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Buchholzer Bürgermeister Wilfried Geiger scheidet aus dem Amt - (k)ein Verlust!?

Entspannt dem Ruhestand entgegen - Bürgermeister Wilfried Geiger (Foto: Heinrich Helms)
 
Wilfried Geiger - länger als zwei Jahrzehnte hat er im Buchholzer Rathaus an entscheidender Stelle mitbestimmt - erst als Kämmerer und Dezernent, die letzten acht Jahre als Bürgermeister. Jetzt ist Schluss (Foto: oh.)

Bilanz mit Licht und Schatten:

Als "kleinen Napoleon" hat WOCHENBLATT-Verleger Martin Schrader Wilfried Geiger (62) einmal in einem Kommentar bezeichnet - so ganz verkehrt war das nicht. Wie Napoleon könnte der Buchholzer Bürgermeister in Erinnerung bleiben als Macher und Modernisierer. Aber auch als kalter Technokrat und "Kriegsherr" im Buchholzer Rathaus. Am 31. Oktober scheidet er aus dem Amt.

Als Wilfried Geiger 2006 von einer breiten Mehrheit der Buchholzer vom Posten des langjährigen Kämmerers und Dezernenten zum hauptamtlichen Bürgermeister gewählt wurde, war er für viele Bürger der Fachmann in der Stadtverwaltung, der das Schiff Buchholz wieder auf Kurs bringen würde.
Und tatsächlich. Kaum war Geiger dran, ging es voran in der Nordheide-Stadt: Das Park- und Geschäftshaus "Kabenhof", die Buchholz-Galerie, die Nordheidehalle und die Parkpalette Süd wurden gebaut, die Planung für den Mühlentunnel neu aufgelegt, Fußgängerzone und Gewerbegebiet erweitert. Buchholz ist dank Geiger Sportstadt, Einkaufsstadt und Familienstadt - sogar mit eigenem Familienbüro.

Filmstadt ist Buchholz nicht. Sonst wäre man versucht, über den Bürgermeister zu titeln: "Leichen pflastern seinen Weg." Beim Mega-Bauprojekt "Kabenhof" spielten für ihn Baugrenzen und Nutzungsbeschränkungen keine Rolle. Geiger ließ alles zu, verbog dafür sogar das Recht. Kabenhof-Nachbar Franz-Hartwig Beetz, einer der größten Gewerbesteuerzahler der Stadt, zahlte seine Steuern fortan woanders. Gebremst hat das den rabiaten Rathaus-Kurs nicht.
Geiger sieht sich als Generalist. Wenn es um Größeres geht oder was er dafür hält, heiligt der Zweck die Mittel. Nicht immer hat das seiner Stadt genützt. So wäre der Ostring wohl längst im Bau, wenn es der Bürgermeister verstanden hätte, sich gütlich mit einem Grundeigentümer zu einigen.

Und das Gewerbegebiet am Trelder Berg wäre wohl nicht mit einer Biogasanlage, einem Pellet- und einem Betonwerk verhunzt worden, gäbe es nicht Geigers stadtbekannte Animositäten gegenüber WLH-Chef Wilfried Seyer. Der hätte als Ansiedlungs-Profi sicher vieles anders und bestimmt manches besser gemacht.

Schon als Kämmerer rechtfertigte Geiger einmal das rüpelhafte Auftreten eines städtischen Steuereintreibers gegenüber einem hilflosen Seniorenpaar mit den Worten: "Wir können den Einzelfall nicht berücksichtigen, selbst wenn der Fehler in der Stadtverwaltung liegt, ziehen wir das Verfahren erst mal durch."
Da zeigt sich eine gewisse Gefühlskälte als Wesenszug des Beamten Wilfried Geiger. Liegt das daran, dass er gleich von der Schulbank weg in die Verwaltung ging, also nie richtig erfahren musste, wie hilflos sich Bürger oft Behörden ausgeliefert fühlen? 21 Jahre arbeitete sich der junge Beamte bei der Stadt Buxtehude empor, bis er 1991 nach Buchholz wechselte, um hier Kämmerer, Dezernent und schließlich - im September 2006 - Bürgermeister zu werden.

Als Repräsentant seiner Stadt hat Wilfried Geiger eine gute Figur gemacht - in zahlreichen Ämtern und bei vielen Anlässen und Gelegenheiten: bürgernah, streitbar, redegewandt, offenherzig. Als Rathauschef hat er nicht überzeugt. Sein Versuch, den Leuten, die er für die richtigen hielt, Verantwortung zu übertragen, kam bei vielen als Günstlingswirtschaft an. Die Folgen: Streit mit dem Personalrat (bis hin zur Einschaltung einer neutralen Einigungsstelle), zahlreiche verlorene Arbeitsgerichtsprozesse und - am schlimmsten - Rathausmitarbeiter, die sich innerlich abgemeldet haben. Sein größter Fehler: Er hievte und duldete einen Spezi an die Spitze der Verkehrsbehörde, unter dessen verqueren Bürokratismus die ganze Stadt leiden muss.
Unerträglich wurde es, als Geiger gegen Ende seiner Amtszeit dem damals 64-jährigen Berufssänger Prosper-Christian Otto und seiner schwerkranken Frau ihr Wohnhaus buchstäblich unterm Hintern abreißen ließ. Dieses Mal wohl juristisch korrekt, menschlich aber unterste Schublade.

Eines soll nicht unerwähnt bleiben: Wilfried Geiger ist ein integerer Beamter, hat nie das Amt mit der eigenen Tasche verquickt. Etwas anderes habe ich jedenfalls nicht gehört. Und er soll - jenseits des Rathausjobs - ein ganz anderer sein: ein fürsorgender Ehemann und Vater, ein guter Sportsmann und Kumpel, ein hilfsbereiter und engagierter Bürger.
Wenn das alles tatsächlich so ist, wird Wilfried Geiger nach seiner Amtszeit für seine Stadt Buchholz vielleicht noch wertvoller, als er es als Bürgermeister sein konnte. Und eines steht fest: In die Verbannung, wie einst Napoleon, werden die Buchholzer ihn nicht schicken.
Reinhard Schrader

• Bürgermeister Wilfried Geiger will sich am Sonntag, 26. Oktober, ab 11.30 Uhr in der Rathauskantine von den Buchholzer Bürgern im Rahmen eines Frühschoppen verabschieden. "Alle Buchholzerinnen und Buchholzer sind herzlich eingeladen.
Statt etwaiger Geschenke bittet der scheidende Bürgermeister um Spenden für die Stadtjugendfeuerwehr, Volksbank Lüneburger Heide, Blz 24060300, Konto 2470638801 oder den Schulkinderfonds St. Paulus, Hypo Vereinsbank, Blz 20030000, Konto 6702880