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Die Unsicherheit macht ihn krank

 

Entwurzelt wegen unklarer Rechtslage: Asylbewerber Hashim Yahya (22) soll nach Italien abgeschoben werden

os. Buchholz. Er war auf einem guten Weg, begann in Deutschland Wurzeln zu schlagen, träumte von einer beruflichen Zukunft in einer Kfz-Werkstatt - jetzt steht Hashim Yahya (22) vor dem Nichts: Der Asylbewerber aus dem Sudan soll am 30. April nach Italien abgeschoben werden. Dem jungen Mann, der vor sechs Jahren aus seiner krisengeschüttelten Heimat in Afrika floh, droht erneut ein Neustart von null. Die Unsicherheit über seine Zukunft macht Hashim Yahya zunehmend krank.
In Italien betrat der junge Sudanese vor sechs Jahren erstmals europäischen Boden. Das Problem: Die Politik hat es bislang nicht geschafft, einheitliche Regeln festzulegen, wie mit Flüchtlingen zu verfahren ist. Muss das Land, in dem ein Flüchtling ankommt, diesen aufnehmen, oder werden die Asylbewerber über einen bestimmten Schlüssel auf die EU-Staaten verteilt? "Die Aufnahme von Flüchtlingen ist haarsträubend geregelt", kritisiert Kai Weber vom Flüchtlingsrat Niedersachsen. Es gleiche einem Lotteriespiel, wo ein Asylbewerber landet. "Das Problem muss endlich von der Politik geregelt werden und darf nicht weiter auf dem Rücken der Flüchtlinge ausgetragen werden", fordert Weber.
Hoffnungen setzt der Flüchtlingsrat auf den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Straßburg. Dieser soll in Kürze entscheiden, ob die Abschiebung nach Italien gegen die Menschenrechte verstößt. Konkret geht es um eine achtköpfige Familie aus Afghanistan, die über Italien in die Schweiz gelangte. Die Familie sei in Italien in völlig desolaten Verhältnissen untergebracht gewesen, berichtet der Rechtsanwalt der Familie. Der Staat tue nichts, die Situation der Flüchtlinge zu verbessern.
Das Urteil des EGMR könnte wegweisenden Charakter auch für deutsche Gerichte haben. Bislang tun sich die Verwaltungsgerichte schwer mit einer einheitlichen Rechtssprechung. Einzelne Gerichte wie Stade und Lüneburg halten Abschiebungen nach Italien für unbedenklich, andere Gerichte wie Braunschweig und Hannover stoppten Abschiebungen in Europas Süden, weiß Kai Weber vom Flüchtlingsrat.
Für Hashim Yahya dürfte die Entscheidung der EGMR zu spät kommen. "Wir werden die Abschiebung kaum verhindern können", sagt Monika Fiske. Sie beherbergt den Sudanesen seit einem guten Jahr in Buchholz, kümmert sich um ihn, geht mit ihm zum Arzt. "Hashim wird auch von einem Psychologen betreut", erklärt Monika Fiske. Es gehe ihm sehr schlecht.
In anderen Städten zeigen Bürger auf ihre Art, was sie von der Entwurzelung der Asylbewerber halten: In der vergangenen Woche kam es in Göttingen zu schweren Auseinandersetzungen zwischen Aktivisten und der Polizei mit mehreren Verletzten. Ein Mann aus Somalia sollte nach Italien abgeschoben werden. Die Abschiebung wurde verschoben.
Weil ihn die unsichere Zukunft so fertig macht, geht Hashim Yahya seit geraumer Zeit nicht mehr zu seiner unbezahlten Praktikumsstelle in der Kfz-Werkstatt von Carsten Kock. Der Kfz-Meister macht seinem Schützling Mut: "Für ihn ist die Tür bei uns immer auf!"