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Flüchtling wartete vergebens auf Abschiebung nach Ungarn

In der Begegnungsstätte "Heideruh" lebte Ashraf Y.O. mehr als sechs Monate
os. Buchholz. Eigentlich sollte der sudanesische Flüchtling Ashraf Y. O. (34)* in der Nacht von Dienstag auf Mittwoch nach Ungarn abgeschoben werden. Doch niemand kam, um ihn von der Begegnungsstätte „Heideruh“ in Buchholz, in der Y. O. seit Dezember 2013 untergebracht ist, abzuholen. Ist das ein menschenwürdiger Umgang mit Flüchtlingen?
Ashraf Y.O. lebt seit 2008 auf den Straßen Europas. Im Sudan gehörte er der Opposition „National Democratic Alliance“ an, musste vor der Regierungsarmee fliehen. Über Ägypten, Griechenland, Albanien, Serbien, Bosnien und Montenegro kam er nach Ungarn. Dort wurden ihm Fingerabdrücke abgenommen. Wegen der miserablen Umstände in Ungarn zog Y.O. weiter nach Deutschland. Hier wurde er nur geduldet, jetzt entschied das Verwaltungsgericht Lüneburg, dass er zurück nach Ungarn muss. Das sei ein sicherer Drittstaat. Der Flüchtlingsrat Niedersachsen sieht das anders.
120 Aktivisten hatten sich am Dienstagabend in „Heideruh“ versammelt, um friedlich gegen die Abschiebung zu demonstrieren. Um 4.30 Uhr nachts rückten sie wieder ab.
Bea Trampenau, Leiterin von „Heideruh“, kritisiert das Vorgehen der Behörden: „Bis heute ist Ashraf nicht zu seiner Situation befragt worden.“ Dass dem Flüchtling der Abholtermin erst am Vormittag des selben Tages mitgeteilt wurde, sei nicht hinnehmbar. Bea Trampenau fordert eine „Abschiebekultur“ in Deutschland: Der Termin müsse mindestens zwei Wochen vorher mit genauer Uhrzeit mitgeteilt werden. „Zudem müssen Flüchtlinge tagsüber abgeholt werden“, so Trampenau.
Ashraf Y. O. ist jetzt im sicheren Kirchenasyl untergebracht. Sein Anwalt will eine Verlängerung der Duldung seines Mandanten beantragen, bis im Hauptsacheverfahren entschieden wurde. Denn: Bis heute sei der Status von Y.O. unklar.
* Name der Redaktion bekannt

Das sagt der Landkreis

os. Buchholz. „Aus unserer Sicht ist bei der geplanten Abschiebung alles richtig gelaufen.“ Das sagt Johannes Freudewald, Pressesprecher des Landkreises Harburg. Am frühen Mittwochmorgen sollte der sudanesische Flüchtling Ashraf Y.O. in seiner Unterkunft „Heideruh“ in Buchholz abgeholt werden, um über Frankfurt nach Ungarn abgeschoben zu werden. Die Polizei erschien aber nicht, um den Abschiebungsbefehl zu vollstrecken.
Bei zwei Ortsterminen am Dienstag hätten Beamte der Buchholzer Polizei Ashraf Y.O. nicht angetroffen. Mitarbeiter der Begegnungsstätte „Heideruh“ hätten mitgeteilt, dass der Sudanese auch in der Nacht nicht da sein werde. „Daraufhin hat die Polizei den Termin in Absprache mit der Ausländerbehörde des Landkreises storniert“, erklärt Kreissprecher Freudewald.
Der Landkreis habe Ashraf Y.O. bei einem Termin in Winsen am 16. Juni das Datum für die Abschiebung mitgeteilt. „Seitdem wusste er konkret, dass er ausreisen muss“, sagt Freudewald. Den genauen Termin - nachts zwischen 0 und 2 Uhr - könne man erst nach Vorgaben des aufnehmenden Landes - im Fall von Y.O. Ungarn - nennen. „Schön finde ich diese Regelung auch nicht“, sagt Freudewald.

Einen Kommentar zum Thema lesen Sie in unserer Printausgabe am Samstag, 27. Juni.