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Klage gegen ADAC: "Ich fühle mich wie ein Versuchskaninchen!"

Wilfried Ganick beim Aktenstudium - der Rechtsstreit mit dem ADAC zieht sich bereits seit drei Jahren hin
os. Buchholz. "Mit normalen Maßstäben ist nicht mehr zu erklären, was mit mir gemacht wird. Ich fühle mich wie ein Versuchskaninchen!" Das sagt Wilfried Ganick (65): Seit drei Jahren kämpft er mit dem ADAC als Versicherungspartner um eine Entschädigung für einen im Urlaub erlittenen Achillessehnenriss. Es geht um rd. 37.000 Euro. Und einmal mehr darum, ob wirklich neutrale Gutachter eingesetzt werden. Am Dienstag, 4. Juni, ab 13 Uhr treffen die Parteien im Landgericht Stade aufeinander.
Ganick, pensionierter Hauptkommissar aus Buchholz, hatte bei Deutschlands größtem Automobilclub zwei Versicherungen abgeschlossen. Aus beiden Policen zusammen erhielt Ganick für einen Unfall in der Türkei 2.520 Euro. Ganicks Anwalt, Fachanwalt für Versicherungsrecht Jürgen Hennemann aus Buchholz, hat eine Klage über weitere rd. 37.000 Euro angestrengt, die seinem Mandanten zustünden. Der Streit entzündet sich an zwei unterschiedlichen Gutachten zu den Unfallfolgen.
Rückblick: Im Juli 2009 machen Ganick, seine Frau und der damals siebenjährige Enkel Urlaub in der Türkei. Beim Versuch, den rd. 20 kg schweren Jungen im Hotel-Swimmingpool hochzuwerfen, reißt Ganicks linke Achillessehne. Noch in der Türkei wird der Patient operiert.
In Deutschland beginnt für Ganick eine Odyssee durch Arzt-Praxen und Gutachter-Räume. Gutachter kommen zu diametral unterschiedlichen Ergebnissen. Folge: Das Landgericht Stade gibt den Auftrag für ein weiteres Gutachten, das Ganick neben den Gerichtskosten ebenfalls bevorschussen musste. Dieses wurde von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) erstellt - und stellt Ganick nicht zufrieden. "Dort wurde festgestellt, dass nur marginale Unterschiede der Achillessehnen bestehen. Jeder Laie sieht, dass die linke Achillessehne doppelt so dick ist wie die rechte", kritisiert Ganick. Seine Lebensqualität sei seit dem Unfall erheblich eingeschränkt.
Hennemann kündigt an, das Gutachten der MHH "ins Fadenkreuz" zu nehmen und "deutlich die Unplausibilitäten" aufzuzeigen. Die MHH stehe nach jahrelanger Beobachtung im Verdacht, sich zum Gefälligkeits- und Lagergutachter der Versicherungswirtschaft entwickelt zu haben. "Dem Gericht ist das vermutlich nicht bewusst", sagt Hennemann.
Wilfried Ganick hat bereits rd. 14.000 Euro in das Verfahren gesteckt. Er hofft auf ein baldiges Ende des Rechststreits: "Ich werde immer nur vertröstet und darf zahlen. Das geht mir auf den Senkel!"