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"Schiff ahoi" im Pfadi-Camp

Als Leichtmatrosen auf dem Lagerschiff "Flodde Lodde" (vli.): Mia, Fiona, Cosma, Sam und Dennis vom Stamm "Großer Jäger" aus Bendestorf
 
Im Lager des Buchholzer Stammes "Leviathan": Yannik (vorn), Swantje (li.), Hannah, Pascal (li.) und Johannes vor dem typischen Pfadfinderzelt, der Kohte
 
Großer Andrang bei der Lageröffnung (Foto: www.pfadfinden.de)

jd. Buchholz/Bendestorf. Gruppen aus Buchholz und Bendestorf nehmen an dem bundesweit größten Jugendzeltlager teil.

Es ist wahrscheinlich das größte Jugendcamp, das in diesem Jahr in Deutschland stattfindet: Fast 5.000 Pfadfinder haben derzeit in der Nähe von Kassel (Nordhessen) ein Lager von gewaltigen Dimensionen aufgeschlagen. Die Zeltstadt erstreckt sich über eine Fläche von mehr als 13 Fußballfeldern. Mit dabei sind zwei Pfadfindergruppen aus dem Kreis Harburg: Die Stämme "Leviathan" aus Buchholz und "Großer Jäger" aus Bendestorf stürzten sich in das große "Abenteuer Pfadfinden". Für zehn Tage tauschen die rund 30 Kinder und Jugendlichen aus der Nordheide die Annehmlichkeiten unserer Konsumwelt mit einem einfachen Leben in der freien Natur.

"Technischer Schnickschnack wie Smartphones, Ipods oder Nintendos sind hier verpönt", berichtet Pascal aus Buchholz. Die meisten in der Gruppe würden diesen "Daddel-Kram" auch nicht vermissen. Langeweile müsse auf diesem Lager, das unter dem Motto "Weitwinkel" steht, niemand haben, meint Gruppenleiterin Swantje de Vries: "Das Programmangebot ist einfach toll." Besonders bei den Lagerspielen haben die Buchholzer Pfadis einen Riesenspaß - wie etwa beim "Seifenrugby": "Wir haben unsere Badehosen angezogen und uns eingeseift", erzählt Moritz. Ziel sei es dann gewesen, ein Stück Schmierseife in der Wanne des gegnerischen Teams zu versenken.

Spiele dieser Art werden tagsüber auf dem gesamten Lagergelände angeboten. Aber auch diejenigen, denen nicht der Sinn nach Herumtoben steht, kommen auf ihre Kosten: An vielen Ecken wird gewerkelt, gehämmert und gesägt. Es entstehen phantasievolle Zeltkonstruktionen und verrückte Lagerbauten wie Wasserbombenschleudern oder Riesenhängematten. Sogar eine mobile Schmiede ist im Einsatz.

Damit kein "Lagerkoller" aufkommt, werden die rund 240 Sippen - so heißen bei den Pfadis die Kleingruppen - zwischendurch auf zweitägige Tippel-Tour geschickt: Bei der "Raus"-Aktion erkunden die Sippen zu Fuß, per Rad oder mit dem Kanu die Gegend rund um das Lager. Auch Mia aus Bendestorf ging mit ihrer Gruppe auf Wanderschaft. "Unterwegs mussten wir knifflige Aufgaben lösen, um das nächste Ziel herauszubekommen", berichtet die junge Pfadfinderin.

Nachdem sie auf ihrer 30-Kilometer-Wanderung Land und Leute kennengelernt hatten, wollten sich Mia und ihre Freunde ein wenig Ruhe gönnen. Danach ging es wieder ins Getümmel: Im Unterlager "Schiff ahoi", in dem die Buchholzer und Bendestorfer unterbracht sind, geht es jeden Tag turbulent zu. Zwar liegt das Lagerschiff "Flodde Lodde" auf dem Trocknen, doch wenn die Pfadis zu Klampfe und Schifferklavier aus voller Kehle Seemanslieder schmettern, kommt echte Seefahrerromantik auf.

Am morgigen Sonntag muss Abschied genommen werden von alten Bekannten und neuen Freunden: Dann heißt es "Leinen los" und die jungen "Matrosen" aus der Nordheide legen ab in Richtung Heimat. Das Schiff tauschen die Pfadis dann allerdings gegen einen Reisebus. Im Gepäck werden sie sicher zahlreiche tolle Erinnerungen haben.


