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IGS Buchholz: "Konflikte in den Gremien lösen"

Im Interview: (v.li.): Schulleiter Holger Blenck, Dezernent Volker Wrigge und Marianne Assenheimer von der Schulaufsichtsbehörde in Lüneburg

WOCHENBLATT-Gespräch zur Elternkritik an der Schulleitung der Integrierten Gesamtschule in Buchholz


An der Integrierten Gesamtschule (IGS) am Buenser Weg in Buchholz herrscht derzeit einige Unruhe. Eltern der Klasse 7a machen gegen Schulleiter Holger Blenck und die Schulaufsichtsbehörde in Lüneburg mobil. Sie sagen, der Schulleiter sei dabei, das Konzept der IGS umzukrempeln und habe so die engagierten Klassenlehrer der 7a und andere Lehrer vergrault. Zehn Lehrer wollen zum Ende des Schuljahres die IGS verlassen (das WOCHENBLATT berichtete mehrfach). Zudem habe er einen Jungen, der eines Fehlverhaltens verdächtig war, genötigt ein schriftliches Geständnis zu unterschreiben. WOCHENBLATT-Chefredakteur Reinhard Schrader hat darüber mit Schulleiter Holger Blenck und Dezernatsleiter Volker Wrigge sowie Dezernentin Marianne Assenheimer von der Regionalabteilung Lüneburg der Niedersächsischen Landesschulbehörde gesprochen.
WOCHENBLATT: Herr Blenck, Eltern werfen ihnen vor, sie wollten aus der IGS Buchholz ein verkapptes Gymnasium machen. Was ist da dran?
Holger Blenck: Nichts! Gegenwärtig wird an unserer Schule die Einführung der gymnasialen Oberstufe vorbereitet. Dem wollen wir gerecht werden. Vor dem Regierungswechsel in Hannover lag die Messlatte dafür ausgesprochen hoch. In diesem Zusammenhang habe ich von einer Ausrichtung unserer IGS auf Gymnasial-niveau gesprochen.
WOCHENBLATT: Zehn von rund 40 Lehrern wollen die IGS Buchholz zum Ende des Schuljahres verlassen. Darunter die beiden Klassenlehrer der 7a. Die kritischen Eltern sehen als Grund für die Fluktuation Konflikte einiger Lehrer mit der Schulleitung über den künftigen Kurs.
Volker Wrigge: Ich kann Ihnen aus Fürsorgegründen nicht im Einzelfall die Gründe für den jeweiligen Wechsel nennen. Nur soviel:Oft spielen ganz persönliche Wünsche für eine Versetzung die wichtigste Rolle. Im Übrigen wechseln an den rund 70 Schulen in unserem Zuständigkeitsbereich rund 200 Lehrer pro Schuljahr die Schule.
Marianne Assenheimer: Natürlich gibt es unterschiedliche Vorstellungen über den Kurs einer Schule und die Ausrichtung des Unterrichts. Diese können aber nur in den Gremien - unter anderem Schulvorstand, Gesamtkonferenz - diskutiert und demokratisch entschieden werden. Hier können sich jedoch alle Beteiligten einbringen und am Kurs der Schule mitwirken. Dies gilt natürlich auch für alle Lehrkräfte, die sich mit der aktuellen Entwicklung nicht anfreunden können.
WOCHENBLATT: Eltern aus der 7a monieren, ihre Anliegen hätten kein Gehör gefunden.
Holger Blenk Es hat direkte Gespräche mit den Eltern der 7a gegeben. Ich verstehe die Enttäuschung über den Wechsel der Klassenlehrer. Es ist aber nicht so, wie kolportiert, dass bei uns der Grundgedanke der integrierten Gesamtschule zur Disposition steht. Vielmehr wird an unserer Schule, wie bisher, jedes Kind dort abgeholt, wo es steht und bestmöglich gefördert. Hohe Leistungen und Lernerfolge alles Schülerinnen und Schüler sind unser gemeinsames Ziel. Ich kann Ihnen versichern, dass eine breite Mehrheit der Eltern und Lehrer das auch so sieht.
WOCHENBLATT: Eltern kritisieren die Rückkehr zum "Frontalunterricht", das heißt, herkömmliches Unterrichten vor der Klasse und nicht mehr Gruppenarbeit, wo der Starke dem Schwachen helfen und jedes Kind vom anderen lernen kann.
Holger Blenck: Die Kenntnis und der Einsatz von verschiedenen Methoden ist uns ein besonderes Anliegen und ist für unsere Schülerschaft in seiner Vielfalt auch nötig. Dazu gehören auch Phasen des Frontalunterrichts sowie Gruppenarbeit, Partnerarbeit wie andere Methoden des selbstorganisierten Lernens.
WOCHENBLATT: Herr Wrigge, können Sie etwas sagen zu dem von Eltern erhobenen Vorwurf gegen den Schulleiter, er habe einen Schüler nach einem tatsächlichen oder vermeintlichen Fehlverhalten zu einem schriftlichen Geständnis genötigt?
Volker Wrigge: Zum Einzelfall nichts. Hier geht es ja genau um das Problem, dass Schulleiterinnen und Schulleiter immer wieder haben, die Gratwanderung zwischen zu viel und zu wenig: ein Schulleiter muss eingreifen, wenn es sich um Probleme zwischen Schülerinnen und Schülern handelt und er muss die Schüler ernsthaft befragen. Vorkommnisse, bei denen es um Vorwürfe gegen Schulleitung oder Lehrer geht, werden in der Landesschulbehörde nach einem genau festgelegten Procedere untersucht. Das Verfahren dauert gegenwärtig noch an.
WOCHENBLATT: Danke für das Gespräch.

PS. Schulleiter Holger Blenck hat jetzt mitgeteilt, dass das Überprüfungsverfahren der Landesschulbehörde wegen der Elternbeschwerden inzwischen abgeschlossen sei. Die Überprüfung habe ergeben, dass kein dienstrechtlich relevantes Fehlverhalten des Schulleiters vorgelegen habe.