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"Wir setzen keine Grenzen"

Martin Ihlius arbeitet seit 1984 an der Schule an Boerns Soll, seit 2002 ist er deren Leiter Foto: os

Förderschule An Boerns Soll in Buchholz feiert ihr 40-jähriges Bestehen mit einem Tag der offenen Tür

os. Buchholz. Der Beginn der Förderschule An Boerns Soll in Buchholz im Jahr 1978 war kurios: Zuerst wurde das Gebäude geplant, erst dann machten sich die Verantwortlichen Gedanken, wer dort überhaupt beschult werden soll. Im März 1978 starteten die Lehrkräfte Anke Dieckmann sowie Uschi und Volker Ebeling den Unterricht mit zwölf geistig behinderten Schülern. Heute gehen fast 190 Schülerinnen und Schüler in der Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung. Betreut werden sie von 68 Lehrern, 35 Erziehern, sechs Therapeuten, sechs Lehreranwärtern, fünf Bufdis sowie 24 Schulbegleitern.
Am Samstag, 16. Juni, feiert die Schule An Boerns Soll ihr 40-jähriges Bestehen. An den Festakt, der ab 11 Uhr mit geladenen Gästen stattfindet, schließt sich ab 12.30 Uhr bis ca. 17 Uhr ein Tag der offenen Tür an, an dem Interessierte sich über den Schulalltag informieren können. Für das leibliche Wohl ist gesorgt, neben der Schulband und einer Trommelgruppe präsentieren sich auch die Kooperationsschüler der Heideschule mit dem Stück "Hands Up" in Gebärdensprache.
In den Anfangsjahren der Schule stand die Etablierung der Sonderpädagogik im Vordergrund. "Die Schulpflicht für alle war noch lange nicht selbstverständlich", erklärt Schulleiter Martin Ihlius (60). Er arbeitet seit 1984 An Boerns Soll und wurde 2002 Nachfolger von Anke Dieckmann als Schulleiter. Schnell wuchs die Schülerzahl in Buchholz an: Bereits im April 1978 zogen 24 weitere Schüler von Winsen in die Nordheidestadt.
Die Zusammenarbeit mit der Grundschule Wistedt zwischen 1987 und 1991 bei der integrativen Beschulung von Schülern mit verschiedenen sonderpädagogischen Förderbedarfen schuf die Basis für das Kooperationsmodell mit Regelschulen, das bis heute kontinuierlich ausgebaut wurde und für Ihlius ein wichtiger Baustein für den Erfolg der Schule An Boerns Soll bildet. "Unser Ziel ist es, dass unsere Schüler am Ende ihrer Zeit bei uns die Wahlmöglichkeit für die Zeit danach haben", betont Ihlius. Früher sei der Weg mehr oder weniger vorgegeben gewesen: Häufig führte dieser von der Schule direkt in die Werkstätten der Lebenshilfe. Heute stünden den Schülern weit mehr Möglichkeiten offen, auch den Weg in den ersten Arbeitsmarkt schaffen immer wieder Schüler vom Boerns Soll. "Wir setzen unseren Schülern keine Grenzen", sagt Ihlius. Sein Dank geht an die Leiter und Lehrer der Kooperationsschulen, die die Förderschüler regelmäßig besuchen. Die Lehrer beider Schulen leisteten in der Vorbereitung "massiv mehr Arbeit", doch der Erfolg der Kooperationsklassen gebe allen Beteiligten Recht, den Mehraufwand zu betreiben. Derzeit kooperiert die Schule An Boerns Soll mit der Heideschule in Buchholz, der Schule am Ilmer Barg in Winsen sowie den Integrierten Gesamtschulen in Buchholz, Winsen und Seevetal. Wichtig sei, dass die Schulen sich auf Augenhöhe begegnen. Die Förderschüler sind gleichberechtigt. "Am Ende profitieren Förder- und Regelschüler gleichermaßen vom gemeinsamen Unterricht", betont Ihlius.
Durch die Eröffnung der Außenstelle an der Grund- und Hauptschule Ilmer Barg in Winsen wurde im Jahr 2007 die Dezentralisierung des Unterrichts vorangetrieben. Heute werden mehr Förderschüler außerhalb beschult als im Hauptgebäude in Buchholz. Durch das neue Schulgesetz im Jahr 2013 - laut Martin Ihlius die "bisher größte Errungenschaft" - zum Thema Inklusion habe ein großer Paradigmenwechsel stattgefunden. Eltern behinderter Kinder waren nicht länger Bittsteller, sondern konnten die Beschulung ihrer Kinder in Regelschulen einfordern. Viele taten das, manche bevorzugten die schonendere Umgebung der Förderschule für ihre Kinder. Ein Schonraum für Schüler mit Behinderung sei häufig gar nicht notwendig, findet Ihlius: "Man kann unseren Schülern auch etwas zumuten!"
Zur Öffnung der Förderschule gehören auch Kooperationen mit Sportvereinen. Ihlius' Dank geht u.a. an die Klubs Blau-Weiss Buchholz, TSV Buchholz 08 und Buchholzer FC sowie die Zweitliga-Handballerinnen der Luchse. Ihlius: "Dank ihnen haben wir den Freizeitbereich für unsere Schüler inklusiv sehr gut erschlossen. Hier ist Buchholz echt super!"