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Trauer um Dr. Carl-Günther "Kuddel" Jastram (†88)

Dr. Carl-Günther Jastram mit zwei seiner drei Bücher über den Schützenverein Buchholz (Foto: archiv / os)

Buchholz: Bundesverdienstkreuzträger, Architekt und langjähriger Schützenpräsident stirbt an den Folgen eines Verkehrsunfalls

Kaum einer nannte ihn bei seinem Vornamen. Dr. Carl-Günther Jastram war weit über Buchholz hinaus nur als "Kuddel" bekannt. Jetzt ist der Architekt und langjährige Präsident des Schützenvereins Buchholz 01, der für sein vielfältiges ehrenamtliches Engagement schon 2001 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, tot. "Kuddel" Jastram starb am 1. April im Alter von 88 Jahren an den Folgen eines Verkehrsunfalls. Er war in Buchholz als Fußgänger mit einem Auto kollidiert und später in einer Hamburger Klinik verstorben. Die Beisetzung fand bereits im engsten Familienkreis statt - so wie es sich Jastram gewünscht hatte. Der Verstorbene hinterlässt seine Ehefrau Helga, mit der er seit 1956 verheiratet war, zwei Söhne und fünf Enkelkinder.
Geboren im Oktober 1926 in Hamburg, war Jastrams Jugendzeit vom Zweiten Weltkrieg geprägt. Als Teenager musste er als Flakhelfer und in der Kriegsmarine dienen. 1945 war er kurz interniert, doch schon im August begann er eine Maurerlehre, die er 1947 als Geselle abschloss. Nach dem Besuch der Bauschule in Hamburg arbeitete Jastram ab 1951 bei verschiedenen Büros als Architekt, Bauleiter, Statiker und Kalkulator, später ab 1959 als freischaffender, selbstständiger Architekt. Als vereidigter Sachverständiger fertigte er von 1967 bis 1994 mehr als 4.000 Baugutachten an. Viele davon übergab er im vergangenen Jahr dem Buchholzer Stadtarchiv.
Das lebenslange Lernen war "Kuddel" Jastram besonders wichtig. 1982 machte er an der Fachhochschule in Hamburg sein Diplom. Ab 2001 - fünf Jahre nach dem Ende seiner Berufstätigkeit - studierte Jastram an der Fernuniversität Hagen Politik und Geschichte. 2011 - mit 84 Jahren - schrieb der gebildete Mann seine Doktorarbeit. Seit 2012 durfte er sich "Dr. phil." nennen.
Wie kaum ein anderer engagierte sich der jetzt verstorbene Hobby-Fotograf ehrenamtlich. Er war u.a. Ortverbandsvorsitzender und Ratsherr der FDP, später Gründungsmitglied und Ratsherr der Unabhängigen Wählergemeinschaft Buchholz, mehr als 30 Jahre lang Wahlhelfer, Schöffe am Landgericht Stade, Gründungsmitglied des Angelclubs "He lücht", Aufsichtsratsmitglied der Volksbank Buchholz und Mitglied der Partnerschaftsvereine Buchholz-Canteleu und Buchholz-Wohlau. Einen Großteil seiner Freizeit investierte "Kuddel" in den Schützenverein Buchholz: Vor allem den Schießsport brachte er in seiner 20-jährigen Vorstandsarbeit - zehn Jahre als Vize-Präsident und von 1978 bis 1988 als Präsident - entscheidend voran. Viel beachtet sind Jastrams drei Bücher über die Geschichte des Schützenvereins Buchholz zu Zeiten von Kaiser Wilhelm, in der Weimarer Republik und im Dritten Reich. Seit 1988 war Jastram Ehrenmitglied und -präsident des Schützenvereins, schrieb bis zuletzt Mitteilungen für die Vereinszeitschrift "Kimme + Korn".
Ich habe Dr. Carl-Günther Jastram als äußerst akribischen, hochgebildeten Menschen kennengelernt. Wie kein anderer analysierte er sein Gegenüber, prüfte und forderte es in den Gesprächen. Stets arbeitete er an einem anspruchsvollen Buch- oder Forschungsprojekt - der Schreibtisch übersät mit nach streng wissenschaftlichen Regeln zusammengestellten Quellentexten. Ein Foto von Jastram machen zu dürfen, kostete mich immer viel Überzeugungsarbeit. Er stellte sich nicht gern in den Vordergrund, wie viele andere Macher. Wenn mir Jastram in Buchholz mit seiner auffallenden weißen Strickmütze oder seinem betagten Diesel-Mercedes entgegenkam, war eines sicher: Ich bekam ein freundliches Lächeln oder einen Gruß durch die Fensterscheibe, wir wechselten ein paar Worte. All' das wird mir fehlen - "Kuddel" wird fehlen! Oliver Sander