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Selbstbestimmt das Leben beenden / Krebskrank: Ina Bumann ist ihren Weg gegangen

Ina Bumann: "Ich will mir meine Würde bewahren" (Foto: archiv)
"Ich möchte mich von Ihnen verabschieden" - die Stimme am Telefon klingt schwach, aber klar. Ina Bumann (74) sagt: "Morgen früh werde ich für immer gehen."

Rückblende: Am 8. Juni hatte das WOCHENBLATT unter der Überschrift "Ich bin dann mal weg" über die tapfere Frau berichtet, die damals schrieb: "Ich bin schwer krebskrank, habe nur noch wenige Monate zu leben und will die Zeit nutzen, einem Tierheim zu helfen, das ich mit aufgebaut habe und das jetzt in Not geraten ist." Ihre Hoffnung: die Spendenbereitschaft der WOCHENBLATT-Leser. "Viele werden mich noch kennen, ich bin in der Nordheide aufgewachsen und war hier beruflich und in der Politik tief verwurzelt, bevor ich ins Wendland gezogen bin."

Vergangenen Dienstag berichtet Ina Bumann am Telefon vom Erfolg des Aufrufs: "Über 6.000 Euro sind auf dem Spendenkonto eingegangen, ein großer Schritt für das Fortbestehen des Tierheims ist gemacht." Und dann sagt sie, und ihre Stimme wird noch etwas leiser: "Ich kann sie jetzt nicht mehr weiter informieren, ich werde morgen aus dem Leben scheiden." Ihre Hinfälligkeit sei schneller fortgeschritten, als erwartet. "Es ist jetzt Zeit, den letzten Schritt zu tun."

Ina Bumann hat, als sie von ihrer unheilbaren Krebserkrankung erfuhr, die Entscheidung für ein selbstbestimmtes Ende getroffen. Sie hat darüber mit ihrer Familie und ihrem Arzt gesprochen. "Ich will mir meine Würde bewahren, nicht unter Schmerzen als ein hilfloses Etwas enden." Sie habe keine Angst, sei froh, nicht durch eine Religion oder einen Glauben an diesem Weg gehindert zu werden.

Eines allerdings sei schwer zu ertragen: "In meiner letzten Stunde müssen mich alle allein lassen, weil sie sich sonst der unterlassenen Hilfeleistung schuldig machen."
Wir haben dann noch lange geredet. Und ich habe Ina Bumann gefragt, ob ich aus unserem Telefonat berichten darf. Die Antwort: "Sie müssen es nicht, aber wenn Sie es tun wollen, habe ich nichts dagegen."

Ich war bisher ein überzeugter Gegner jeder Sterbehilfe. Jetzt bin ich dabei, diese Haltung zu überdenken. Muss ein selbstbestimmtes Ende tatsächlich einsam sein?
Reinhard Schrader