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Bundesjustizminister Heiko Maas besucht Flüchtlingsunterkunft in Buchholz

Die Bundestagsabgeordnete Svenja Stadler besuchte gemeinsam mit Bundesjustizminister Heiko Maas eine Buchholzer Flüchtlingsunterkunft
 

"Wir brauchen mehr Unterstützung": Heiko Maas spricht mit Flüchtlingen, Helfern und lokalen Politikern


ab. Buchholz. Ein Bild von der Situation vor Ort wollte sich Bundesjustizminister Heiko Maas am vergangenen Donnerstag in einer Flüchtlingsunterkunft in Buchholz machen. Im Beisein der SPD-Bundestagsabgeordneten Svenja Stadler, des Buchholzer Bürgermeisters Jan-Hendrik Röhse und in der Flüchtlingshilfe Engagierten besichtigte er die Flüchtlingsunterkunft an der Bremer Straße. Dabei gaben ihm Helfer und lokale Politiker eine dringliche Bitte um mehr finanzielle Unterstützung mit auf den Weg.
Wie wenig von den veränderten Gesetzgebungen und der vom Bund zugesicherten Zuwendung von sechs Milli arden Euro in Buchholz tatsächlich ankommen, offenbarte sich dabei dem Minister bei seinem Besuch.

Einer der Bewohner der Unterkunft, mit denen der Minister sprach, war Al Taaee Ahmad. Obwohl er aus dem Irak stammt, soll er abgeschoben werden. „Ich habe meinen Vater und meinen Bruder verloren. Meine Mutter habe ich seit einem Jahr nicht mehr gesehen“, erzählte der 26-Jährige dem Bundesjustizminister. „Ich möchte in Deutschland bleiben.“ Ein Schicksal, das den Minister bewegte.

Wie es in ihrer täglichen Arbeit mit den Flüchtlingen läuft und an wie viele Grenzen sie stoßen, berichteten die anwesenden haupt- und ehrenamtlich Engagierten in einer anschließenden Gesprächsrunde. Große Probleme bereiteten die Wartezeiten, bis es eine Resonanz auf Anträge gebe. Außerdem fehle es an hauptberuflichen Betreuern und Sozialarbeitern. Familienzusammenführungen gingen nur schleppend voran. Doch die Mitglieder des Vereins Bündnis für Flüchtlinge konnten auch Positives berichten: Ca. 400 Ehrenamtliche engagieren sich im Verein, rund 15 Kurse werden angeboten, darunter Sprach- und Sportkurse. Dennoch fehle es an personeller und finanzieller Unterstützung.

Dem konnte sich Dirk Hirsch, Erster Stadtrat von Buchholz und verantwortlich für Soziales und Finanzen, nur anschließen. „Von den sechs Milliarden Euro kommen null Euro in Buchholz an“, beklagte er. „Wir bekommen statt der 15.000 Euro, die wir pro Jahr pro Flüchtling benötigen, nur 10.000 Euro vom Land. Den Rest legen die Kommunen drauf.“

„Es ist ein gutes Zeichen, zu sehen, wie sehr Sie sich engagieren. Aber es macht mich auch nachdenklich, zu hören, wie viele Aufgaben die Bevölkerung übernimmt“, sagte Maas. Man müsse jetzt mit der Integrationsarbeit beginnen und könne nicht jeden aufnehmen, der ins Land wolle. „Es wird noch unangenehme Entscheidungen geben. Aber wir schicken niemanden zurück, dem im eigenen Land Tod und Folter drohen“, betonte der Minister.

Maas, der sich im Kampf gegen Rechts stark positioniert, bat um Unterstützung: „Es darf nicht zur Überzeugung werden, dass Menschen mit dieser Gesinnung das Volk sind, denn das sind sie eindeutig nicht.“ Die schweigende Mehrheit müsse aufhören, zu schweigen, „sonst finde auch ich eines Tages kein Gehör mehr.“ Deutschland sei ein großes tolerantes Land, in dem sich alle respektvoll begegnen sollten.