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Babyboomer gehen in Rente

Geschlossen wegen Personalmangels? In den Verwaltungen werden in den kommenden Jahren zahlreiche Mitarbeiter in Pension gehen (Foto: tk / Grafik: MSR)

Auch in vielen Kommunalverwaltungen im Landkreis Harburg droht in naher Zukunft ein deutlicher Mitarbeitermangel

bim/ce/kb/os/mum/thl. Landkreis. Die „Babyboomer“ gehen in Kürze in Rente, auch in den Verwaltungen. Kommunen leiden inzwischen genauso unter dem demographischen Wandel und dem Fachkräftemangel wie Arbeitgeber aus der Wirtschaft. Das WOCHENBLATT fragte nach: Was tun die Kommunen im Landkreis Harburg, damit ihre Stellen dauerhaft besetzt werden können?
• „Die Stellenbesetzungen in den Verwaltungen werden künftig schwieriger, gerade wenn die Konjunktur weiter so stark bleibt“, erklärt Heinrich Helms, Pressesprecher der Stadt Buchholz. In der Nordheidestadt setze man auf verschiedene Maßnahmen, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken. U.a. betreibe man ein Gesundheitsmanagement, damit die Mitarbeiter bis zu ihrer Pensionierung möglichst fit bleiben. In Buchholz sind derzeit 137 Mitarbeiter beschäftigt, die zwischen 50 und 59 Jahren alt sind, 41 Mitarbeiter sind älter als 60 Jahre.
• „Um der ‚Überalterung‘ der Stadtverwaltung rechtzeitig entgegenzuwirken, werden jährlich mindestens ein bis zwei neue Auszubildende eingestellt. Diese werden nach Abschluss der Ausbildung, soweit Stellen für eine Übernahme vorhanden sind, übernommen“, sagt Theodor Peters, Sprecher der Stadt Winsen. „So sorgt die Stadt rechtzeitig für eine Nachbesetzung in vielen Verwaltungsbereichen.“ Vor dem Hintergrund des verschobenen Renten- bzw. Pensionseintrittsalters gewinne die Gesunderhaltung der Mitarbeiter zunehmend an Bedeutung. „Daher ist ein Gesundheitsmanagement etabliert worden“, so Peters.
In Winsen sind derzeit 19 Mitarbeiter über 60 Jahre alt, 63 weitere zwischen 50 und 59 Jahre.
• Offensiv geht die Gemeindeverwaltung Seevetal das Problem des Personalmangels an. „Seit 2015 bilden wir selber wieder aus, u.a. Verwaltungsfachwirte und -angestellte, aber auch ein Duales Studium bieten wir an“, berichtet Bürgermeisterin Martina Oertzen. Derzeit gibt es sechs Azubis, ab dem Sommer werden es neun sein. Auf der Suche nach geeigneten Kandidaten geht die Gemeinde auch ungewöhnliche Wege. „Im vergangenen Jahr hat uns jemand kurzfristig abgesagt und wir mussten schnell Ersatz finden“, so Oertzen. „Also haben wir ein Bewerber-Casting organisiert.“ Über 60 junge Menschen nutzten die Chance, sich persönlich vorzustellen. Einer von ihnen bekam den Ausbildungsplatz. Auch Quereinsteigern gibt die Seevetaler Verwaltung eine Chance, sie können die Möglichkeit einer Umschulung nutzen. Außerdem wird an Konzepten gefeilt, künftige Führungskräfte aufzubauen. Auch in Seevetal sind die Zahlen eindeutig. „Wenn wir von der gesetzlichen Altersgrenze ausgehen, werden in den nächsten fünf Jahren 37 Mitarbeiter in den Ruhestand gehen, in den nächsten sieben Jahren sogar 65“, sagt Martina Oertzen.
• „Der Altersdurchschnitt in unserer Verwaltung muss uns Sorgen machen“, sagt Hanstedts Verwaltungschef Olaf Muus. „Die Mehrzahl der Mitarbeiter ist zwischen 40 und 50 Jahren alt.“ Einen Auszubildenden gebe es derzeit nicht, weil die Mitarbeiterin ihre Ausbildungszeit verkürzt habe. „Für uns wird es immer schwieriger, Auszubildende zu finden“, so Muus. Die Angebotssituation in der Metropolregion werde immer besser. „Die kleineren Kommunen können zwar damit punkten, dass es eine familiäre Atmosphäre gibt, aber junge Leute glauben, dass dafür die Vielfalt geringer und die Aufstiegsmöglichkeiten schlechter sind.“ Aus diesem Grund wird Hanstedt deutlich aktiver auf den Bildungsmessen der Schulen aktiv sein.
• Mit Ausnahme des Kindergartenbereichs sieht Tostedts Samtgemeinde-Bürgermeister Dr. Peter Dörsam die Verwaltung in Tostedt personell gut aufgestellt. „Aber wir tun auch etwas dafür, indem wir ausbilden und unseren Azubis mit Weiterbildungsmöglichkeiten Perspektiven bieten“, so Dörsam. In der Tostedter Verwaltung arbeiten 75 Beschäftigte. Hinzu kommen vier Azubis zu Verwaltungsangestellten und ein Lehrling beim Bauhof sowie zwei Bundesfreiwilligendienstler. Der Altersdurchschnitt liegt ohne Azubis bei 46 Jahren. Scheiden Verwaltungsmitarbeiter aus - bis Ende 2019 sind es vier -, werde versucht, die Stellen möglichst mit eigenem Personal wieder zu besetzen.
• In Jesteburg ist das Thema „Nachwuchs“ noch nicht akut. „Der Altersdurchschnitt liegt bei 46 Jahren“, so Henning Oertzen, Fachbereichsleiter Finanzen und Inneres. In den vergangenen Jahren seien junge Mitarbeiter eingestellt worden. Derzeit gibt es eine Auszubildende in der Samtgemeinde-Verwaltung. Allerdings: „Teilweise ist es schwierig, ausgebildete, gute Fachkräfte zu bekommen“, so Oertzen. „Wir müssen uns darauf einstellen, Quereinsteiger verstärkt aus- und fortzubilden.“

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