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Von wegen festliche "VIP-Show": Was ein Buchholzer auf einer sogenannten „Kaffeefahrt“ erlebte

Sogenannte "Kaffeefahrten" enden meist in einsamen Gasthöfen, wo den Reisenden dann überteuerte Gesundheitsprodukte angeboten werden (Foto: Fotolia/BjoernWylezich)
kb. Buchholz. Zu einer festlichen Gewinnübergabe um „garantiert den Hauptpreis“ entgegenzunehmen, war kürzlich Werner K.* aus Buchholz eingeladen. Bei einem großen Energiegewinnspiel sei K. als Gewinner ermittelt worden, ihn erwarte eine Feier samt „VIP-Show“ auf Borkum. Was der Buchholzer tatsächlich erlebte, war weit weniger glamourös und veranlasste ihn zu einer Strafanzeige wegen versuchten Betrugs:
Werner K. fand sich an einem Donnerstagmorgen um 6 Uhr am ZOB in Buchholz ein, gemeinsam mit zehn weiteren Personen. Wenig später kam der Bus. Der Fahrer war kurz angebunden. Auf Nachfrage gab er an, nicht zu wissen, für wen und wohin er fahren solle. Auch seinen Namen wollte er nicht nennen. „Das geht Sie gar nichts an“, so der Busfahrer auf Werner K.s Frage.
Weil einer der „glücklichen Gewinner“ schon im Vorfeld Anzeige wegen Betrugsverdachts erstattet hatte, fuhr auch die Polizei vor. Die Beamten nahmen einige Personalien von möglichen Zeugen auf, dann konnte die Fahrt endlich beginnen. „Wir fuhren auf die B75 Richtung Tostedt“, erinnert sich Werner K. Doch schon kurz hinter der Einmündung nach Kakenstorf hielt der Reisebus wieder. „Der Fahrer stieg aus und telefonierte eine Weile“, berichtet der Rentner. Danach ging es weiter. Plötzlich klingelte erneut das Handy des Fahrers. Telefonierend bog er ins Gewerbegebiet Harburger Straße ein und hielt wieder an, um das Telefonat außerhalb des Busses fortzusetzen. Anschließend teilte der Busfahrer seinen Passagieren mit, dass die Reise nun beendet sei. Der Veranstalter habe die Fahrt abgesagt. Vielleicht hatte er heiße Füße wegen des Polizei-Besuchs bekommen. „Immerhin mussten wir nicht zu Fuß nach Hause gehen, sondern wurden wieder nach Buchholz gebracht“, so Werner K. Von den versprochenen Gewinnen und dem kostenlosen Mittagessen war keine Rede mehr. Auch die vollmundige Zusage, sich „von unseriösen Firmen, die ihre Versprechen nicht einhalten“, zu distanzieren, blieb ohne Folgen.
Auch wenn Werner K. nach seinem Ausflug die Nase voll von derart haltlosen Gewinnversprechen hat, wurde doch sein kriminalistischer Spürsinn geweckt. Er will noch einmal an einer solchen Fahrt teilnehmen und weitere Informationen zu den Veranstaltern und ihren Machenschaften sammeln. Deshalb soll sein richtiger Name auch nicht im WOCHENBLATT auftauchen.
Die vermeintlich tollen Ausflüge samt großartiger Gewinne enden laut Verbraucherzentrale Niedersachsen übrigens meist in „heruntergekommenen Gasthöfen an lauten Bundesstraßen“. Dort werden die Teilnehmer in stundenlangen Verkaufsveranstaltungen mit vermeintlichen Schnäppchen, darunter häufig gesundheitsfördernde Artikel, konfrontiert. Die seien jedoch überteuert und von minderer Qualität, so die Experten. Die Verbraucherzentrale rät, sich keinesfalls einschüchtern oder gar bedrohen zu lassen. Man sei nicht zum Kauf verpflichtet. Grundsätzlich ist es aber am vernünftigsten, die Reise gar nicht erst anzutreten, sondern das Gewinnversprechen direkt in den Papierkorb zu werfen.
* Name der Redaktion bekannt