Ein paar Infos und Fakten zum Lager "Weitwinkel":


Das Zeltlager wird vom der "Bund der Pfadfinderinnen und Pfadfinder" (BdP) ausgerichtet. Der BdP ist mit rund 30.000 Mitgliedern der größte nicht-konfessionelle Pfadfinderbund in Deutschland. Gemeinsam mit einem evangelischen und einem katholischen Pfadi-Verband gehört der BdP zu den drei deutschen Pfadfinder-Organisationen, die von der Weltpfadfinderbewegung anerkannt sind. Daneben bestehen bundesweit mehr als 100 kleinere Bünde.

Ein Großteil des 16 Hektar umfassenden Lagergeländes unweit der nordhessischen Kleinstadt Immenhausen gehört dem BdP. Dort befindet sich dessen Bundeszentrum. Auf dem Platz, der in neun Unterlager gegliedert ist, sind rund 800 Zelte aufgeschlagen. Unter den fast 5.000 Teilnehmern befinden sich rund 500 internationale Gäste aus 18 Pfadfinderbünden rund um die Welt.

In den Wochen vor dem Lager war ein Technik-Team unermüdlich im Einsatz, um die Infrastruktur aufzubauen. Um ausreichend Waschgelegenheiten zu schaffen, wurden Wasserleitungen in einer Gesamtlänge von vier Kilometern verlegt. Pfadfinder machen es sich abends gern am Lagerfeuer gemütlich. Damit kein Flächenbrand entsteht, wenn die Flammen einmal zu hoch schlagen, sind auf dem Lagerplatz insgesamt 250 Feuerlöscher aufgestellt.

Eine große Herausforderung stellt die Lagerlogistik dar: 25 Lkw rollten an, um das Material heranzuschaffen. Für den Transport der Teilnehmer waren 80 Busse unterwegs. Den täglichen Einkauf erledigen die Gruppen direkt vor Ort: Neben dem Pfadi-Gelände wurde ein großes Ausstellungszelt als "Markthalle" errichtet. In dem Markt werden neben frischem Obst und Gemüse alle erdenklichen Lebensmittel angeboten - viele davon in Bio-Qualität. Am warmen Tagen gehen täglich rund 400 Kisten mit Mineralwasser über den Ladentresen.

Um kleine Wehwechen der Teilnehmer vom Kratzer am Arm bis zum angeknacksten Zeh kümmern sich die Lagerärzte. Sechs Mediziner schieben und um die Uhr Schichtdienst. Sie versorgen Blasen an den Füßen, kühlen Sonnenbrände und ziehen Zecken aus der Haut. Am häufigsten werden in der Sanitätsstation Schnittwunden verarztet: Es ist eben gar nicht so einfach, richtig mit dem Fahrtenmesser zu hantieren.

An der Raus-Aktion nehmen rund 240 Sippen teil. Das Oganisationsteam hat die 20 verschiedenen Touren generalstabsmäßig geplant. Rund um die Spielidee "Tim und Struppi" müssen Rätsel gelöst und spannende Aufgaben bewältigt werden. Wer die Umgebung auf eigene Faust erkunden will, erhält tolle Tipps in der "Fahrten-Jurte": Dieses Pfadi-Tourismusbüro liefert Infos zu sämtlichen Sehenswürdigkeiten im einem Radius von 30 Kilometern. Darunter befinden sich alternative Ausflugsziele wie beispielsweise ein stillgelegter Eisenbahntunnel.

Für Rover sind die Kundschaften gedacht: Auf diesen Exkursionen geht es um gesellschaftspolitische und kulturelle Themen. Unter anderem können sich sich die Teilnehmer über die Situation von minderjährigen Flüchtlingen informieren, die ohne Eltern in Deutschland leben, und mit den Betreuerinnen eines autonomen Frauenhauses sprechen. Eine andere Kundschaft führt zu einer Landkommune, wo das Ideal einer alternativen Lebens- und Arbeitsgemeinschaft umgesetzt wurde.

Für den Betrieb des Tourismusbüros und der anderen Einrichtungen wie Markthalle, Lagerpostamt und Kontaktbörse sind ausschließlich freiwillige Helfer im Einsatz. Ohne die Arbeit dieser 350 Ehrenamtlichen wäre es nicht möglich gewesen, ein Zeltlager von dieser Größenordnung aufzuziehen.