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Spiel des Monats: Ein Fest für Odin - knifflige Aufgabe für Strategie-Fans

 
Jeder Akteur erhält einen eigenen Spielplan
(os). Es gibt Brettspiele, die spielen sich locker und leicht mit wenig Vorbereitung. "Ein Fest für Odin", das WOCHENBLATT-Spiel des Monats Dezember, gehört nicht in diese Kategorie. Es richtet sich an Strategie-Fans, die ihre Züge vorausplanen - und denen das Regelstudium von vielen, vielen Seiten nichts ausmacht.
Wie berichtet, testet WOCHENBLATT-Redaktionsleiter Oliver Sander für Sie Gesellschaftsspiele und veröffentlicht sie in der Rubrik "Spiel des Monats", um Ihnen einen kleinen Einblick in das Dickicht der vielen Spiele-Neuheiten zu verschaffen.
Spielablauf: In sechs oder sieben Runden versuchen die Akteure, ihren Spielplan mit Plättchen vollzupuzzeln, die sie über verschiedene Felder auf dem Aktionsplan bekommen. Mit den Plättchen werden Minuspunkte abgedeckt - im besten Fall sind am Ende der Partie alle verschwunden. 81 Minuspunkte weist jeder Spielplan zu Beginn auf.
Der aktive Spieler setzt einen bis vier seiner Gefolgsleute auf einem Aktionsfeld ab und führt die dazugehörige Aktion sofort durch. So kommt man z.B. an Met oder Fische. Über Aktionsfelder sammelt man auch Holz ein, das man in den Bau von Schiffen investieren kann. Kleine Schiffe braucht man zur Jagd, größere Schiffe, um zu plündern oder um auszuwandern.
Ein wichtiges Aktionsfeld ist die Aufwertung von Gegenständen. Ein orangefarbener Gegenstand kann zu einem roten aufgewertet werden, dieser zu einem grünen und dieser wiederum zu einem blauen. Der eigene Spielplan darf nur mit grünen und blauen Gegenständen zugepuzzelt werden, wobei sich nur blaue berühren dürfen. Die orangefarben und roten Plättchen stellen Lebensmittel dar - diese werden am Ende jeder Spielrunde für ein Festmahl benötigt, das Odin verlangt. Wer seine Gefolgsleute nicht versorgen kann, wird mit Minuspunkten bestraft.
Wenn alle Gefolgsleute eingesetzt wurden, wobei jedes Aktionsfeld nur von einem Akteur besetzt werden darf, endet die aktuelle Runde. Jeder Akteur sammelt eventuell noch Prämien ein und puzzelt dann die eingesammelten Gegenstände auf seinen Plan - oder wahlweise auf eine Insel, wenn er diese im Laufe des Spiels erobert.
Nach der sechsten bzw. siebten Spielerunde erfolgt die Endwertung, in der Pluspunkte (z.B. für Auswanderungen und Bargeld) und Minuspunkte (z.B. für nicht abgedeckte Felder auf dem eigenen Spielplan) gegenübergestellt werden. Wer in der Summe die meisten Pluspunkte hat, gewinnt die Partie.
Fazit: "Ein Fest für Odin" ist nicht nur aufgrund der umfangreichen Ausstattung ein spielerisches Schwergewicht. Es bietet derart viele Zugmöglichkeiten, dass Anfänger schnell an ihre Grenzen stoßen werden. Ich empfehle, die Grundregeln bei einer Proberunde zu erklären und die Details erst danach. Ich habe das bei der ersten Partie nicht getan und fast eine Stunde fürs Erklären gebraucht - vielen Dank an meine geduldigen Mitspieler.
Wer befürchtet, die vielen Minuspunkte auf seinem Spielplan nie im Leben abdecken zu können, der sei beruhigt: Warten Sie die letzten Spielrunden ab, dort werden reichlich Felder abgedeckt.
In unseren Spielerunden wurde über "Ein Fest für Odin" kontrovers diskutiert. Manchen fehlte die Interaktion, ein Kritikpunkt, den ich verstehen kann. Tatsächlich spielt man nebeneinander her, obwohl man sich scheinbar im Kampf um die besten Aktionsfelder befindet. So komisch es klingt: Am meisten werden attraktive Aktionsfelder bei der Solovariante blockiert. Ein weiterer Kritikpunkt, den ich nachvollziehen kann, waren die Startausbildungen, von denen vor Spielbeginn jeder eine erhält. Manche Ausbildungen sind für mich deutlich schwächer als andere. Nicht jeder startet dadurch mit den gleichen Voraussetzungen.
Alle Mitspieler waren fasziniert von den vielen Möglichkeiten, die zum Sieg führen können. Man sollte frühzeitig eine Strategie entwickeln und diese konsequent durchziehen. Überall mitmischen zu wollen, z.B. gleichzeitig bei Viehzucht, Plünderungen und Auswanderungen, wird nicht funktionieren.
Mir hat von Autor Uwe Rosenberg sein "Agricola" besser gefallen, weil es trotz ebenfalls vieler Zugmöglichkeiten nicht so ausufernd wirkt wie "Ein Fest für Odin". Ich bringe das neue Rosenberg-Spiel aber jederzeit gerne auf den Spieletisch.
Ein Fest für Odin, ein bis vier Spieler, ab zwölf Jahren, Verlag: Feuerland, Autor: Uwe Rosenberg, Dauer: ca. 30 Minuten pro Spieler, Preis: ca. 70 Euro
Kategorie: Strategiespiel
Wertung: 8 von 10 Punkten

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