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Insolvenzverwalter: "Entscheidung für die Curagita AG ist ohne meine Beeinflussung getroffen worden"

Insolvenzverwalter Jan Ockelmann
(rs). "Die Berichterstattung im WOCHENBLATT zur Übernahme des insolventen Krankenhauses Salzhausen durch die Curagita AG ist in einem wichtigen Punkt falsch", so Insolvenzverwalter Jan Ockelmann. Er habe zu keinem Zeitpunkt dem Gläubigerausschuss empfohlen, sich für das Konzept der Curagita AG oder das Konzept eines anderen Interessenten zu entscheiden.
Die Entscheidung des Gläubigerausschusses, mit wem der Geschäftsbesorgungsvertrag geschlossen werden soll, sei alleine aufgrund der Präsentation und Vorstellung der einzelnen Bewerber gefallen. Ockelmann: "Die Entscheidung für die Curagita AG ist gänzlich ohne meine Empfehlung oder Beeinflussung getroffen worden."
Der Insolvenzverwalter legt Wert darauf, dass es vor dem Votum für den Heidelberger Gesundheitskonzern ein transparentes Verfahren gegeben habe, bei dem alle Bewerber gleichzeitig Zugang zu allen relevanten Informationen gehabt hätten. Verblieben seien vier Interessenten, von denen sich drei dem Gläubigerausschuss vorgestellt und um den Abschluss des Geschäftsbesorgungsvertrages beworben hätten.
Wie berichtet, hatte sich unter anfangs zehn Bewerbern auch der Landkreis Harburg mit den Krankenhäusern Buchholz und Winsen um die Fortführung der 65-Betten-Klinik in Salzhausen bemüht und dabei sowohl die Fortführung des Krankenhauses als auch die Übernahme der Mitarbeiter zugesichert.
Der Gläubigerausschuss, dem neben Salzhausens Bürgermeister Wolfgang Krause noch Jürgen Franzke, Geschäftsführer des Altenheim-Betreibers Benno & Inge Behrens-Stiftung, Betriebsrätin Birgit Mertke, Volksbank-Vertreter Carsten Henningsen und Uwe Axt als Lieferantenvertreter angehören, hatte aber den Heidelberger Radiologie-Konzern Curagita den örtlichen Krankenhäusern vorgezogen.

Was will die
Curagita AG?


Die Curagita AG ist eine 1999 von dem Kaufmann Dr. Johannes Schmidt-Tophoff als Dienstleister für die Deutsche Radiologienetz AG gegründete Aktiengesellschaft. Sie hat 2013 die insolvente Hamburger Hanserad-Gruppe übernommen, dessen Gründer und Geschäftsführer Prof. Wolfgang Auffermann Abrechnungsbetrug in zweistelliger Millionenhöhe vorgeworfen wird. Die Staatsanwaltschaft ermittelt. Es geht um sieben Radiologie-Standorte in und um Hamburg und zwei in München. Die Curagita soll nach Medienberichten auch sämtliche Verbindlichkeiten übernommen haben.
Inzwischen schreibt die Ärzte Zeitung, dass die fünf Hamburger Hanserad-Standorte aktuell mit dem früheren Hamburger Wettbewerber Conradia fusionieren und unter unter dessen Namen weiterlaufen sollen. Für die beiden Münchener Standorte sei eine Übernahme durch die Curagita für Anfang April geplant.
Es wird spekuliert, dass die Curagita verschiedene Standorte zu Gesundheitsversorgungszentren ausbauen will. Zum Thema Gesundheitsversorgungszentren heißt es auf dem Info-Portal Wikipedia: "Mit dem GKV-Versorgungsstrukturgesetz (GKV-VStG) können seit dem 1. Januar 2012 medizinische Versorgungszentren (MVZ) nur noch von zugelassenen Ärzten, von zugelassenen Krankenhäusern, ... oder von gemeinnützigen Trägern, die an der medizinischen Versorgung der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) aufgrund von Zulassung, Ermächtigung oder Vertrag teilnehmen, gegründet werden. Bei MVZ-Neugründungen sind zudem nur noch Personengesellschaften (darunter ... eingetragene Genossenschaften (e.G.) und Gesellschaften mit beschränkter Haftung (GmbH) erlaubt. Nicht erlaubt sind Aktiengesellschaften (AG)."
Hinter dieser Rechtslage dürfte der tiefere Grund der Übernahme des insolventen genossenschaftlich organisierten Krankenhauses Salzhausen durch die Curagita AG liegen.
Die Curagita AG ist ursprünglich ein Einkaufs-, Dienstleistungs und Beratungsunternehmen für die DeRaG (Deutsche Radiologienetz AG), einem Zusammenschluss von Radiologie-Praxen und Radiologie-Abteilungen in Krankenhäusern. 2007 hatte die Curagita außerdem die "Insight Agents" für die Herstellung und den Vertrieb generischer Kontrastmittel gegründet. 2009 wurde dieses Unternehmen an die Agfa Healthcare verkauft.