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Buchholz: Quo vadis, Stadtfest?

Das Stadtfest ist bei schönem Wetter Anlaufstation für viele Besucher. Mancher wünscht sich aber neue Ideen (Foto: archiv / os)

Kleiner, feiner, mehr Qualität: Langjährige Beschicker regen Veränderungen für Großveranstaltung an


os. Buchholz.
Vor genau einem Monat endete die 43. Auflage des Buchholzer Stadtfests, Tausende Gäste besuchten die dreitägige Veranstaltung in der Innenstadt. In die Stimmen der Besucher mischte sich in diesem Jahr hörbar eine Frage: Ist das Stadtfest in der jetzigen Form noch zeitgemäß? Das WOCHENBLATT fragte bei Matthias Graf und bei Holger Bleckert nach, die beim Stadtfest als Beschicker dabei sind bzw. jahrelang waren.
„Die Fläche, auf der das Stadtfest stattfindet, ist größer als sie sein müsste“, erklärt Graf, Geschäftsführer der Eventagentur Team 412. Diese war für die Bespielung des Peets Hoff zwischen dem Einkaufszentrum Buchholz Galerie und dem Famila-Markt verantwortlich. „Unser Konzept ist mit einer Mischung aus Street Food und Partyzone aufgegangen, auch wenn wir wegen des regnerischen Freitags keine schwarze Null mehr erreicht haben“, sagt Graf. Insgesamt zöge sich das Stadtfest allerdings zu weit auseinander, erklärt Graf. Es sei zu einer Zeit ins Leben gerufen worden, in der es nur wenige Großveranstaltungen gegeben habe. „Stadt- und Dorffeste können heute nur überleben, wenn sie den Zeitgeist aufnehmen und qualitativ dem modernen Anspruch der Gesellschaft gerecht werden“, betont Graf. Er plädiere für ein kleines, feines, gemütliches, kommunikationsförderndes Stadtfest mit lokalen, qualitativ hochwertigen Veranstaltern. „Die Besucher wollen Identifikation anstatt Anonymität“, sagt Graf. Das sei einfacher, wenn man die Anbieter kennt.
„Die Veranstalter sollten neue Höhepunkte beim Stadtfest setzen“, sagt auch Holger Bleckert. Er stand u.a. 28 Jahre lang mit seinem Bierwagen am Emporeteich, war dort ein beliebter Anlaufpunkt. In diesem Jahr fehlte Bleckert erstmals. Ein Grund sei die wachsende Konkurrenz der Vereinsmeile im Rathauspark und dem kommerziellen Teil an der Breiten Straße und der Poststraße. Die stark unterschiedlichen Bierpreise, die bei den Vereinen und Institutionen auf der einen Seite und den kommerziellen Anbietern auf der anderen Seite aufgerufen werden, sei den Besuchern immer schwerer zu vermitteln. Folge: Der kommerzielle Teil hinkte besuchermäßig hinterher, was die Stimmung der Beschicker nicht steigerte. Bleckert hofft, „dass sich das Stadtfest ein bisschen neu erfindet“. Er schlägt u.a. eine einheitliche Dekoration vor, die dem Gast signalisiert: Dieses ist ein Stadtfest für alle - und nicht zwei verschiedene.

AUF EIN WORT

Stadtfest braucht eine Frischzellenkur

Ich besuche das Buchholzer Stadtfest regelmäßig. Es macht Spaß, dort mit Bekannten und Fremden ins Gespräch zu kommen, Musik zu hören und gemütlich ein Bier zu trinken. In diesem Jahr habe ich aber - wie mancher meiner Bekannten - gedacht: Die Veranstaltung benötigt eine Frischzellenkur.
Auf ein Wort
Mir fehlte das Besondere, das Unerwartete. Stattdessen die gleichen Buden an der gleichen Stelle, dieselben Vereine mit denselben Zelten und Ständen. Wie wäre es, in jedem Jahr anderen Vereinen die Möglichkeit zu geben, sich zu präsentieren - und gerne auch mit Bier- und Würstchenverkauf Geld zu verdienen? Das würde den Blick der Besucher schärfen, das Interesse an der Vereinsarbeit stärken und die Verweildauer erhöhen. Letztlich würde es auch die Vereine entlasten. Immer mehr Verantwortliche sagen hinter vorgehaltener Hand, wie schwierig es ist, genügend Mitglieder für den mehrtägigen Dienst am eigenen Stand zu rekrutieren.
Vielleicht ist es an der Zeit, dass die Stadt über einen neuen Veranstalter nachdenkt. Der Bremer Großmarkt hat seine Sache bislang gut gemacht, er ist aber in Buchholz nicht verankert und spult das Programm geschäftsmäßig, aber mit wenigen Emotionen, ab. Mit dem Verein Buchholz Stadtmarketing gibt es einen lokalen Spieler, der zuletzt mit frischen Ideen manchen alten Zopf abgeschnitten hat. Vielleicht sucht Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse ja mal das Gespräch mit der Vereinsspitze um den Vorsitzenden Jan Bauer. Die Besucher werden es danken. Oliver Sander