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Kampf gegen die Elterntaxis

Mit diesem Appell will Neuntklässlerin Justina Büttner Mitschüler und deren Eltern zum Nachdenken anregen (Foto: Justina Büttner)
 
Bei der Preisverleihung an das Albert-Einstein-Gymnasium in Buchholz: die Schülerinnen (vorn, v. li.) Lianne Hase, Vivian Borucki, Adriana Cyganowska, Justina Büttner und Lina Zabel sowie (hinten, v. li.) Lehrerin Wiebke Müller, Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse und Schulleiter Hans-Ludwig Hennig

Wettbewerb soll dazu motivieren, auf unnötige Autofahrten zu verzichten / „Muten Sie Ihren Kindern mehr zu“

(os/bc). „Ich fahre jeden Morgen 15 Minuten früher los, um nicht in die Vielzahl von Elterntaxis zu kommen. Ansonsten käme ich regelmäßig zu spät in den Unterricht.“ Das sagt Wiebke Müller, Lehrerin am Albert-Einstein-Gymnasium (AEG) in Buchholz. Sie ist genervt von Eltern, die regelmäßig ihre Kinder zur Schule fahren und die Zufahrtswege zur Schule verstopfen. Ansprachen an die Eltern, auf diese Fahrten zu verzichten, fruchteten bislang nicht: „Die Appelle sind bislang immer verpufft.“ Die Elterntaxis seien ein großes Ärgernis, erklärt AEG-Schulleiter Hans-Ludwig Hennig, und spricht damit für viele seiner Kollegen.
Wiebke Müller hofft, dass jetzt die Anzahl der Elterntaxi-Fahrten zum AEG reduziert wird. Die Schülerinnen Adriana Cyganowska, Lina Zabel, Justina Büttner, Vivian Borucki und Lianne Hase haben unter ihrer Leitung an einem mit 2.000 Euro dotierten Wettbewerb der Stadt Buchholz teilgenommen und zählen zu den drei Gewinnern. Ihre Idee: Mit Grafiken - teilweise mit provokanten Äußerungen - sollen Schüler und ihre Eltern zum Nachdenken angeregt werden. „Gerade Schülern, die nah bei der Schule wohnen, soll die Fahrt im Elterntaxi peinlich sein“, erklärt Neuntklässlerin Lina Zabel. Die Flyer sollen in Kürze vor der ersten und nach der sechsten Stunde verteilt werden. Von dem Preisgeld in Höhe von 666,66 Euro wollen die Schülerinnen ein Grafiktablet anschaffen, der Rest soll an einen Verein in Hannover gespendet werden, der Kunsttherapie für krebskranke Kinder fördert.
Das Phänomen Elterntaxi kennt man natürlich auch im Landkreis Stade an diversen Schulen. Im Alten Land kann Heinrich Lücken, Leiter der Grundschule in Jork, ein Lied davon singen: „Jedes Jahr weise ich in einem Brief erneut darauf hin, dass Eltern bitte nicht die Straße zuparken sollen.“ Es gebe aber immer wieder einige Uneinsichtige: „Manche lassen sogar den Motor laufen und tragen ihren Kindern den Ranzen ins Klassenzimmer“, berichtet Lücken. Den Wettbewerb, wie er jetzt in Buchholz ausgelobt war, findet Lücken hervorragend: „Wenn solche Initiativen dafür sorgen können, dass die Anzahl der Elterntaxis weniger wird, bin ich sehr interessiert.“ Er vertritt die Meinung, dass Eltern ihren Kindern durchaus einen Schulweg von einigen hundert Metern zutrauen sollten: „Man kann ja vorher üben, wie sich die Kinder im Straßenverkehr zu verhalten haben und wo sie über die Straßen gehen sollen.“
Buchholz' Bürgermeister Jan-Hendrik Röhse lobte das Engagement der Schüler, die Ergebnisse könnten sich sehen lassen. Er appelliert an die Eltern, ihre Kinder allein auf den Schulweg zu schicken. „Wir können unseren Kindern mehr zumuten“, fordert auch Röhse.
• Die anderen Preisträger in Buchholz sind die Waldschule sowie die Mühlenschule. Bei der Waldschule stellten die Wettbewerbsgewinner den Weg zur Schule von einer Gruppe gehender Schüler und Schülern im Elterntaxi in einer Fotostory gegenüber. Die Mühlenschüler erstellten eine Wandtapete mit einem „Zu-Fuß-Bus“. Die Idee: Mehrere Schüler gehen, von Eltern begleitet, zu Fuß zu ihrer Schule.
• Wie sehen Sie, liebe WOCHENBLATT-Leserinnen und -Leser, das Problem Elterntaxi? Schreiben Sie uns Ihre Meinung per E-Mail an os@kreiszeitung.net.

Kommentar

Kinder nicht verhätscheln

„Man kann Kindern viel mehr zutrauen“, sagt Buchholz‘ Bürgermeister Röhse. Recht hat er. Ich gehe noch weiter: Man muss Kindern mehr zutrauen. Eltern, die das nicht tun und ihren Nachwuchs verhätscheln, schaden ihren Kindern.
Wer sein Kind regelmäßig wenige Hundert Meter zur Schule gondelt, der schränkt nicht nur das Selbstbewusstsein seines Nachwuchses ein, er fördert auch dessen Bequemlichkeit und Faulheit. Spätestens, wenn die Kinder aus dem Haus sind, wird ihnen diese vermeintliche Elternliebe auf die Füße fallen. Keiner soll mit dem Wetter kommen: Es gibt mittlerweile so gute Schutzkleidung, dass dieses Argument nicht zählt. Oliver Sander