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"Die Schwächsten sollen die Kohlen aus dem Feuer holen"

"Wir Vereine haben nur einen geringen Stellenwert": Ronald Bohn, Vorsitzender des TSV Sprötze (Foto: archiv)

WOCHENBLATT-Interview mit Ronald Bohn, Vereinsvorsitzender des TSV Sprötze, über die Rolle der Sportklubs bei der Integration von Asylbewerbern

os. Buchholz. Die Vorstände von mehr als 30 Sportvereinen im Landkreis Harburg diskutierten jüngst beim Treffen des Kreissportbundes in Todtglüsingen über die Rolle der Klubs bei der Integration von Flüchtlingen. Im Interview mit WOCHENBLATT-Redakteur Oliver Sander erklärt Ronald Bohn (44), Vorsitzender des TSV Sprötze, warum die Sportvereine an ihre Grenzen stoßen.
WOCHENBLATT: Welche Funktion übernehmen Sportvereine bei der Integration von Flüchtlingen?
Ronald Bohn: Jeder Sportverein im Landkreis ist gewillt, bei der Integration von Flüchtlingen seinen Beitrag zu leisten. Gerade beim Sport fällt es vielen leichter, egal welcher Herkunft sie sind und welche Sprache sie sprechen, sich anzunähern. Wenn die Rahmenbedingungen stimmen, können wir einen großen Beitrag leisten.
WOCHENBLATT: Stimmen denn die Rahmenbedingungen?
Bohn: Da liegt der Hase im Pfeffer. Wir Vereine haben leider keinen bzw. nur noch einen geringen Stellenwert bei der Mehrheit der Kommunalpolitiker in den Städten und Gemeinden. Ich habe das Gefühl, dass man uns am liebsten aus dem Haushaltetat streichen würde. Auf der anderen Seite sollen wir jetzt, da es ein Problem mit der Zuwanderung gibt und keiner weiß wie man diese Menschen beschäftigen soll, die Kohlen aus dem Feuer holen.
WOCHENBLATT: Wo sehen Sie das Hauptproblem?
Bohn: Laut Frau Köchel vom Landkreis Harburg (Beauftragte für Sport und Integration, die Redaktion) muss der Landkreis 40 Asylbewerber pro Woche aufnehmen! Alle Vereine sind bereit, bei der Integration zu helfen, aber bezahlen können wir das nicht! Wenn jemand von heute auf morgen Hartz-IV-Empfänger wird, können wir mal für einige Zeit den Beitrag aussetzen. Wie sollen aber die Asylbewerber den Vereinsbeitrag leisten?
WOCHENBLATT: Gibt es für die Vereine Unterstützung von den Sportverbänden?
Bohn: Nicht wirklich. Im Gegenteil hat der Landessportbund gerade wieder die Beiträge erhöht. Der Landessportbund hat einen Etat von ca. 8,3 Millionen Euro und über 50 Prozent davon gehen für Gehälter drauf. Was hat das bitte mit Sportförderung zu tun? Die Fachverbände verlangen zudem für jedes Mitglied Beiträge und auch hier würden wir wieder bestraft werden, wenn wir zahlreiche Asylbewerber aufnehmen. Der Fisch fängt bekanntlich am Kopf an zu stinken. Die Politik beschließt irgendwelche Angelegenheiten, die dann die Schwächsten in der Gesellschaft ausbaden sollen. So ist es auch in diesem Fall.
WOCHENBLATT: Welche Unterstützung müssten gerade kleinere Sportvereine von der Politik oder den Sportbünden erhalten?
Bohn: Neben der finanziellen Unterstützung benötigen wir den Abbau der Bürokratie. Alles was heutzutage beschlossen wird, hilft nur dem Staat und den Verbänden. Unsere ehrenamtliche Arbeit wird durch ausufernde Bürokratie enorm erschwert und unnütz verteuert. Fragen Sie doch heute mal in der Bevölkerung, wer ein Ehrenamt oder sogar den Vorsitz eines Vereins übernehmen will. Die zeigen ihnen alle einen Vogel.
WOCHENBLATT: Herr Bohn, vielen Dank für das Gespräch.