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Rufmord-Kampagne oder Sorge um den Tierschutz?

Roswitha F.: "Man hat meine Adresse und Unterschrift missbraucht"
 
Rolf Schekerka, Vorsitzender des Buchholzer Tierschutzvereins: "Das ist Rufmord" (Foto: archiv)

Briefe mit Kritik am Buchholzer Tierheim an Förderer und Sponsoren verschickt - was steckt dahinter?

rs.Buchholz. Rolf Schekerka ist stocksauer. Der Vorsitzende des Buchholzer Tierschutzvereins sieht das örtliche Tierheim einer beispiellosen Verleumdungskampagne ausgesetzt. Gleich dutzendweise sind Beschwerdeschreiben mit Vorwürfen gegen das Tierheim gezielt an Förderer und Sponsoren des Vereins verschickt worden.

Autorin der Briefe ist Zoja Fleischer (39), Inhaberin eines Winsener Tierhotels, Initiatorin der "Hundehilfe Jesteburg" und des Vereins "Wedeln ohne Grenzen", der laut Internet-Seite Hunde aus dem Ausland nach Deutschland vermittelt.
Als Absenderin des Anschwärz-Schreibens steht die fünffache Mutter Roswita F. (41) aus Buchholz auf dem Umschlag. Deren dreijähriger Schäferhundrüde Jo war im Winsener Tierhotel aufgenommen worden, nachdem sich nach Ansicht der Halterin das Buchholzer Tierheim nicht ausreichend gekümmert hatte. Der Tierschutzverein hat inzwischen einen Anwalt mit der Wahrung seiner Interessen beauftragt.

Rund 50 Briefe mit geschickt formulierter Kritik am Buchholzer Tierheim sind in den vergangenen Tagen bei Förderern und Sponsoren der Einrichtung eingegangen, darunter auch bei den Stadtwerken und zahlreichen anderen Unternehmen. Hinter den Kulissen gibt es offenbar Streit um die Führung des Buchholzer Tierschutzvereins, der Träger des Tierheims ist.

Hier Vorsitzender Rolf Schekerka (52), der in sechs Jahren den am Boden liegenden Verein aus der Krise geführt und das örtliche Tierheim zu einem Vorzeige-Unternehmen ausgebaut hat. Dort Zoja (39) und Michael (49) Fleischer aus Jesteburg. Zoja Fleischer betreibt ein Tierhotel in Winsen, die Hundehilfe Jesteburg und eine Hundevermittlung für Tiere aus dem Ausland.
Im Herbst 2013 wollte sich Zoja Fleischer mit Hilfe von Gleichgesinnten zur 2. Vorsitzenden des Tierschutzvereins wählen lassen. Auch ihr Mann stellte sich als Beisitzer zur Wahl. Der Vorstoß scheiterte, weil Vereinschef Schekerka zum Wahltermin genügend Mitglieder mobilisierte. Die Verleumdungs-Kampagne, die in diesen Tagen bei Sponsoren und Förderern gegen das Buchholzer Tierheim laufe, sei nur vor diesem Hintergrund zu verstehen, sagt Schekerka.

Den Brieftext formuliert und die Briefe verschickt hat nach eigenen Angaben Zoja Fleischer. Sie sagt, sie habe aufgeschrieben, was ihr Hundebesitzerin Roswitha F. (41) über das Tierheim mitgeteilt hat. Frau F. habe das Schreiben mit ihrer Unterschrift autorisiert, sei mit der Verwendung als Beschwerdebrief einverstanden gewesen. "Ich handele allein aus Tierliebe", so Zoja Fleischer.

Roswitha F. hatte sich im April ans Tierheim gewandt, weil es aus der Nachbarschaft Beschwerden über ihren dreijährigen Schäferhundrüden Jo gab und die siebenköpfige Familie das Tier abgeben wollte. Warum die Übergabe nicht klappte und schließlich Zoja Fleischer den Hund zusammen mit einer anderen Frau abholte, darüber gibt es unterschiedliche Aussagen. Nach WOCHENBLATT-Recherchen trifft das Tierheim-Team - wenn überhaupt - daran die geringste Schuld.

Roswitha F. sagt jetzt zum WOCHENBLATT, Zoja Fleischer habe ihre Unterschrift und Adresse missbräuchlich verwendet. Tatsächlich habe sie das vorformulierte Schreiben auf Anraten der Fleischers als Pressemitteilung für das WOCHENBLATT unterschrieben. Sie habe diese Pressemitteilung aber telefonisch gleich wieder zurückgezogen. Was tatsächlich stimmt. Den Brief mit ihrer Unterschrift und ihrer Adresse an Dritte zu schicken, dazu habe sei keinesfalls ihre Einwilligung gegeben.
Aussage steht gegen Aussage. Die Sache an sich spricht allerdings ihre eigene Sprache.

Kabale unter Tierfreunden

Kommentar:

Ist das die Retourkutsche dafür, dass die Wahl zum Vize-Vorsitzenden nicht geklappt hat? Zoja und Michael Fleischer, honorige Jesteburger und kreisbekannte Leute in der Tierschutzszene, haben mit ihrer Agitation gegen das Buchholzer Tierheim deutlich über das Ziel hinausgeschossen. Bis in einen Bereich hinein, der wohl durchaus einer juristischen Überprüfung zugänglich wäre.
Zoja Fleischer sagt, bei der Briefkampagne sei es ihr ausschließlich um den Schutz von Tieren gegangen. Das ist wenig glaubhaft. Die Briefkampagne, mit der Förderer und Sponsoren auf vermeintliche Missstände im Buchholzer Tierheim hingewiesen werden sollten, hat nichts, aber auch rein gar nichts mit Tierschutz zu tun, sondern riecht stark nach Futterneid.
Und unabhängig davon, ob Zoja Fleischer tatsächlich die Einwilligung der Hundebesitzerin zur Verwendung von deren Unterschrift und Adresse für die Kampagne-Briefe hatte: Mit Adresse und Unterschrift einer hier offensichtlich überforderten Frau einen Brief zur Diffamierung des Tierheims zu formulieren und den massenhaft zu verschicken, nachdem eine Berichterstattung im WOCHENBLATT gescheitert war, geht weit unter die Gürtellinie. Tierheim-Chef Schekerka und sein Team machen sicher Fehler - wie wir alle. Aber alles spricht dafür, dass sie insgesamt einen guten Job machen.
Reinhard Schrader