1899 an Stelle eines Reetdach-Gebäudes, das einer Feuersbrunst zum Opfer fiel. Drei große Bauernhöfe brannten an einem Sonntagmorgen nieder. Die Bewohner waren in der Kirche. Der Großbrand, so erzählt Rolf Brunkhorst, sei damals der Anlass zur Gründung der Buchholzer Feuerwehr gewesen.
Die Gaststätte war schon rund 20 Jahre früher eröffnet worden, als die Bahnstrecke zwischen Buchholz und Lüneburg gebaut wurde. Alte Fotos zeigen Tische und Stühle an der Straße, auf der damals nur Kutschen und Pferdewagen fuhren.
Als Rolf Brunkhorst 1959 seine Elsa heiratete, lagen schwere Jahre hinter dem Haus und seinen Bewohnern. Die Nachkriegszeit war hart, alle in der Familie mussten die Ärmel hochkrempeln. Elsa Brunkhorst stammt aus Danzig: „Von dort musste meine Mutter mit uns drei Kindern im April 1945 über die Ostsee flüchten“, erinnert sich die Seniorin.
1970 übernahmen Rolf und Elsa den Hof und die Gaststätte. „Wir haben jede Mark, die wir übrig hatten, in das Haus gesteckt. Zuerst das Dach, dann Schritt für Schritt immer weiter“, sagt Rolf Brunkhorst. Der Hof, die Gastwirtschaft, ihre zwei Kinder - das sei viel, viel Arbeit gewesen, zumal sie fast alles allein machten.
In der Blütezeit wurde im Gasthaus Brunkhorst an Fastnacht auf der Diele getanzt, die Buchholzer Feuerwehr hatte ihren Stammtisch hier, Skatrunden trafen sich, Familienfeste wurden gefeiert.
Anfang der 90er Jahre gaben die Brunkhorsts die Landwirtschaft auf, zur Jahrtausendwende aus gesundheitlichen- und Altersgründen auch die Gastwirtschaft.
Übrigens: Ihr altes Hofgebäude mit der Gastwirtschaft bleibt nicht nur auf Fotos der Nachwelt erhalten. 2011 drehte der NDR hier eine Episode seiner Serie „Neue Geschichten aus der Heimat.“ Hier heißt das Gasthaus Brunkhorst „Heidekrug“.
Rolf und Elsa Brunkhorst sehen dem Abriss ihres Hauses, in dem sie so viele Jahre gelebt haben, jetzt mit etwas Wehmut zu, aber mit noch mehr Pragmatismus: „Das Haus wollte niemand haben, und wir konnten es so nicht mehr erhalten.“