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Tieffrequenter Schall: "Ich will, dass das Brummen aufhört!"

Leidgeplagt: Ohne Ohropax kann Udo Krapf kaum noch schlafen

Udo Krapf versucht, die Geräuschquelle zu lokalisieren, die sein Leben zur Hölle macht

os. Buchholz. "Extrem störend, Schlafbeeinträchtigung", "Stark, Schlaf nur mit Ohropax", "Morgens deutlich, nachts sehr störend" - so steht es im Tagebuch, das Udo Krapf (70) seit ein paar Wochen führt. Der Rentner aus Buchholz dokumentiert die Beeinträchtigungen, die bei ihm durch tieffrequenten Schall ausgelöst werden. Das sind Luftschallwellen, die unterhalb von 100 Hertz bzw. unter 20 Hertz (Infraschall) und damit außerhalb des menschlichen Hörbereichs liegen. Das Brummen löst bei Udo Krapf Schlafstörungen und Konzentrationsschwächen aus. Die Suche nach der Quelle, die den Infraschall auslöst, war bislang nicht erfolgreich. Krapf will aber nicht aufgeben: "Ich bin fest entschlossen, das Ganze zu finalisieren", sagt er. Heißt: Er will mithilfe des zuständigen Gewerbeaufsichtsamtes Lüneburg so lange weitersuchen, bis die Geräuschquelle gefunden ist.
So viel weiß Udo Krapf: Probleme mit dem Gehör hat er nicht. Das hat ihm ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt bescheinigt. Offenbar hat der Buchholzer eine sehr niedrige Hörschwelle. Seine Ehefrau Gisela spürt das Brummen nur ganz schwach, manchmal gar nicht. "Es ist sehr schwierig, anderen das Problem zu erklären, die nicht beeinträchtigt sind. Man zweifelt sehr an sich", erklärt Krapf. "Zudem kann ich nicht einmal sagen, ob ich das Brummen höre oder spüre." Nur so viel: Das Brummen tritt nur im Haus auf, außerhalb spürt Krapf nichts.
Zu den Themen "Infraschall" und "tieffrequenter Schall" gibt es bislang kaum umweltmedizinisch ausgerichtete Studien. Im Jahr 2011 gab das Umweltbundesamt ein dreijähriges Forschungsprojekt in Auftrag. Dessen Ziel war es, wissenschaftlich begründete und praxistaugliche Verfahren zur Erfassung und Bewertung der Wirkungen tieffrequenter Geräusche zu erarbeiten. "Leider liegen bis heute keine Ergebnisse vor", sagt Udo Krapf.
Als potenzielle Quellen werden in der hochtechnisierten Gesellschaft vor allem Lüfter, Verdichter, Windkraft- und Biogasanlagen vermutet. Die gibt es in der Umgebung von Krapfs Reihenhaus in Buchholz reichlich. In den Berufsbildenden Schulen (BBS), die nur rund 300 Meter Luftlinie entfernt sind, führte das Gewerbeaufsichtsamt Lüneburg Messungen durch, ließ auch das Blockheizkraftwerk abschalten. Das Brummen blieb. Auch ein Gebäude der Buchholzer Stadtwerke, in dem Motoren für eine Trocknungsanlage von Gärresten untergebracht sind, im rund 1,5 Kilometer entfernten Gewerbegebiet Trelder Berg scheidet als Quelle aus: Die Motoren wurden abgeschaltet - das Brummen blieb.
Weitere potenzielle Geräuschquellen sind das Holzpelletswerk und die Biogasanlage am Trelder Berg, die in den vergangenen Jahren mehrfach erweitert wurden und neue Lüftungsanlagen erhielten. Messungen stehen noch aus, das Herunterfahren der Anlagen erfordert einen langen Vorlauf.
In seiner Not misst Udo Krapf seit einigen Wochen auch den Lärmpegel. "Vielleicht ist der tieffrequente Schall Teil des allgemeinen Lärms, der in letzter Zeit stark zugenommen hat", vermutet Krapf. Aber: "Ich bekomme keine Ableitung vom Brummen zu den Lärmmessungen."
Udo Krapf will weiterforschen, bis er die Geräuschquelle lokalisiert hat: "Der tieffrequente Schall beeinträchtigt mein Leben ungemein. Ich will, dass das bald aufhört!"
• Leiden Sie auch unter tieffrequentem Schall? Dann schreiben Sie uns eine E-Mail unter os@kreiszeitung.net oder rufen unter Tel. 04181-200351 an.