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Eisbären in der Sahara

Eisbären in der Sahara oder Buchholzer Bürger als Verkehrsplaner - beides ist höchst unwahrscheinlich (Foto: Dieter/pixelio.de)

Fällt das Buchholzer Mobilitätskonzept dem Hickhack der Parteipolitiker und dem Tricksen der Verwaltung zum Opfer


Vorweg: Dass ein Bürger-Mobilitätskonzept für Buchholz eine gute Sache sein könnte, steht für die meisten außer Frage, für mich auch. Aber nur jenseits von Politiker-Querelen und Strategiespielchen der Stadtverwaltung, wie sie - von Mal zu Mal heftiger - mit dem Projekt einher gegangen sind.
In Buchholz, so hatte es nach der jüngsten Kommunalwahl der Stadtrat beschlossen, soll Stadt- und Verkehrsplanung künftig mit den Bürgern passieren - und nicht über deren Köpfe hinweg. Mit einer Bürgerumfrage und mehreren Runden Themen-Tischen sollte das Wissen der Stadtbewohner zu den Experten in der Verwaltung transferiert werden. Kosten: 50.000 Euro.
Der jüngste Runde Tisch zum Thema "Innenstadt" hat aber schonungslos offen gelegt: Die Bürgerbeteiligung ist am Ende: Unter den 40 Anwesenden kaum ein Dutzend Normalos, der Rest Funktionsträger aus Stadtrat, Verbänden und Verwaltung.
Warum ist das so? Eine Ursache: Die Stadtverwaltung hatte zuvor den Runden Tisch zum Thema "Straßenverkehr" zum Ostring-PR-Termin umfunktioniert. Was wiederum die Ostring-Gegner von SPD, Grünen und Buchholzer Liste auf die Palme brachte. Alter Streit in neuem Rahmen. Bürger mit Ideen wurden vor den Kopf gestoßen.
Der Ostring-Vortrag, überflüssig wie ein Kropf, und die am Runden Tisch "Innenstadt" vorgetragenen Visionen des von der Stadt beauftragten Verkehrsplaners zu einer verkehrsberuhigten Kirchenstraße - was hat das mit Bürgerbeteiligung zu tun? Beides scheint eher in die Sicht des Buchholzer Bürgermeisters zu passen. Wilfried Geiger will den Ostring um jeden Preis. Und hält von dieser Art Basisdemokratie etwa soviel, wie von Eisbären in der Sahara - was er aber niemals öffentlich eingestehen würde.
Ist das Bürger-Mobilitätskonzept für die Stadt Buchholz noch zu retten? Vielleicht! Denn vielleicht passiert ja ein Wunder. Ein Wunder wäre es, wenn diejenigen, die jetzt mit der Auswertung der bürgeroffenen Veranstaltungen betraut sind - Verkehrsbehörde, Planer und Verbandsvertreter - über ihren Schatten springen könnten, ihr eigenes Süppchen vom Herd nehmen und wirklich offen und ergebnisorientiert die aus der täglichen Praxis geboren Überlegungen, Ideen und Anregungen zur Verkehrsoptimierung in Buchholz in ein umsetzbares Konzept einarbeiten würden. Allerdings: Die Pläne müssten auch noch umgesetzt werden. Und darüber würden Politiker und Stadtverwaltung und nicht die Bürger entscheiden.
Na ja, vielleicht gibt's ja wirklich mal Eisbären in der Sahara. Und irgendwann wird's ja wohl auch den Ostring geben.
Reinhard Schrader