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Kommentar: Das ist das falsche Signal

Sehr geehrter Herr Bordt,
Ihre Entscheidung, 29 Asylbewerber nicht in dem ehemaligen Café unterzubringen, mag auf den ersten Blick vernünftig sein. Aber sie kommt zu spät. Kaum jemand wird Ihnen jetzt glauben, dass Ihr Nein das Ergebnis „einer sorgfältigen Abwägung aller Fakten“ ist. Schon jetzt heißt es, die Undeloher haben sich durchgesetzt, weil der Landkreis die Auseinandersetzung scheute. Ich kann mir vorstellen, dass andere Gemeinden sich an Undeloh ein Beispiel nehmen. Dann dürfte es für den Landkreis nahezu unmöglich werden, weitere Unterkünfte für Asylbewerber zu finden. Ganz offensichtlich tragen viele Menschen Ängste in sich, wenn sie an ausländische Mitbürger in ihrer Nachbarschaft denken. Das zeigen die Reaktionen auf die Undeloh-Berichterstattung. Das Vorurteil vom kriminellen und gewaltbereiten Farbigen, der nur aus wirtschaftlichen Gründen nach Deutschland kommt, macht dann schnell die Runde.
Herr Bordt, Sie hätten ein Zeichen dafür setzen können, dass Integration auch unter schwierigsten Bedingungen möglich ist. Doch stattdessen hat jetzt Betreiber „Human
Care“ aus Furcht vor Ressentiments gegenüber den Flüchtlingen einen Rückzieher gemacht.
Für die Undeloher mag dies ein Sieg sein. Für die Menschlichkeit ist es aber eine Niederlage. Die Chance, Integration zu leben, wurde leichtfertig vertan.
Herr Bordt, ich bin auf Ihre Stellungnahme gespannt, wenn am Ende des Jahres Flüchtlinge, die im Landkreis Harburg Schutz suchen, in Zelten oder Sporthallen frieren müssen, während in Undeloh eine Pension leersteht.
Sascha Mummenhoff