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"Inhaltlich weitgehend unklar!"

Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren: Viele Fragen sind noch ungeklärt

os. Buchholz. Die rot-grüne Landesregierung hat für Niedersachsen die Rückkehr zum Abitur nach 13 Jahren beschlossen (das WOCHENBLATT berichtete). Was im Kultusministerium für gute Laune sorgt, treibt landesweit den Leitern der Gymnasien die Sorgenfalten ins Gesicht. "Inhaltlich sind die Auswirkungen des neuen G9 weitgehend unklar", sagt Hans-Ludwig Hennig. Das WOCHENBLATT hat mit dem Leiter des Buchholzer Albert-Einstein-Gymnasiums exemplarisch über die Rückkehr zum G9 gesprochen.
Der Rektor hat die Änderungen für seine Schule in einem Informationsschreiben an Eltern und Schüler zusammengefasst. Der achte Jahrgang des Schuljahrs 2014/15 wird demnach im Jahr 2019 als letzter das Abitur nach zwölf Jahren machen. Der siebte Jahrgang des kommenden Schuljahrs sei im Jahr 2021 der erste, der nach 13 Schuljahren das Abitur ablegt. Im Jahr 2020 gibt es keine Abiturprüfungen.
Die ersten Änderungen greifen ab dem Schuljahr 2015/16: Dann sollen die Fünft- bis Zehntklässler maximal 30 Wochenstunden haben. Derzeit sind es bis zu 34 Wochenstunden. In den Jahrgängen 5 und 6 sollen dann Deutsch und Mathematik vierstündig pro Woche unterrichtet werden (derzeit fünf Stunden pro Woche). Für besonders starke Schüler soll es die Möglichkeit geben, eine Klasse zu überspringen. Pro Jahrgang sollen dafür zwei Förderstunden geschaffen werden.
Noch nicht geklärt sind laut Hennig neben der inhaltlichen Ausgestaltung der Lehrpläne die Eckdaten für die neue Eingangsphase in die elfte Klasse. In der sogenannten "Qualifikationsphase" (12. und 13. Jahrgang) soll es wieder fünfstündige Leistungskurse, dreistündige Grundkurse und zweistündige Auflagenkurse geben. Derzeit gibt es fünf jeweils vierstündige Leistungsfächer. "Wir sind gespannt, wie die neue Oberstufen-Verordnung in das bisherige G8-Abitur passt", erklärt Schulleiter Hennig.
Unklar ist auch, ob das Seminarfach der bisherigen Oberstufe weitergeführt wird. Dort arbeiten Oberstufenschüler bislang nach wissenschaftlichen Kriterien zu bestimmten Themenschwerpunkten - eine gute Vorbereitung auf ein späteres Studium. "Das Seminarfach hat sich bei uns fest etabliert. Wir würden ungern darauf verzichten", sagt Hennig.
Im Laufe des kommenden Schuljahres muss das Kultusministerium sein theoretisches Werk mit Leben füllen. Derweil hat Hans-Ludwig Hennig erste Maßnahmen ergriffen: "Für das kommende Schuljahr schaffen wir keine neuen Bücher an. Wir müssen erst schauen, wie die Schulbuchverlage mit den Änderungen verfahren."