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"Buchholz ist und bleibt in Bewegung"

Gut gefüllt: Rund 250 Gäste kamen zum Neujahrsempfang in die Empore
 
Virtuos am Klavier: Sven van Koetsveld

Buchholz: Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse blickt trotz der Herausforderungen optimistisch auf das laufende Jahr

os. Buchholz. Bevor er beim Neujahrsempfang der Stadt Buchholz einen Rückblick auf 2016 und einen Ausblick auf das laufende Jahr wagte, wandte sich Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse an die Abordnung der Freiwilligen Feuerwehren. Angesichts der vielen Einsätze wegen Glatteises und Bränden am Samstag dankte Röhse den Feuerwehrleuten für ihren unermüdlichen Einsatz für die Allgemeinheit. „Das kann man gar nicht genug würdigen“, betonte Röhse unter dem Applaus der rund 250 Gäste aus Gesellschaft, Politik und Verwaltung, die zum Neujahrsempfang ins Veranstaltungszentrum Empore gekommen waren.
2016 sei ein in vielerlei Hinsicht gutes und erfolgreiches Jahr für Buchholz gewesen, sagte Röhse. Er nannte als Beispiele die Vertiefung der Städtepartnerschaften zu Canteleu, Wohlau und Järvenpää, die Feiern zum 25-jährigen Bestehen der Empore und die Ehrenbürgerwürde für Ute Schui-Eberhart (das WOCHENBLATT berichtete).
2017 stehe Buchholz vor großen Herausforderungen, so Röhse. Vor allem die finanzielle Lage macht dem Stadtoberhaupt Sorgen: „Wo ausschließlich über die ‚schwarze Null‘ diskutiert wird, müssen die Regierenden erkennen, dass selbst die finanzstarken Kommunen die Lasten immer steigender Sozialausgaben und Investitionen in teilweise marode Infrastruktur mittelfristig nicht mehr allein werden stemmen können. Pressemitteilungen über Milliardenprogramme helfen da wenig, das Geld muss bei den Kommunen auch ankommen.“ Allein im Bereich der Kinderbetreuung steigen die Ausgaben von 6,14 Millionen Euro im Jahr 2015 auf voraussichtlich 8,28 Mio. Euro in diesem Jahr. Man schaue sich interne Abläufe, die Personalsituation, aber auch Auftragsvergaben genau an, um Einsparungspotenziale zu identifizieren, betonte Röhse.
Eine wichtige Aufgabe in diesem Jahr sei die Entscheidung, ob Buchholz sich an der kommunalen Wohnungsbaugesellschaft des Landkreises beteiligt oder nicht. Er halte das für „durchaus sinnvoll“, erklärte Röhse. Bezahlbaren Wohnraum zu schaffen, halte er für einen Beitrag zur Wirtschaftsförderung. Man müsse auch Arbeitnehmern mit geringem Einkommen ermöglichen, in Buchholz wohnen zu können.
An die Politik gerichtet, sagte Röhse, dass er in dieser Ratsperiode eine Entscheidung über die Lösung der Verkehrsprobleme erwartet. „Mein Appell ist, ohne Vorfestlegungen die Verkehrsthematik in Buchholz neu zu denken und die beste Lösung für das Verkehrsproblem in unserer Stadt zu erarbeiten.“ Röhses Fazit: 2017 werde nicht langweilig, „Buchholz ist und bleibt in Bewegung“.
Landrat Rainer Rempe lobte in seinem Grußwort die Stadt Buchholz. Sie habe entscheidend dazu beigetragen, dass der Landkreis Harburg in der Prognos-Studie der besonders wirtschaftsstarken und lebenswerten Landkreise innerhalb von drei Jahren einen Sprung um 66 Plätze auf Rang 70 von bundesweit 402 Kreisen gemacht habe. Rempe blickte auf die Flüchtlingsunterbringung, die den Landkreis Harburg finanziell stark belastet habe. Allein in diesem Bereich habe es im vergangenen Jahr ein Haushaltsdefizit von 19 Millionen Euro gegeben. Die Kosten pro Flüchtling und Jahr betragen laut Rempe 16.500 Euro, das Land Niedersachsen zahlt aber nur 10.000 Euro. Dieses Problem habe er im November 2016 in einem gemeinsamen Brief mit Hannovers Bürgermeister Stefan Schostok an Ministerpräsident Stephan Weil deutlich angesprochen. Dass er auf diesen Brief bis dato keinerlei Reaktionen erhalten habe, sei ein „ausgesprochen schlechter Stil“.
Zum Abschluss des Neujahrsempfangs stellten Röhses Tochter Sophie und Linus Petersen (beide 17) die Arbeit des Jugendrates vor. U.a. setzte sich das 2015 gegründete Gremium für die Stärkung des Freifunks ein und initiierte eine Aktion zur Einschränkung des Plastikverbrauchs. Sophie Röhse und Linus Petersen ermutigten Jugendliche, sich mit Fragen und Anregungen an den Jugendrat zu wenden.
• Weitere Fotos zum Neujahrsempfang finden Sie hier

AUF EIN WORT

Musik ist KEIN Auftrag zum Sabbeln

Eigentlich wollte ich mich in diesem Jahr bei der Berichterstattung über den Neujahrsempfang ausschließlich auf den Inhalt der Reden konzentrieren. Das kann ich nicht: Es ist unfassbar, wie respektlos sich viele Gäste gegenüber dem Pianisten Sven van Koetsveld verhielten, der den musikalischen Teil der Veranstaltung übernahm!
Sobald van Koetsveld zwischen den Reden von Bürgermeister Röhse und Landrat Rempe in die Tasten griff, ging im Publikum das Gesabbel und Gerenne los. Da wurde lautstark getratscht und sich ebenso laut zugeprostet. Offenbar war es vielen Besuchern wichtiger, sich um 12 Uhr mittags das erste Bier zu genehmigen, als der virtuosen Eigenkomposition „Frühling“ des Pianisten zuzuhören. Im Internet-Zeitalter, in der sich jeder als Musikkenner wähnt, nur weil er weiß, wie man sich Songs aufs Smartphone herunterlädt, geht der Respekt für die tatsächliche Leistung des Künstlers zunehmend verloren. Hinter der Leichtigkeit von van Koetsvelds Klavierspiel steckt wochenlange, harte Arbeit. Es ist nicht zu viel verlangt, diese in dem gerade mal einstündigen offiziellen Teil des Neujahrs­empfangs zu würdigen.
Ich bin gespannt, ob sich im kommenden Jahr mehr Gäste im Kulturzentrum Empore kulturell angemessen verhalten. Ich stelle mich darauf ein, 2018 einen ähnlichen Artikel wie diesen schreiben zu müssen! Oliver Sander