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Spiel des Monats: First Class - Mit Monokel im Orient-Express

 
Jeder Spieler erhält ein Tableau, eine Lok (rechts oben), zwei Schaffner, zwei 0er-Waggons, vier Waggonkarten. Zudem stellt er eine Figur auf die Siegpunkteleiste
(os). Unterwegs im Orient-Express sind die Akteure bei "First Class" - dem WOCHENBLATT-Spiel des Monats Juni. Durch geschicktes Taktieren versuchen die Spieler, lukrative Eisenbahnlinien mit attraktiven Zügen zu bauen. Dann reist vielleicht auch ein Promi mit Monokel mit...
Wie berichtet, testet WOCHENBLATT-Redaktionsleiter Oliver Sander für Sie Gesellschaftsspiele und veröffentlicht sie in der Rubrik "Spiel des Monats", um Ihnen einen kleinen Einblick in das Dickicht der vielen Spiele-Neuheiten zu verschaffen.
Spielablauf: Das Spiel-Prinzip ist denkbar einfach: Der aktive Spieler nimmt sich aus einem Raster von drei Reihen à sechs Karten eine Aktionskarte und führt diese aus. Mit Hilfe der Aktionskarten erhält man u.a. neue Waggons für seine beiden Züge oder kann bestehende Waggons aufwerten. Mit anderen Karten kann man Schaffner durch die Züge ziehen, was wichtig in den Zwischenwertungen und in der Endwertung ist. Es gibt auch Karten, mit denen man sein Streckennetz ausbaut.
Das Besondere an "First Class": Neben Basis-Aktionskarten, die immer dabei sind, wählen die Spieler vor der Partie zusätzlich die Aktionskarten von zwei der fünf zur Verfügung stehenden Modulen aus. Diese sorgen dafür, dass sich je nach Zusammensetzung ein ganz neues Spielgefühl einstellt. So gibt es ein Modul, in dem der Transport von prominenten Fahrgästen - u.a. jener Herr mit dem Monokel - zusätzliche Punkte einbringt. Im Modul "Weichen und Mechaniker" sorgen fleißige Helfer dafür, dass der Ausbau der Züge und das Voranschreiten des Schaffners noch einmal extra belohnt werden. Oder man wählt das Set mit Auftragskarten, mit denen man eine Belohnung erhält, wenn man eine bestimmte Voraussetzung erfüllt.
Grundsätzlich gilt: Anstatt einer Aktionskarte kann genau ein Spieler pro Spielrunde die Startspielerkarte nehmen und darf in der nächsten Runde beginnen - ein nicht zu unterschätzender Vorteil.
Wenn jeder Akteur drei Aktionskarten genommen hat, endet die erste von sechs Spielrunden. 18 neue Aktionskarten werden ausgelegt, die nächste Spielrunde beginnt. Nach jeweils zwei Spielrunden erfolgt eine Zwischenwertung, in der es Siegpunkte für den Wert der Züge gibt. Jeder Waggon, den der Schaffner erreicht hat, bringt den aufgedruckten Wert ein. Deshalb ist es wichtig, seine Waggons aufzuwerten. Sie haben den Ursprungswert 0 und können über 1, 2, 4 und 7 bis zum Maximalwert 12 aufgewertet werden. Zudem werden die Boni der Fahrstrecke verteilt, die von der Lokomotive des Akteurs bereits befahren wurde.
Am Ende der sechsten Runde erfolgt nach einer letzten Wertungsphase noch die Endwertung. Dabei kommen die Spielende-Karten zum Tragen: Für jede der drei Aktionskarten-Typen Schaffner, Lokomotive und Waggon gibt es entsprechende Karten. Je mehr Aktionskarten im eigenen Stapel mit den Spielende-Karten übereinstimmen, desto mehr Siegpunkte gibt es noch einmal. Und dann wird auch klar, warum jeder Spieler sechs Holzquader hat, die für jeweils 50 Siegpunkte stehen...
Fazit: Helmut Ohley, Co-Autor des Spiel-Highlights Russian Railroads, ist mit "First Class" ein weiteres herausragendes Eisenbahn-Spiel gelungen. Es bietet reichlich strategische Möglichkeiten und sorgt durch die fünf Module garantiert für Langzeit-Spaß. "First Class" wirkt ein bisschen wie ein Konzentrat von "Russian Railroads", da man an beide Spiele gleich herangehen muss: Man sollte sich eine Strategie zurechtlegen und diese konsequent durchziehen - bei "First Class" gleichzeitig die Bahnlinien auszubauen, die Züge aufzuwerten und auf Spielende-Karten zu setzen, ist unmöglich.
Unseren Spielrunden hat "First Class" in allen Konstellationen gut gefallen, auch zu zweit lässt es sich hervorragend spielen. Einziges Manko: Das Modul mit einem Mörder ist bei fast allen Mitspielern - und auch bei mir - durchgefallen. Dass am Ende eines langen Spiels ein Akteur ausscheidet, war für uns unbefriedigend. Macht aber nichts, denn die anderen vier Module bieten genügend Abwechslung. Das Mörder-Modul kann im Kasten bleiben.
Ich selbst spiele "Russian Railroads" noch einen Tacken lieber als "First Class", was letzteres aber nicht abwerten soll. Beides sind herausragende Spiele, "First Class" eignet sich dabei auch für Familien, die regelmäßig spielen, während "Russian Railroads" aus meiner Sicht ausschließlich für Vielspieler geeignet ist. Eine klare Kauf-Empfehlung gibt es von mir für beide Spiele!
First Class, zwei bis vier Spieler, ab zehn Jahren, Verlag: Hans im Glück, Autor: Helmut Ohley, Dauer: ca. 20 Minuten pro Spieler, Preis: ca. 38 Euro
Kategorie: gehobenes Familienspiel, Strategiespiel
Wertung: 8,5 von 10 Punkten

P.S. "First Class" wurde in dieser Woche von der Wiener Spielakademie als "Spiele Hit für Experten" ausgezeichnet.

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