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Gift-Fund auf Kinderspielplatz

 
Der kontaminierte Spielplatz in Rahmstorf bleibt gesperrt (Foto: mi)

WOCHENBLATT deckt auf: Vertuschte Müllkippe ist stark belastet!


mi/kb/os. Rahmstorf. Das ist ein Skandal! Wie die nach WOCHENBLATT-Recherche vom Landkreis Harburg in Auftrag gegebenen Bodenproben nachweisen, haben die Kinder in der Ortschaft Rahmstorf (Samtgemeinde Hollenstedt) jahrelang auf vergiftetem Boden gespielt. Das Gutachten, das die Firma Nordheide Geotechnik aus Hollenstedt angefertigt hat, weist gesundheitsschädliche Schwermetallkonzentrationen nach. Und das sogar an der Oberfläche.
Dass sich auf der kontaminierten Fläche in der Straße „Zum Sand“ bis in die 1960er Jahre eine Hausmülldeponie befunden haben soll, war in dem Ort kein Geheimnis. Dort sollen u.a. Elektro-Geräte, Autobatterien, Verpackungen und andere Abfälle entsorgt worden sein. Das hielt jedoch in der Ortspolitik offensichtlich niemanden davon ab, ausgerechnet dort einen Bolz- und Kinderspielplatz zu errichten und damit die dort spielenden Kinder einer gesundheitlichen Gefahr auszusetzen.
Die Analyse weist deutlich erhöhte Werte des Schwermetalls Nickel (195mg/kg TM) direkt an der Oberfläche (Tiefe von 1 bis 35 Zentimeter) nach. Richtig giftig wird es dann in einer Tiefe von zwei bis drei Metern. Hier stießen die Experten bei Bohrungen auf diverse Müllablagerungen. Analysen ergaben „auffällige hohe Schwermetallkonzentrationen von Blei 202 mg/kg TM, Kupfer 25.500 mg/kg TM. Nickel 4.120 mg/kg TM und Zink 10.400 mg/kg“, heißt es in dem Gutachten.
Zum Vergleich: Der EU-Grenzwert für Kupfer im Boden liegt bei maximal 140 mg/kg TM - also rund 180 Mal niedriger als in Rahmstorf festgestellt. Alle diese Stoffe sind für den menschlichen Organismus in zu hoher Konzentration giftig und teilweise krebserregend. Zu große Mengen an Kupfer z.B. schädigen den menschlichen Körper. Eine Kupferbelastung über längere Zeit führt zu Reizungen der Nase, des Mundes und der Augen, zu Magenschmerzen, Brechreiz und Durchfall. Extrem hohe Kupferaufnahmen schädigen Leber und Nieren und führen im schlimmsten Fall zum Tod (Quelle: www.onmeda.de).
"Ich sehe die Gefahr, dass ein Mensch Kupfer oder Blei zu sich nimmt, als eher gering an", sagt ein Toxikologe der Medizinischen Hochschule Hannover. Klar sei aber, dass die Schwermetalle in der vorliegenden Konzentration nicht in den Boden gehören und beseitigt werden müssen. Gerade Blei sei für den menschlichen Körper gefährlich. Es führe vor allem bei Kindern zum Teil zu irreversiblen Intelligenzschäden.
„Die Erkenntnisse aus den orientierenden Untersuchungen haben deutliche Hinweise auf giftige Stoffe und Müll im Boden geliefert“, erklärt Kreissprecher Johannes Freudewald. So überschreite z.B. die Nickel-Konzentration an der Oberfläche den zulässigen Grenzwert für eine Nutzung der Fläche als Kinderspielplatz deutlich. Aus Sicht des Landkreises sei es nicht zu verantworten, den Spielplatz weiter zu nutzen. Die auffällig hohen Schwermetallkonzentrationen im Boden werde der Landkreis umfassender untersuchen. Zwar gehe von den im Erdreich eingeschlossenen Giftstoffen keine unmittelbare Gefahr aus, es sei aber ohne weitere Analysen nicht auszuschließen, dass kontaminierte Erde ins Grundwasser gelangen könnte.
„Für mich kommen die Ergebnisse überraschend“, sagt Ortsbürgermeister Kay Wichmann auf WOCHENBLATT-Nachfrage. Er verlasse sich auf den Landkreis Harburg, dass dieser die richtigen Entscheidungen trifft. Auch wenn Teilflächen des Spielplatzes wieder freigegeben werden könnten, werde man das Areal voll gesperrt lassen, so Wichmann.

KOMMENTAR

Die giftige Altlast muss schnell entsorgt werden

„Im Rat ist das Problem mit der Müllkippe seit Langem bekannt“, heißt es in einem anonymen Schreiben an das WOCHENBLATT. Die Untersuchungen des Kreises scheinen dies zu bestätigen.
Jetzt ist es an der Zeit, dem Rat Regesbostel und seinen Mitwissern auf die Füße zu treten. Warum hatte der Kreis keine Kenntnis von der Deponie, warum schweigt der Rat offenbar seit Jahrzehnten? Viele Fragen sollten die Rahmstorfer ihren Ratsmitgliedern stellen! Denn allen muss klar sein: Im Ort ist die Existenz der Müllkippe zumindest bei älteren (Rats)Herren und (Rats)Damen ein offenes Geheimnis.
Auch Bürgermeister Kay Wichmann, der glaubhaft beteuert, dass es sich um Ereignisse weit vor seiner Amtszeit handelt, die erst vor rund elf Monaten begann, muss jetzt mehr unternehmen als die Bodenabsenkungen auf der Müllkippe mit ein paar Ladungen Erde zu kaschieren. Es ist an ihm, den Dingen auf den Grund zu gehen und - vor allem - gemeinsam mit dem Landkreis Harburg dafür zu sorgen, dass die giftige Altlast beseitigt wird. Mitja Schrader