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"Ausgeliefert" - Amazon in der Kritik

Logistikhallen bei Rade an der A1 - hier im Landkreis Harburg war Amazon im Gespräch. Geht der Online-Handelsriese jetzt in den Heidekreis? (Foto: archiv)

Der Mega-Online-Händler steht in der Kritik / Macht er bald auch Geschäfte über ein Logistik-Zentrum in der Lüneburger Heide?


(rs). Schnell und praktisch für die Verbraucher, aber mit einem hässlichen System für Leiharbeiter - Amazon, weltweit größter Online-Versender, steht nach einer ARD-Reportage über die Zustände in einem seiner Logistik-Zentren in der Kritik. Was die wenigsten wissen: Amazon plant auch in Hamburg-Nähe ein Mega-Verteilerzentrum.
Für ein Areal direkt an der A7 mitten in der Lüneburger Heide sollen nach Informationen des WOCHENBLATT derzeit Verhandlungen geführt werden, nachdem sich die Süderelbe AG zuvor vergeblich nach einem Amazon-Standort im Kreis Harburg umgesehen hatte und eine Ansiedlung bei Hannover ebenfalls gescheitert ist.
Der US-Handelsgigant verfolgt jetzt offenbar auch in Deutschland das in den USA bereits verbreitete Modell "Same-Day-Delivery" (Belieferung am selben Tag). Um seinen derzeitigen Marktanteil von elf Prozent am Online-Versandgeschäft weiter zu steigern, braucht der Konzern an strategisch günstigen Lagen neue Logistik-Zentren.
Bedenken der Kommunen über wachsenden Verkehr und Landschaftsverbrauch zerstreut das US-Unternehmen mit dem Versprechen von Tausenden Arbeitsplätzen. Pro Logistik-Zentrum ist von 1.000 bis 3.000 festen Jobs die Rede, aufgestockt auf bis zu 5.000 Kräfte für das Weihnachtsgeschäft - vor allem mit ausländischen Leiharbeitern. So könnte es auch im geplanten Logistik-Zentrum an der A7 im Heidekreis laufen.
Doch welche Qualität haben ein Teil dieser Arbeitsplätze? Die am 13. Februar gesendete ARD-Reportage "Ausgeliefert - Leiharbeiter bei Amazon" hat den menschenunwürdigen Umgang mit Leiharbeitern im Logistik-Zentrum im hessischen Bad Hersfeld aufgedeckt: Leiharbeiter aus verschiedenen Ländern Europas wurden für das Weihnachtsgeschäft 2012 angeworben, schlechter bezahlt als versprochen, von Leiharbeitsfirmen in überbelegten Ferienwohnungen einquartiert und über Stunden in oft überfüllten Bussen zum Arbeitsplatz hin- und zurück gekarrt.
Die weiteren Vorwürfe: Sozialbeiträge seien nicht korrekt abgeführt worden, der rechtsradikalen Szene nahestehende Sicherheitskräfte hätten die Aushilfskräfte eingeschüchtert und ihre Privatsphäre ausgeforscht.
Amazon hat inzwischen Missstände eingeräumt. Man habe sich von dem betroffenen Sicherheitsdienst und der Leiharbeitsfirma getrennt.